10. Dezember 2011

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Siebenbürgischer Homo politicus: Hans Otto Roth

Das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München (IKGS) lud am 18. November 2011 zu einem Vortragsabend über den siebenbürgischen Politiker Hans Otto Roth (1890-1953) in das Münchner Internationale Begegnungszentrum der Wissenschaft.
Nach der Begrüßung durch den Direktor des IKGS, Prof. h.c. Dr. Stefan Sienerth, führte dessen Stellvertreter, Dr. Gerald Volkmer, in das Thema der Veranstaltung ein. Bereits der kurze Abriss der wichtigsten Ämter Dr. Hans Otto Roths zeichnete das Bild eines in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen engagierten Mannes. Sein Wirken als Rechtsanwalt, Journalist, führender politischer Vertreter der Siebenbürger Sachsen, Parlamentarier in beiden Bukarester Kammern, Landeskirchenkurator der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien und Präsident der Hermannstädter Allgemeinen Sparkassa zeigt die große Verantwortung, die Hans Otto Roth für die deutsche Minderheit in Siebenbürgen nach dem Ersten Weltkrieg zu tragen bereit war.

Einen Überblick über die politischen Rahmenbedingungen zur Zeit Hans Otto Roths gab Florian Kührer. Der Doktorand, der sich auch in seiner Dissertation mit der Integration Siebenbürgens in den rumänischen Staat nach 1918 auseinandersetzt, forscht im Rahmen des Initiativkollegs „Europäische historische Diktatur- und Transformationsforschung“ an der Universität Wien. Er sprach über „Minderheit und Nationalstaat – die politischen Eliten Siebenbürgens und der Bukarester Zentralismus 1918–1940“. Damit steckte er die historischen und politischen Eckpunkte ab, die nötig waren, um das Wirken Hans Otto Roths im Kontext wechselnder politischer Systeme zu verstehen.Hans-Otto-Roth-Experten unter sich: Florian ...Hans-Otto-Roth-Experten unter sich: Florian Kührer, Dr. Florian Roth und Dr. Thomas Frühmesser (von links) bei der Abschlussdiskussion des Vortragsabends. Foto: Konrad Klein Speziell auf die Person Hans Otto Roths ging Thomas Frühmesser M.A. (Landau) ein, der Ende November mit einer Dissertation über den siebenbürgischen Politiker an der Universität Würzburg promoviert wurde. Seine Arbeit setzt sich mit der Rolle Hans Otto Roths in den politischen Strukturen der Siebenbürger Sachsen, seiner parlamentarischen Tätigkeit in Bukarest, seinen Funktionen in verschiedenen europäischen Minderheitengremien und insbesondere mit der Haltung Hans Otto Roths gegenüber dem Nationalsozialismus auseinander. In seinem Vortrag „Behauptungsversuche Hans Otto Roths als Minderheitenpolitiker gegenüber Nationalismus und Diktatur“ erläuterte der Referent die Positionen Hans Otto Roths gegenüber den verschiedenen politischen Systemen Rumäniens sowie seine Strategien zur Vertretung der Interessen der Rumäniendeutschen.

In seinem Referat bewertete Dr. Florian Roth, Philosoph, Politologe und Münchner Stadtrat, der als Enkel Hans Otto Roths auch eine persönliche Verbindung zur Hauptperson des Abends besitzt, aus der Sicht eines Politikwissenschaftlers „Hans Otto Roths vielfältiges öffentliches Engagement und die Aktualität seiner politischen Position“. Kennzeichnend für die Politik Hans Otto Roths war sein Bestreben, auch unter wechselnden politischen Systemen eine angemessene Vertretung der deutschen Minderheit in Politik und Verwaltung zu erreichen, basierend auf seinem Credo „Volkstreue und Staatstreue“. Loyalität gegenüber dem Staat und Eintreten für die Rechte der eigenen Volksgruppe schlossen sich für Hans Otto Roth, der 1953 in einem stalinistischen Arbeitslager starb, nicht gegenseitig aus.

Im Rahmen einer von Dr. Gerald Volkmer moderierten Abschlussdiskussion stellten sich die Referenten gemeinsam den Fragen des Publikums. Trotz gewisser Unterschiede in der Bewertung der politischen Zwänge, die auf Hans Otto Roth vor allem nach 1940 wirkten, würdigte das Plenum die Prinzipientreue eines Demokraten, der auch unter den Bedingungen zweier totalitärer Diktaturen das Wohl seiner Gemeinschaft über das eigene stellte.

Petra Rezac

Schlagwörter: Vortrag, München, Politiker, IKGS

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