8. September 2013

Reise der Siebenbürgischen Kantorei durch Siebenbürgen

Die Siebenbürgische Kantorei trug durch ihre Auftritte in Kronstadt, Tartlau, Agnetheln, Bistritz und Michelsberg erneut dazu bei, dass die Kirchen als Orte an denen „die Seele zur Ruhe nach Hause kommen kann“, wie Bischof Reinhart Guib in der Stadtpfarrkirche Bistritz in seiner Predigt sagte, gefüllt und die Zuhörer reich beschenkt wurden. Die Chorsänger wie auch viele Gäste aus Rumänien, Deutschland, Österreich, aus weiteren Ländern Europas und Übersee waren „lebendige Steine“ des jeweils geistigen Hauses, wie der Bischof betonte. Die vom Sänger der Kantorei Georg Hutter gut organisierte und durchdachte Siebenbürgenreise begann am 17. August 2013 mit der Busfahrt vom Hermannstädter Flughafen nach Wolkendorf, wo Chor und Mitreisende sehr herzlich im Erholungsheim einquartiert und bewirtet wurden.

Im Burzenland

Am Sonntag, dem 18. August, gestaltete die Siebenbürgische Kantorei unter der Leitung von Ilse Maria Reich den Gottesdienst in der Schwarzen Kirche mit. Die hervorragende Akustik des Kronstädter Gotteshauses ließ die Darbietungen des Chores und Sologesanges in die Herzen der Gottesdienstbesucher dringen. Gesungen wurden: „Kyrie“ von J. G. Rheinberger, Große Doxologie von D. Bortniansky, Kanon zur Jahreslosung von H. Acker und die Motette „Danket dem Herrn“ von W. Scholtes. Passend zur „ELIAS-Predigt“ sang Christoph Reich aus Mendelssohns Oratorium die Arie „Herr, Gott Abrahams“.

Auch die vorgenommene Taufhandlung beeindruckte durch neu eingefügte Elemente, wie z.B. die Zeremonie des Gießens vom Taufwasser aus einem sächsischen Krug ins Taufbecken. Ein weiterer Höhepunkt des Gottesdienstes war die Verabschiedung von Pfarrer Christian Reich aus Landshut, auch Mitglied der Kantorei, durch Pfarrer Peter Demuth von der Schwarzen Kirche. Pfarrer Reich, der seine Abschiedspredigt hielt, hat schon zum vierten Mal einen viermonatigen Vertretungsdienst im Kirchenbezirk Kronstadt im Auftrag der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD (früher: Hilfskomitee) erfüllt. Der Abschied wurde herzlich, mit sichtlicher Dankbarkeit gestaltet.
Die Siebenbürgische Kantorei trat in der ...
Die Siebenbürgische Kantorei trat in der Tartlauer Kirche in der Konzertreihe „Diletto Musicale“ auf. Foto: Siebenbürgische Kantorei (privat)
Am Nachmittag trat die Kantorei in der Tartlauer Kirche im Rahmen der von Steffen Schlandt seit 16 Jahren organisierten Konzertreihe „Diletto Musicale“ auf. Steffen Schlandt begrüßte die Sänger zweisprachig gekonnt schwungvoll und lud sie herzlich ein, weitere Auftritte im Burzenland wahrzunehmen. Ilse Maria Reich stellte die Kantorei und das Programm kurz vor. Geboten wurde ein einstündiges, abwechslungsreiches Programm mit Chor- und Solostücken von Schütz, Händel, Rheinberger, Mendelssohn, Franck, Donceanu, Türk, Gehann u.a. Die Zuhörer kamen von nah und fern und wurden anschließend traditionsgemäß im Hof der Tartlauer Burg mit herrlichem „Korkoduschen“-Saft bewirtet, den Familie Schlandt seit vielen Jahren spendet. Nach einer Begehung historischer Plätze entlang der Kronstädter Ringmauer, begleitet ortskundig von Dr. Horst Eichhorn, und nach Erkundung der Stadt auf eigene Faust, genossen die Sänger in der Schwarzen Kirche eine beeindruckend sachkundige und herzerfrischend liebevolle Führung durch Cristina Ciubotaru, unterbrochen notgedrungen – aber sehr willkommen – durch einen Orgelspieler, der für ein Konzert proben sollte. Organist Steffen Schlandt, der den fremden Gast begleitete, stellte spontan die restaurierte und im Chor der Kirche aufbewahrte wertvolle Repser Orgel vor und entlockte ihr spielerisch wunderbare Töne. Am Abend waren die Sänger Gäste in den Biengärten, dem renovierten Haus dreier Chorsänger, Fam. Mieß/Klein/Kraus, das in der sozialistischen Diktatur beschlagnahmt und als Ferienlager verwendet worden war.

Agnetheln

Auf dem Weg ins Harbachtal besichtigten die Reisenden das orthodoxe Kloster „Sâmbăta“, in dessen Kirche sie mit dem Lied „Tatăl nostru“ von F. Donceanu die Besucher und den Fremdenführer sichtlich erfreuten. Nach einer Führung durch das Kloster und Mittagessen in Albota klang der laue Sommertag für die meisten Reisenden auf Hermannstadts Kleinem Ring aus. Der wohltuend abkühlende Regen am Morgen des 21. August läutete eine interessante Stadtführung durch Hermannstadts historische Altstadt ein. Am Nachmittag gestaltete die Kantorei in Agnetheln ihr Konzert zusammen mit dem rumänisch orthodoxen Kirchenchor „Sf. Nicolae“ unter der Leitung von Prof. Doru Niţescu, den die HOG Agnetheln eingeladen hatte. Eine hervorragende Idee, wie sich herausstellen sollte: Die Atmosphäre in der gut besuchten Kirche war geprägt von gegenseitiger Wertschätzung der Sänger und vom Gotteslob durch einen begeisternden Chorgesang, der über nationale und religiöse Grenzen hinweg die Sänger und andächtig lauschenden Menschen erfreute und näher brachte. Der Applaus war riesig, das anschließende gemeinsame Abendessen ein großer Erfolg: Die Chöre sangen bei Tisch abwechselnd und auch zusammen mit allen Gästen, darunter Ehrengäste aus der Stadt und ehemalige Agnethler, die als Gruppe angereist waren, Lieder in Deutsch, Rumänisch und Sächsisch. Das Miteinander war herzlich und in Erinnerungen schwelgend.

Die Kantorei fuhr am 22. August über Schäßburg, Mördersee (Lacul Roşu) und Bicaz-Klamm zum Kloster „Neamţ“, wo sie erneut das „Tatăl nostru“ in der ehrwürdigen Klosterkirche sang. Über Gura Humorului ging es am 23. August weiter zum Kloster „Moldoviţa“, dessen Besuch geprägt war von zwei nicht alltäglichen Ereignissen: dem „Tatăl nostru“ der Kantorei und einer interessante Führung in deutscher Sprache von der hochgebildeten Nonne Tatiana.

Bistritz

Weitere Höhepunkte der Reise wurden in Bistritz erlebt: Am Freitag fand ein vielseitiges Kulturprogramm auf der Kirmes in Heidenfeld, einem Stadtviertel von Bistritz, statt, wo die Kantorei neben Tanz-, Gesangs- und Instrumentalgruppen aus mehreren Ländern auf offener Bühne auftrat. Herrlich, die beschwingte Stimmung tausender Gäste, bewegend die Begrüßungen mit Landsleuten aus aller Welt, fröhlich die sich bildenden Tischrunden in der lauen Sommernacht – ein schöner Auftakt zum 450-jährigen Jubiläumsfest seit der Wiedereinweihung der evangelischen Kirche in Bistritz. Am Samstag, dem 24. August, gestaltete die Kantorei den Festgottesdienst mit. Eingangs erklang „Freut euch alle, singt mit Schalle“ von J. S. Bach, wonach Stadtpfarrer Johann Dieter Krauss in seiner Begrüßung kurz auf die „Perle der Baukunst“ einging und zum Schluss rief: „Möge auch in 450 Jahren in dieser Kirche noch das Gotteslob erschallen!“ „Lobe den Herren, den mächtigen König“ erklang im Wechselgesang mit der Gemeinde, die das Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllte. Nach der Darbietung der Jahreslosung von Heinz Acker „Wir haben hier keine bleibende Stadt“ verglich Bischof Reinhart Guib in seiner Predigt die Gemeinde mit einem Vogel, der sein Haus sucht: „Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen!“ Diese Hauptkirche der Region Nordsiebenbürgen bezeichnete er als „Ort, an dem die Seele zur Ruhe nach Hause kommen kann, ein Ort, wo man den Himmel spüren kann.“ Er dankte ehrfurchtsvoll allen Gästen und Helfern, die ein Herz für diese Kirche haben, ganz besonders Bürgermeister Ovidiu Creţu, und betonte, dass die Kirche offen sei für alle Bürger der Stadt. Er pries die „lebendigen Steine“ des geistlichen Hauses, lobte u.a. die Solidarität, die der Ev. Kirche zuteil wurde, und schloss (auch in Rumänisch) mit dem Satz: „Es ist nicht mehr nur die Kirche der evangelischen Sachsen, sondern die Kirche aller!“ Der Gesang der Kantorei, der Solisten Anette Königes und Christoph Reich sowie die niveauvolle Orgelmusik von Ilse Maria Reich begleiteten souverän den Gottesdienst und bewegten die Herzen der Gemeinde. Als der Bischof der Kirche einen wertvollen Säulenteppich, gewebt in Anatolien, schenkte, sagte er wieder: „Die Menschen, die da sind, sind der größte Schatz!“ Es war ein Nehmen und ein Geben: Die Kantorei, die auch während des Abendmahls sang, erntete viel Lob und herzlichen Dank und erlebte ihrerseits Gemeinschaft, schöne Begegnungen und viele kulturelle Darbietungen.
Beim Konzert in Michelsberg. ...
Beim Konzert in Michelsberg.

Michelsberg

Am Sonntag, dem 25. August, reiste die Kantorei Richtung Süden, um auch im Rahmen der von Ursula Philippi organisierten „Michelsberger Spaziergänge“ aufzutreten. Die Michelsberger Kirche war bis auf den letzten Platz belegt. Die Begrüßung machte Ursula Philippi, den Dank für das Konzert und für die wöchentlichen Auftritte seit Juni sprach Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă. Nach dem einstündigen Konzertprogramm gab es im Michelsberger Gemeindehaus wie üblich Kaffee und Hanklich für alle Gäste, so dass man sich in freundschaftlich gemütlicher Atmosphäre wieder begrüßen oder kennen lernen konnte.

Die Sängerinnen und Sänger der Kantorei kehrten mit dem angenehmen Gefühl nach Deutschland zurück, am hochwertigen Kulturleben in Siebenbürgen teilhaben und es mitgestalten zu dürfen, wissend, dass sie an allen Orten, an denen sie aufgetreten sind, lebendige Steine des jeweiligen Hauses waren.

Doris Hutter

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