24. Mai 2019

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NRW-Aussiedlerbeauftragter Hendriks besucht Siebenbürgen

Eine Delegation des Landes Nordrhein-Westfalen unter der Leitung von Heiko Hendriks, dem Beauftragten der Landesregierung für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern, besuchte vom 5. bis 9. Mai die Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen. Hendriks, der in Personalunion auch Vorsitzender des Landesbeirats für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen ist, bekleidet beide Ämter seit etwas mehr als einem Jahr. Ihm war es wichtig, nachdem er im letzten Jahr die Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen kennengelernt hat, nun auch in persönlichen Kontakt zu treten mit den heimatverbliebenen Siebenbürger Sachsen. Seitens des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gehörten Valeria Diewald, Martina Rodrigues und Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten der Delegation an. Begleitet wurden sie von Vertretern der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen: dem Landesvorsitzenden Rainer Lehni, dem stellvertretenden Landesvorsitzenden Robert Sander und Landeskulturreferentin Heike Mai-Lehni.
Im Koalitionsvertrag 2017 der nordrhein-westfälischen Landesregierung sind der Ausbau und die Pflege der Beziehungen zu den Patenlandsmannschaften verankert. Heiko Henriks wollte mit dieser Reise die Beziehung zu den Siebenbürger Sachsen wieder verstärkt mit Leben erfüllen; das Land Nordrhein-Westfalen hat bekanntlich 1957 die Patenschaft für die Siebenbürger Sachsen in ganz Deutschland übernommen. Besucht wurden unterschiedliche Regionen Siebenbürgens, in denen Gespräche mit den Siebenbürger Sachsen vor Ort geführt wurden. Es galt nicht nur persönliche Kontakte aufzubauen, sondern auch die Kultur und heutige Lebensweise der Siebenbürger Sachsen kennen zu lernen. NRW-Aussiedlerbeauftragter Heiko Hendriks (links) ...NRW-Aussiedlerbeauftragter Heiko Hendriks (links) zu Besuch bei Bischof Reinhart Guib, rechts im Bild NRW-Landesvorsitzender Rainer Lehni. Foto: Heike Mai-Lehni Auf der Agenda stand ein Empfang bei Bischof Reinhart Guib in Hermannstadt sowie Gespräche mit Vertretern des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. In Hermannstadt sprach man mit dem Landesvorsitzenden Dr. Paul-Jürgen Porr und dem Vorsitzenden des Siebenbürgenforums Martin Bottesch. In Kronstadt gab es ein Gespräch mit dem gesamten Vorstand des Kreisforums Kronstadt und dessen Vorsitzender Caroline Fernolend und dem Kronstädter Ortsforumsvorsitzenden Thomas Șindilariu. Zwischen dem Vertreter der nordrhein-westfälischen Regierung und Vertretern des Kronstädter Forums wurde ein enger Austausch vereinbart. Den Abschluss der Gespräche bildete in Schäßburg ein Austausch mit dem Dechanten und Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich.

Trotz Vorbereitung des EU-Gipfels nahm sich Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor Zeit für ein ausführliches Gespräch, in dem die aktuelle positive Lage Hermannstadts erörtert wurde, an der das Deutsche Forum und der heutige Staatspräsident Klaus Johannis wesentlichen Anteil haben. Heiko Hendriks (links) und Rainer Lehni im ...Heiko Hendriks (links) und Rainer Lehni im Gespräch mit Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor. Foto: Heike Mai-Lehni Die Delegation aus NRW hatte zudem die Gelegenheit, zwei der bekanntesten Schulen der Siebenbürger Sachsen zu besuchen: das Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt, wo man ausführlich mit Direktorin Monika Hay sprach, sowie das Honterus-Gymnasium in Kronstadt, in dem man auch einen Blick in eine Biologiestunde werfen durfte.

Die Kirchenburgen in Zeiden und Deutsch-Weißkirch, die Johanniskirche in Hermannstadt, die Schwarze Kirche in Kronstadt und die Klosterkirche in Schäßburg, Museen (das Teutsch-Haus in Hermannstadt und das städtische Museum der Traditionen in Zeiden) sowie das Archiv der Honterusgemeinde in Kronstadt konnten den Besuchern aus NRW einen Einblick in die jahrhundertealte Tradition und Geschichte der Siebenbürger Sachsen vermitteln. Die Delegation aus NRW zu Besuch in der ...Die Delegation aus NRW zu Besuch in der Kirchenburg Deutsch-Weißkirch, von links: Martina Rodrigues, Robert Sander, Caroline Fernolend, Heiko Hendriks, Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten, Rainer Lehni, Valeria Diewald. Foto: Heike Mai-Lehni Durch die Gespräche mit Gemeindevertretern in Zeiden und Deutsch-Weißkirch, den Besuch des Familienunternehmens Einschenk in Kronstadt, des kirchlichen Altenheims in Schweischer sowie des Ausbildungszentrums in Reps konnten sich die Gäste ein Bild über den Alltag in Siebenbürgen machen. Bei allen Gesprächen und Begegnungen, die sehr unterschiedlich, aber ausnahmslos sehr positiv waren, standen in deren Mittelpunkt immer der Erhalt der deutschen Schulen und die Förderung der deutschen Kultur. Bei einer zahlenmäßig abnehmenden rumäniendeutschen Bevölkerung könnte man meinen, dass die fehlenden Schüler das Bestehen der deutschsprachigen Schulen gefährdeten. Das Interesse der Schüler an der deutschen Sprache ist in Siebenbüren jedoch nach wie vor sehr groß. Einerseits ist dies bedingt durch das über Generationen friedliche Miteinander und die Wertschätzung der Geschichte und Tradition der Siebenbürger Sachsen. Andererseits bietet die Beherrschung der deutschen Sprache eine Zusatzqualifikation und somit bessere Zukunftschancen für die Absolventen, die zu rund 95 Prozent aus einem rumänischen muttersprachlichen Umfeld kommen. Der Erwerb des deutschsprachigen Sprachdiploms ermöglicht außerdem ein Studium im deutschsprachigen Ausland, was viele Absolventen in Anspruch nehmen.

Der Mangel an deutschsprachigen Lehrern ist allerdings das dringendste Problem dieser Schulen. Wie Benjamin Józsa, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, in seiner Festrede beim 13. Begegnungsfest auf dem Huetplatz in Hermannstadt (Motto „Die Zukunft beginnt jetzt“) erwähnte: „Das erste und größte Problem ist der Lehrermangel, wobei der Lehrermangel bei den Fachlehrern am gravierendsten ist. Lehrer, die Geschichte, Biologie, Mathematik oder Physik in deutscher Sprache unterrichten können, sind so selten, dass man eigentlich schon Kopfgeld auf sie aussetzen müsste …“

Am Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt und dem Honterus-Gymnasium in Kronstadt werden mit Unterstützung von Gastlehrern die meisten Fächer noch in deutscher Sprache unterrichtet. Die deutsche Bundesregierung fördert den Zuzug von Gastlehrern und unterstützt finanziell die deutschsprachigen Lehrer in Rumänien, indem die traditionell niedrigen rumänischen Lehrergehälter aufgebessert werden.

Delegationsleiter Heiko Hendriks hat zugesagt, mit den zuständigen Ministerien zu klären, wie Nordrhein-Westfalen unterstützen kann. Unterschiedliche Szenarien sollen geprüft werden, wie Entsendeprogramme für Lehrer, Lehreraustausch, Praxissemester für angehende Lehrer auch in Rumänien zu ermöglichen. Das Deutsche Forum arbeitet derzeit an einem Werbefilm, um den Bekanntheitsgrad Siebenbürgens zu steigern und das Interesse von Lehrern aus dem deutschsprachigen Ausland für diese europäische Region zu wecken.

Gemäß dem Motto des Sachsentreffens 2017 in Hermannstadt: „In der Welt zu Hause - in Siebenbürgen daheim“ – galt es, die Siebenbürger Sachsen und deren Kultur an den Ursprungsorten kennen zu lernen. Durch den facettenreichen Besuch ist dieses Vorhaben gelungen. Die Siebenbürgen Sachsen wurden authentisch wahrgenommen. Die Orgelimprovisation in der Schwarzen Kirche oder die Dorfgemeinschaft in Deutsch-Weißkirch werden den Gästen aus NRW noch lange in Erinnerung bleiben.

Robert Sander


Schlagwörter: NRW, Patenschaft, Patenland, Siebenbürgenreise, Delegation, Aussiedlerbeauftragter, Hendriks, Rainer Lehni, Hermannstadt, Fodor, Guib, Bischof, Schäßburg, Kronstadt, Forum, Johannis, Porr

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