4. März 2017

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„Hirräii!“ Urzeln in Franken auf neuen Wegen

Sie werden vermehrt zu Umzügen eingeladen, die Urzeln in Franken. Und sie erkunden neue Fastnachtshochburgen, auch im Dunkeln. In Nürnberg gab es hohen Besuch. In diesem Jahr begann die fränkische Urzel-Saison mit dem erstmaligen Umzug im mittelfränkischen Hilpoltstein am 29. Januar, wo sich nach dem Laufen die Urzeln im Haus von Karin und Dietmar Roth auf deren Einladung zum geselligen Beisammensein trafen und bestens verpflegt wurden.
Nach einem Knall-Seminar im Haus der Heimat, bei dem Wilhelm Hoss das richtige Knallen und das Anfertigen eines optimalen „Schmisses“ (das knallende Ende der Peitsche) vorführte, nahmen die Urzeln am 19. Februar in Wolframs-Eschenbach am altbekannten Fastnachtsumzug teil, wo sie inzwischen sehr herzlich von vielen Fans begrüßt werden. Neugierig wurden die Urzeln am Abend des 24. Februar in Thalmässing, das auch in Mittelfranken liegt, beäugt. Wir liefen dort auch zum ersten Mal und konnten die Zuschauer mit dem Drehen in der Peitsche noch überraschen. Das schöpften wir restlos aus. Man merkt, dass Kinder aus Gegenden mit Fastnachtshochburgen weniger Angst vor solch schrecklichen Gestalten haben. Wir trafen auf Teilnehmer am Umzug, die zehnmal größere Schellen (30 kg schwer) als wir mit sich trugen und auf andere, die auch mit einer Peitsche umgehen können, so dass man sich austauschen bzw. gegenseitig bewundern konnte, weil man gewisse Fertigkeiten einfach besser einschätzen kann. Der rußige Freitag mit seinem stimmungsvollen Abendprogramm war anders als die bisherigen Umzüge: Über gemeinsames Singen auf dem Marktplatz und den Auftritt zweier Kapellen kommt man mit den anderen „Narren“ schnell ins Gespräch und schunkelt selbstverständlich bald einmütig! Urzeln in Hilpoltstein. Foto: Uwe Kamilli ...Urzeln in Hilpoltstein. Foto: Uwe Kamilli Das Urzelkraut für den Fastnachtsumzug in Nürnberg am 26. Februar wurde am Vortag im Haus der Heimat unter der Leitung von Renate Kellner gekocht. Der Sonntag brachte nicht nur Sonnenschein und über hunderttausend Zuschauer, sondern auch vier neue und begeisterte Urzeln nach Nürnberg, die zünftig getauft wurden. Hirräiii! Wieder hatten wir die Ehre, hinter den traditionsreichen Schembartläufern und im Anschluss an das Kabrio der Organisatoren den Nürnberger Fastnachtszug mit der Nr. 3 anzuführen. Es geschieht immer öfter, dass wir ein „Danke“ von den Zuschauern hören, wenn wir sie mit der Geißel drehen oder symbolisch „schlagen“: Es wird von vielen als Ehre erachtet, ausgewählt zu werden – was es auch ist. Unser Brauch wird also angenommen! Yvonne Roth schwang den Reifen souverän und wurde von Alfred Untch und Reinhold Burkart am Akkordeon begleitet. Dass mehr Polizei und Ordner als sonst zugegen waren, konnte man sehen. Allerdings wurde uns in der U-Bahn das Knallen nicht mehr verboten – vielleicht gewöhnt man sich allmählich auch an unseren Lärm.

Im Haus der Heimat hatten die Helfer die Räume schon geschmückt und die Krautwickel gewärmt, so dass die Mühe, das Publikum am Straßenrand nicht nur mit Krapfen, sondern auch mit närrischer Aufmerksamkeit zu verwöhnen, bestens belohnt werden konnte. Pünktlich zur Urzeltaufe trafen dann die Organisatoren des Nürnberger Fastnachtszuges ein: Walter Hahn mit seinem Stab besuchten uns, kosteten unsere köstlichen Krautwickel, die herrlichen Kuchen der Urzeldamen, den selbstgemachten Wein der Urzeln, und freuten sich, dass wir auch sangen. Das Knallen hatten sie sich leichter vorgestellt, das schafften sie dann doch nicht, verabschiedeten sich aber sehr herzlich, wiederholt dankend für unseren Einsatz beim Umzug und für den schönen Empfang im Haus der Heimat. Das eingespielte Team aus Urzeldamen und Helfern hatte nicht nur diese Gäste verwöhnt, sondern dankenswerter Weise alle Urzeln und deren Freunde!

Das lief nicht anders in Weisendorf am Faschingsdienstag, dem 28. Februar, im Haus von Brigitte und Gerhard Berner, wo es nach dem gemeinsamen Mittagessen den Umzug und danach wieder das gemütliche Beisammensein gab. Ehrengast war Annette Folkendt, die Vorsitzende des Kreisverbandes. Bei Karin und Did Wonner war unter der Leitung von Ute Schuster das „gefüllte Kraut“ gekocht worden. Es wurden wieder köstliche Kuchen mitgebracht und viele emsige Frauen halfen mit, dass die fleißig knallenden Urzeln, die unseren Brauch fortführen, gut bewirtet wurden. Kein Wunder, dass bei solchem Gemeinschaftserlebnis auch gesungen und getanzt wurde. Hirräii!

Doris Hutter

Schlagwörter: Urzeln, Franken, Nürnberg

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