25. März 2021

Bedeutender Journalist und Impulsgeber des Verbandes: Zur Erinnerung an Hannes Schuster

Hannes Schuster, ehemaliger Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung (1989-2002), ist am 13. März im Alter von 83 Jahren im Krankenhaus in Göttingen an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet am 27. März um 14 Uhr in der Friedhofskapelle Hardegsen-Asche unter Einhaltung der Corona-Auflagen statt. Als herausragender Journalist hat er rund vier Jahrzehnte lang das Kultur- und Gemeinschaftsleben der Siebenbürger Sachsen maßgeblich bereichert. Dem Verband verhalf er nach der Wende von 1990, sich in einer sich wandelnden Welt neu zu finden, ohne die siebenbürgischen Wurzeln aufzugeben. Gewürdigt wird der herausragende Journalist im Folgenden von Siegbert Bruss, Rainer Lehni, Dr. Bernd Fabritius und Erhard Graeff.
Hannes Schuster ...
Hannes Schuster
Am 27. Februar 1938 in Schäßburg geboren, besuchte Hannes Schuster die dortige Bergschule. Nach dem Studium der Germanistik und Rumänistik in Klausenburg war er drei Jahre lang als Deutschlehrer und Schulleiter in Kleinschelken und Hetzeldorf tätig. Seit 1965 war er als Feuilletonredakteur und stellvertretender Chefredakteur der Volkszeitung (seit 1968 Karpatenrundschau) tätig. 1987 wurde er aus der Redaktion entfernt, weil er seine Ausreise betrieb, zeitweilig arbeitete als Korrektor in einer staatlichen Druckerei, bis er im Mai 1989 aussiedeln durfte. Im gleichen Jahr, am 1. Dezember, übernahm er die Chefredaktion der Siebenbürgischen Zeitung (SbZ).

Der engagierte Publizist nutzte die Siebenbürgische Zeitung (SbZ), um die Interessen seiner Landsleute in vielen rechtlichen und politischen Fragen zu vertreten. In seiner fast 13 Jahre langen Tätigkeit als Chefredakteur wurde das Blatt fast doppelt so umfangreich wie vor der Wende. Mit seinen vielen Ausstellungskommentaren, Theaterrezensionen, kunst- und literaturkritischen Aufsätzen hat er ein Stück siebenbürgisch-sächsischer Kulturgeschichte mitgeschrieben.

Als eine „Zeit der Entgrenzung und des Wandels“ erlebte Hannes Schuster seine Arbeit als SbZ-Chefredakteur. Nachdem er in Rumänien unter den Zwängen und der Gängelung durch das kommunistische System geschrieben hatte, erfuhr der Journalist nach 1989 die „Freude am freien, zwanglosen Äußern von eigenen Gedanken und Überzeugungen“, wie er im vorigen Jahr in einem Rückblick feststellte. Seit Rentenantritt lebte er mit seiner Frau Gudrun Schuster in Hardegsen-Asche bei Göttingen.

Dem Verband und der Zeitung blieb er auch nach 2002 verbunden: als Beisitzer im Bundesvorstand (2003-2011), durch Vorträge bei den Seminnaren für ehrenamtliche Pressereferenten, die er 1993 ins Leben gerufen hatte, oder bei der Online-Diskussion zum 70-jährigen Bestehen der SbZ im letzten Herbst. An der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl rief er am Pfingstsonntag 2010 die Zuhörer auf, an einer Welt der Gesittung und Humanität mitzubauen. Ehrenamtlich tätig war er auch von 2003 bis 2016 zunächst im geschäftsführenden Vorstand und dann im Aufsichtsrat des Altenheims Siebenbürgen in Osterode am Harz.

Mit dem Goldenen Ehrenwappen der Landsmannschaft wurde Hannes Schuster im März 1994 ausgezeichnet. Sein reiches journalistisches Werk verdient es, in einem Sammelband herausgegeben zu werden. Wir sprechen seiner Frau Gudrun, den Söhnen Thomas und Johannes sowie allen Familienangehörigen unsere herzliche Anteilnahme aus.

Siegbert Bruss, Chefredakteur

Dinkelsbühl 1990, ein historischer Heimattag für ...
Dinkelsbühl 1990, ein historischer Heimattag für alle, speziell auch für die aus Hermannstadt geladenen Gäste, den Historiker Dr. Thomas Nägler (l.) und seine Frau Doina; rechts Näglers Freund aus Klausenburger Tagen Hannes Schuster. Foto: Konrad Klein

Entscheidende Impulse für den Verband gesetzt

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland verliert mit Hannes Schuster einen bedeutenden Journalisten und langjähriger Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung. Während seiner Tätigkeit als verantwortlicher Redakteur in den Jahren 1989 bis 2002 verdoppelte sich der Umfang des Blattes. Kurz nach Beginn seiner Tätigkeit für die damalige Landsmannschaft musste sich die Siebenbürgische Zeitung durch den Fall des Kommunismus in Rumänien und die darauf folgende Auswanderungswelle politisch völlig neu orientieren. Hannes Schuster hat Wege und Formen gefunden, diese Neuorientierung zu einem Erfolg zu machen, der bis heute nachwirkt.

Mit seinen niveauvollen Artikeln hat Hannes Schuster das Kultur- und Gemeinschaftsleben unserer Landsleute maßgeblich gefördert und bereichert. Für den Verband hat er entscheidende Impulse gesetzt. Dank seiner engagierten und streitbaren Publizistik wurden die Interessen der Siebenbürger Sachsen in der Aussiedleraufnahme, der Integration und in vielen Rechtsfragen gestärkt. Sein Wirken in der „Zeit der Entgrenzung und des Wandels“, wie er sie nannte, hat mit dazu beigetragen, dass unser Verband heute für seine Offenheit und grenzüberschreitende Vernetzung anerkannt und geschätzt wird.

In seinem letzten öffentlichen Auftritt bei der Online-Podiumsdiskussion zum 70-jährigen Bestehen der Siebenbürgischen Zeitung am 25. November 2020 schilderte Hannes Schuster ausführlich gerade diese Entwicklung ab 1990. Berichte aus erster Hand aus Rumänien bilden seither ein Grundelement jeder Zeitungsfolge. Damit trägt man dem Interesse der Erlebnisgeneration Rechnung und schließt gleichzeitig eine Lücke in der deutschen Medienlandschaft, da die Siebenbürgische Zeitung hier eine wichtige Aufgabe ­erfüllt. Als „wichtigstes Mittel gruppenspezifischer Kommunikation und Selbstdarstellung“ sagte Hannes Schuster weiter, sei die Zeitung geradezu verpflichtet, einen Schwerpunkt auch auf Nachrichten aus dem Verbandsleben zu legen und die Bedürfnisse der Verbandsmitglieder zu berücksichtigen. Im Rückblick sind seine in der Podiumsdiskussion getätigten Äußerungen als eine Art Vermächtnis von Hannes Schuster zu würdigen.

Zukunftsweisend waren auch seine Worte bei der Feierstunde an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen beim Heimattag in Dinkelsbühl 2010: „Lasst uns Gemeinsinn fördern und Toleranz üben, Solidarität erfahrbar machen und Verständnis zeigen für Andersdenkende! Lasst uns mitbauen an einer Welt der Gesittung und der Humanität! Und lasst uns das tun nicht nur mit unserem Wohlverhalten im engen Kreis von Familie und Freunden, sondern auch indem wir uns verstärkt implizieren ins öffentliche Gespräch um ein rechtsstaatliches und gerechtes Miteinander in unserem Land und auch über seine Grenzen hinaus.“

Wir trauern um einen wertvollen Journalisten und Menschen, dem wir viel zu verdanken haben. Möge Hannes Schuster in Frieden ruhen. Seiner Frau Gudrun und der gesamten Trauerfamilie wünschen wir viel Kraft und Trost in diesen schweren Tagen des Abschiednehmens.

Rainer Lehni, Bundesvorsitzender des Verbandes

Weggefährte, Vorbild, Maßstab und Freund

Hannes Schuster habe ich bei meinen ersten Berührungen mit der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen kennen und sehr schnell schätzen gelernt. Als ich selbst als junger Rechtsreferent des Landesverbandes Bayern die ersten Schritte im landsmannschaftlichen Umfeld tun durfte, war Hannes Schuster Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung. Er war die Autorität im Verband, die maßgeblich den Erfolg der Siebenbürgischen Zeitung, deren Wertschätzung in der siebenbürgischen Welt und die Wirkungskraft als Mitteilungs- und Positionsorgan unserer Gemeinschaft in Politik und Gesellschaft bestimmte. Der „ganz besondere Kompass“ von Hannes Schuster, der sowohl eine siebenbürgische als auch eine politische Feinabstimmung hatte, machte ihn sehr schnell zu einem stets verlässlichen und – bei Bedarf – auch kritischen Ratgeber. Sein „Das könnt ihr nicht machen!“, genauso wie sein bestimmtes „Damit hast du Recht!“, welches uns weit über seine aktive Zeit begleitet und geleitet hat, werden wir sehr vermissen.

Hannes Schuster hat durch sein Wirken siebenbürgisch-sächsisches Leben in Deutschland und darüber hinaus nachhaltig beeinflusst und geprägt. Meine Gedanken sind bei seiner lieben Familie, der ich herzliches Beileid ausspreche und viel Kraft und Trost wünsche.

Dr. Bernd Fabritius, Ehrenvorsitzender des Verbandes

Als diese Aufnahme entstand, gab es von Hannes ...
Als diese Aufnahme entstand, gab es von Hannes Schuster (rechts) natürlich keine Fingerzeige mehr für Siegbert Bruss, seinen Nachfolger als Chefredakteur bei der Siebenbürgischen Zeitung (Aufnahme vom Heimattag in Dinkelsbühl 2010). Foto: Konrad Klein

Geschätzter Kollege und Freund

„Sie sind ein alter Sozi.“ Das war die augenzwinkernde Schlussfolgerung des damaligen Bundesvorsitzenden Dankwart Reissenberger nach einem Gespräch mit Hannes Schuster Anfang der 90er Jahre. Ich war, damals „junger“ Kulturreferent der Landsmannschaft, beim Gespräch dabei und konnte Reissenberger nicht zustimmen, stand „Sozi“ dem endlich abgeschafften Sozialismus doch viel zu nahe. Erst später – ich habe Hannes bis zu seiner Verrentung Ende 2002 als Kollegen erlebt – erschloss sich mir, was Reissenberger gemeint haben muss. Hannes Schuster lernte ich nämlich als den Vertreter des „kleinen Mannes“ kennen, kämpferisch und gut argumentierend, bereit, für seine Vorschläge und Ideen offen einzustehen, und bestrebt, dafür demokratisch herbeigeführte Mehrheiten zu finden. Und das zu einer Zeit, in der es nicht unüblich war, einfach dem Vorschlag eines Vorgesetzten ohne große Debatte zu folgen. Man tritt Hannes Schuster nicht zu nahe, wenn man ihm die besten sozialen und demokratischen Eigenschaften zuspricht, ohne dabei parteipolitische Zuordnungen vornehmen zu wollen. Seine langjährige Berufserfahrung als Stellvertretender Chefredakteur der Karpatenrundschau, als Kenner der siebenbürgischen Geschichte und der Sorgen und Nöte der siebenbürgisch-sächsischen Landsleute, denen er sehr nah stand (Begegnungen mit den Lesern der Karpatenrundschau – Întruniri cu cititorii), aber auch als ausgewiesener Kenner der Kunst und Kultur unseres Völkchens, hat Hannes Schuster die Siebenbürgische Zeitung zu dem gemacht, was sie heute ist: die Zeitung der Gemeinschaften der Siebenbürger Sachsen.

Das ist ihm gelungen, ohne seine Person in den Vordergrund zu drängen. Natürlich hat er zu wichtigen Themen selbst auch kämpferische Artikel verfasst und gezeichnet, doch waren dies nicht nur seine Positionen, sondern widerspiegelten zugleich die Stellungnahmen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und des Vorstandes als Herausgeber des Blattes. Das konnte so sein, weil der Chefredakteur sich aktiv auf unterschiedlichen Ebenen und Plattformen in die Arbeit des Vereines eingebracht hat und da auch gehört wurde.

Vor allem während meines beruflichen Einstiegs war es beruhigend, im benachbarten Büro einen Kollegen zu wissen, der Siebenbürgen und seine Bewohner – nicht nur theoretisch – in- und auswendig kannte. Von Hannes Schuster lernte ich also viel über Land und Leute, zusätzlich aber vor allem, Entscheidungen und Handlungsschritte kritisch darauf hin zu prüfen, inwiefern sie einen Nutzen für die gemeinsame Sache bringen. Aus der geschätzten Kollegialität ergab sich mit der Zeit eine Freundschaft mit Hannes, die ich sehr missen werde.

Erhard Graeff, ehemaliger Bundesgeschäftsführer, Röhrmoos

Schlagwörter: Medien, Nachruf, Siebenbürgische Zeitung, Hannes Schuster, Verband, Schäßburg, Kronstadt, München

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