9. Februar 2008

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Zum 43. Mal: Urzelntag in Sachsenheim

Im baden-württembergischen Sachsenheim (Landkreis Ludwigsburg) veranstaltete die Urzelnzunft Sachsenheim e.V. am 2. Februar 2008 für zahlreiche Siebenbürger und Nicht-Siebenbürger den traditionellen Urzelntag als eindrucksvolles Gemeinschaftsereignis zum 43. Mal. Siebenbürgisch-sächsisches Brauchtum wurde dabei erfolgreich in der Öffentlichkeit präsentiert.
Der Urzelnbrauch reicht bis ins Agnetheln des 17. Jahrhunderts zurück. Seit 1965 wird der aus Agnetheln „mitgebrachte“ Brauch auch in Deutschland gelebt. Seither musste das Fest nur ein Mal – anlässlich des Golfkrieges 1991 – ausfallen. Heute ist das Urzelnlaufen keine ausschließliche Agnethler Angelegenheit mehr. Viele Landsleute aus ganz Siebenbürgen zusammen mit Sachsenheimer Schwaben, die Mitglieder der Zunft sind, gestalten die Veranstaltung mit. Mit ihrem Brauch demonstrieren die Siebenbürger Sachsen ihre Verbundenheit zur alten, aber auch neuen Heimat: Die Offenheit für Nicht-Siebenbürger und die Nähe zur Tradition der schwäbisch-alemannischen Fastnacht erzeugt eine bedeutende integrative Wirkung. Die Urzelnzunft Sachsenheim e.V. ist seit 1987 Vollmitglied der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. Es geht los: Unter den Klängen der Sachsenheimer ...Es geht los: Unter den Klängen der Sachsenheimer Stadtkapelle setzt sich der Urzelnzug vom Bahnhof in Richtung Schlosshof in Bewegung. Foto: Martin Schnabel Von Beginn an ist die Stadt Sachsenheim als Hochburg der Agnethler Sachsen der Veranstaltungsort. Obwohl dieser Brauch für das Gebiet nördlich von Stuttgart eher ungewöhnlich war, hat sich der Urzelnlauf längst als charakteristisches Merkmal der Stadt Sachsenheim etabliert. So werden die Urzeln selbstverständlich in den Informationsunterlagen für Touristen erwähnt. Dass der Urzelnlauf im Zeichen der gelungenen Intergration steht, belegen auch die geladenen Ehrengäste: Peter Stiegler (Vertreter der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte), Horst Fiedler (Bürgermeister), Andreas Stein (Altbürgermeister), Heiner Bierbrodt (Vorsitzender der Sport- und Kulturgemeinschaft Sachsenheim), Nicole Lammers (Kulturreferentin der Stadt Sachsenheim), Rudi Roth (Ehrenzunftmeister), Alfred Mrass (stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen) und nicht zuletzt Michael Knall (Ehrenmitglied und mit 88 Jahren der älteste Urzel, der es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen ließ, in der Urzelntracht aufzutreten). Schneidertanz im äußeren Schlosshof in ...Schneidertanz im äußeren Schlosshof in Großsachsenheim: Rössle Christiane Lang und Mummerl Christian Lang als würdige Vertreter der Schneiderzunft. Foto: Martin Schnabel Die Hauptorganisatoren des Festes, Reinhard Lang (Leitung der Organisation), Thomas Lutsch (Zunftmeister), Ingo Andree, Jutta Bahmüller, Dietmar Koch, Kerstin Paal, Hans-Walter Thellmann und Christian Lang, empfingen die ca. 250 Urzeln um 8 Uhr an der Großsachsenheimer Sporthalle. Von hier aus fuhren alle mit Bussen in die benachbarten Ortsteile. Stationen waren Kleinsachsenheim, Häfnerhaslach, Ochsenbach, Spielberg, Hohenhaslach und dann wieder Kleinsachsenheim. Um 12 Uhr startete der Umzug am Großsachsenheimer Bahnhof mit dem Paradehauptmann Horst Wellmann an der Spitze, beschützt von seinen beiden Engeln Thomas Lang und Andreas Fleischer. Die Musikanten der Stadtkapelle begleiteten den Zug. Im Schlosshof wurde der Urzelnzug von Bürgermeister Horst Fiedler empfangen und begrüßt. Die Brauchtumsvorführung begann mit dem Schneidertanz von Christiane und Christian Lang. Für die Kürschnerzunft tanzte Norbert Hütter als Bär, geführt von seinem Treiber Alfred Hütter. Die Kürschnerkrone wurde von Wilfried Goos getragen und gedreht. Wie immer war auch dieses Jahr das Reifenschwingen der Höhepunkt. Sunhild Pascher, im Übrigen seit 28 Jahren in Sachsenheim dabei, schwang zusammen mit ihrer Tochter Stefanie, die Reifen akrobatisch gekonnt und fehlerlos. Der Umzug führte zur Stadtkirche, wo Pfarrer Gerhard Burr die Urzeln empfing, und dann weiter weiter zur Sporthalle. Ein echter Karpatenbär (Norbert Hütter) und sein ...Ein echter Karpatenbär (Norbert Hütter) und sein Treiber (Alfred Hütter) führen das alte Brauchtum der Kürschnerzunft vor. Foto: Martin Schnabel Nach dem Einzug in die Sporthalle mit dem „Agnethler Rekrutenmarsch“ und nach dem „Siebenbürgenlied“ wurde zu Mittag gegessen. Ab 14 Uhr folgten die Begrüßung, Brauchtumsvorführungen und Unterhaltung. In diesem Rahmen wurden einige Urzeln für besondere Verdienste in der Urzelnzunft mit dem „Ehrenwappen der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte“ ausgezeichnet. Solche Ehrungen finden nur alle vier Jahre statt. In diesem Jahr überreichte Peter Stiegler das Ehrenwappen an die Urzeln Harold Fabritius, Sunhild Pascher, Christian Lang, Dietmar Koch, Hans-Walter Thellmann und Ingo Andree. Als Sonderprämierung wurde Zunftmeister Thomas Lutsch für seine erfolgreiche Tätigkeit eine besondere Peitsche seitens des Vorstandes der Urzelnzunft überreicht. Die Wobachspatzen aus dem benachbarten Bietigheim-Bissingen führten Guggenmusik vor. Nach 15 Uhr waren die Urzeln wieder auf den Straßen von Sachsenheim unterwegs. Abends trafen sie sich abermals in der Sporthalle und feierten mit vielen anderen Gästen den Urzelnball. Die Gruppe „Starlights“ sorgte bis in die Morgenstunden für Musik und gute Stimmung. Wieviele Weingläser wurden gedreht, fiel eines ...Wieviele Weingläser wurden gedreht, fiel eines herunter? Stefanie und Sunhild Pascher haben das Reifenschwingen perfekt vorgeführt. Foto: Martin Schnabel Der gelungene Urzelntag bestätigt ein übriges Mal, wie erfolgreich die Urzelnzunft Sachsenheim e.V. siebenbürgische Traditionen in der Öffentlichkeit präsentiert und sich bemüht, altes Agnethler Brauchtum in seiner ursprünglichen Reinheit zu bewahren.

Martin Schnabel

Schlagwörter: Urzeln, Brauchtumspflege, Baden-Württemberg, Agnetheln

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