31. Oktober 2018

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Siebenbürgisch-sächsische Liedersammlung „E Liedchen hälft ängden“ neu aufgelegt

Das siebenbürgisch-sächsische Liedgut hat (s)einen festen Platz in der siebenbürgischen Seele, und wer diesen kostbaren Schatz in der gebündelter Form dieser Sammlung in den Händen halten darf, ist reich beschenkt.
So ist es nur natürlich, dass das zu Recht hochgeschätzte Liederbuch „E Liedchen hälft ängden“ bereits in seiner Erstausgabe von 2017 so dankbar angenommen wurde. Die beiden Herausgeberinnen Angelika Meltzer und Rosemarie Chrestels haben wahre Pionierarbeit geleistet und eine so umfangreiche Liedersammlung zusammengestellt, wie es sie zuvor noch nie gegeben hat. Der große Anklang zeigt, wie viele Interessenten aus der Fülle dieses Angebotes schöpften, denn das Buch war schnell ausverkauft.

Nun ist dieses Kleinod in zweiter Auflage druckfrisch erschienen, und das Besondere daran ist: Es ist kein einfacher Nachdruck der Erstausgabe. In dieser überarbeiteten Ausgabe wurden viele wertvolle und kompetente Anregungen siebenbürgischer Persönlichkeiten (Hans Peter Türk, Heinz Acker, Andrea Kulin, Michael und Hanni Markel) umgesetzt, die der Sammlung zugutekommen. Der wesentliche Impuls für eine mögliche Neuauflage kam durch die detaillierte und fundierte Besprechung des emeritierten Klausenburger Musikprofessors Hans Peter Türk, eines wahren Kenners der Materie. In seiner Rezension zur Erstauflage „Ein idealistisches Unterfangen: Eine neue siebenbürgisch-sächsische Liedersammlung“ (Siebenbürgische Zeitung Online vom 11. Februar 2018) brachte er seine große Wertschätzung für die hervorragende Leistung der beiden Herausgeberinnen zum Ausdruck. Ihm waren bei der Durchsicht der musikalischen Inhalte kompositionstechnische Mängel mancher Chorsätze aufgefallen. Es war offensichtlich, dass bei der Erstauflage dieses immensen Unterfangens die liebevoll zusammengetragenen Chorsätze der altehrwürdigen Verfasser (meist Laien) in ihrer ursprünglichen Form übernommen worden waren. Eine musikalisch fachkompetente Revision sollte diese Anthologie beachtlich aufwerten.

Glücklicherweise fand sich der passende Fachmann für diese wichtige und auch mühevolle Aufgabe: Der in Heidelberg lebende Musikprofessor Heinz Acker, ein gebürtiger Hermannstädter, hat alle Lieder dieses Buchs minutiös durchgesehen und viele überarbeitet. Dabei wurden Schreib- und Lesefehler ausgemerzt, satztechnische Mängel behoben, Akkordsymbole optimiert und auch neue Zusatzstimmen oder ganze Liedsätze dem Buch beigefügt. Mit der Vielzahl der speziell für diese Sammlung geschriebenen eigenen Sätze – es sind gut 60 Sätze – hat Acker wesentlich zum gediegenen Erscheinungsbild und Gehalt dieses Buchs beigetragen. Die Seitenzahlen der Lieder haben sich dabei nicht geändert; lediglich das Lied S. 278 „Du spielst und lachst“ (G. Lienert-Zultner, G. Makulik) wurde durch „Glockenklang“ (K. F. Scheiner, H. Bretz) ersetzt. Auf Genauigkeit bedachte Nutzer der Erstauflage – etwa Chorleiter – sind gut beraten, einen Druckfehlerbericht anzufordern, der auf die wichtigsten Korrekturen in den Partituren hinweist (siehe Anschrift am Ende dieses Artikels).

Auch im sprachspezifischen Bereich haben sich kleine Veränderungen ergeben. Die hierfür zuständige Mitherausgeberin, die Germanistin Rosemarie Chrestels, hat einige deutsche Texte zwecks besserer Sangbarkeit an die revidierten Melodien angepasst.

Einige der älteren Volkslieder werden nun unter den gängigen Titeln mit Liedanfängen aufgeführt. Der für volkskundliche Zuordnung maßgebliche Typentitel (Tt.) wurde als Untertitel notiert. Hier einige Beispiele: „Ze Krinen, ze Krinen“, „Zu Kronen, zu Kronen“, Tt.: „Nachtigall“; „Et kum e gang Härr“, „Es kam ein junger Herr“, Tt.: „Ach Scheiden“; „Medche, wällt te’n Kanter niëhn?“, „Mädchen, willst du den Kantor frei’n?“ Tt.: „Wahl“.

Das Buch bewahrt seine Einzigartigkeit auch in der überarbeiteten Auflage. Die beiden Herausgeberinnen verdienen für ihre hervorragende Leistung großes Lob. Heinz Acker findet die richtigen Dankesworte „für den riesigen Kraftakt dieser Initiative, mit der sie den Siebenbürgern ein Dokument ihres klingenden Erbes hinterlassen haben, in einer Komplexität, wie es sie bis dahin noch nicht gegeben hat, und wie es sie wahrscheinlich auch nicht mehr geben wird“.

Durch die sorgfältige und einfühlsame Überarbeitung ist die Liedersammlung nun auch für Chöre und Singgemeinschaften eine umfangreiche und gewissermaßen hochwertigere Fundgrube. Den Freunden des siebenbürgischen Liedgesangs werden mannigfaltige Einblicke in unser kostbares Liedgut gewährt, die dem gemeinschaftlichen Musizieren in kreativer Weise zugutekommen. Und wie gesagt: „E Liedchen hälft ängden!“

Marianne Seiwerth-Galbács

z ... Das Buch „E Liedchen hälft ängden. Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen“, herausgegeben von Angelika Meltzer und Rosemarie Chrestels, zweite Auflage, Verlag Haus der Heimat e.V. Nürnberg 2018, 370 Seiten, ist zu bestellen zum Preis von 26,00 Euro, zuzüglich 4,00 Euro Versand, bei Angelika Meltzer, Reichenberger Str. 77, 90766 Fürth, E-Mail: meltzerangelika [ät] web.de, Telefon: (0911) 735649). Für Chöre gibt es Rabatt, bitte vorher anfragen. Auf www.angelika-meltzer.de sind alle Melodien zu hören. Ein Druckfehlerbericht zur ersten Auflage kann auf der Website heruntergeladen oder bei Angelika Meltzer angefordert werden.
"E Liedchen hälft ängden" - Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen
Angelika Meltzer, Rosemarie Chrestels
"E Liedchen hälft ängden" - Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen

Verlag Haus der Heimat e.V. Nürnberg

370 Seiten
EUR 26,00 (+ Versandkosten)
Buch bestellen »

Schlagwörter: Rezension, Liederbuch, Mundart, Musik

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