11. Januar 2022

Haus des Deutschen Ostens in München präsentiert in Fotoausstellung Hermannstadt und Kronstadt

Die Ausstellung „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt. Zwei Städte in Siebenbürgen, fotografiert von Jürgen van Buer“ wird vom 19. Januar bis 8. April 2022 im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, in München gezeigt. Eröffnet wird sie am 18. Januar um 18.00 Uhr, die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag, 10.00 bis 20.00 Uhr.
„Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“: Jede dieser siebenbür­gischen Städte entwickelte sich im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem eigenen Kosmos, auch wenn gegenseitige Berührungen und das Aufeinander-angewiesen-Sein unübersehbar sind. Selbst für diejenigen, die den jeweiligen Kosmos, in dem sie groß geworden sind, zu kennen glauben, birgt dieser immer beides zugleich – Fremdes und Vertrautes.
Plakat der Ausstellung im HDO München ...
Plakat der Ausstellung im HDO München
Die Frage, wann das Fremde zum Vertrauten wird, kann kaum generell beantwortet werden. Dieser Prozess wird von zu vielen sehr individuellen, vor allem auch biografischen Faktoren beeinflusst. Allerdings gilt auch dies: Ängste vor dem Fremden ungehemmt auszuleben ist ein gesellschaftliches No-Go. So ist die aktuelle Frage mehr denn je: Wie wird das mir Fremde zum Vertrauten, ohne dass ich das Fremde seiner Identität beraube?

Die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien von Jürgen van Buer sind eine Aufforderung an die Betrachter, ihre je individuelle Antwort auf die Frage dieser Ausstellung zu finden. Professor Dr. Jürgen van Buer war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2016 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während zahlreicher Dienstreisen durch ganz Europa entstanden Schwarz-Weiß-Fotografien, die bereits auf Ausstellungen in Berlin, Nürnberg, Graz, Hermannstadt und weiteren Städten gezeigt wurden. 2018 erschien der Fotoband „Der befestigte Glaube. Kirchenburgen in Siebenbürgen“, herausgegeben von Jürgen van Buer und Josef Balazs.

Der Kurator der Ausstellung, Josef Balazs, studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Hermannstadt und ist freischaffender Autor und Moderator. Seine Beiträge erschienen in den Spiegelungen, in der MATRIX, in der Siebenbürgischen Zeitung sowie in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien. Zu einer festen Institution im Nürnberger Kulturleben wurden seine Literatur-, Konzert- und Theaterprojekte.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der über den Buchhandel zu beziehen ist: Josef Balazs (Hg.):Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt – zwei Städte in Siebenbürgen, fotografiert von Jürgen van Buer. Mit Texten von Josef Balazs und Carmen Elisabeth Puchianu. Logos Verlag Berlin, 2021, 146 Seiten, 39,00 Euro, ISBN 978-3-8325-5404-0 Ab Januar 2022 wird die Ausstellung auch als virtuelle Ausstellung mit 3D-Navigation (Realisierung: Oliver Balazs, Berlin) online zugänglich sein.

Umschlag des Ausstellungskatalogs ...
Umschlag des Ausstellungskatalogs
Die Eröffnungsveranstaltung (mit Präsentation der Begleitpublikation) findet am Dienstag, dem 18. Januar, um 18.00 Uhr im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, in München statt. Falls die Vernissage aufgrund der aktuellen Entwicklung in der Corona-Pandemie ohne Publikum stattfindet, wird eine Videoaufzeichnung der Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Zur Eröffnung sprechen: Professor Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, Professor Dr. Jürgen van Buer und ­Josef Balazs. Anmeldung erforderlich telefonisch: (089) 449993-0 oder per E-Mail poststelle[ät]hdo.bayern.de Führungen durch die Ausstellung bieten vor Ort Jürgen van Buer am 19. Januar und Josef Balazs am 24. März, jeweils um 12.00 Uhr. Virtuelle Führungen sind mit Prof. Dr. Andreas Otto Weber geplant. Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Im Begleitprogramm zur Ausstellung hält der Historiker Dr. Harald Roth (Potsdam) am Donnerstag, dem 17. Februar, um 19.00 Uhr, einen Vortrag zum Thema „Hermannstadt und Kronstadt – konkurrierende Schwestern am Fuße der Karpaten“ im HDO München.

Zwei stolze Stadtrepubliken in relativer Nachbarschaft zueinander an der unmittelbaren Grenze des westkirchlich eingebundenen Stephansreichs: Hermannstadt (rum. Sibiu, ung. Nagyszeben) und Kronstadt (rum. Braşov, ung. Brassó) prägten nicht nur ihre jeweiligen Umgebungen nachhaltig, sondern auch die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und jene Siebenbürgens. Über viele Jahrhunderte standen sie in ausgeprägtem Wettbewerb, ja in erbitterter Konkurrenz zueinander – wirtschaftlich, politisch, geistig, künstlerisch, punktuell sogar militärisch. Während Hermannstadt das etablierte politisch-administrative Zentrum der Sächsischen Nation war, wahrte Kronstadt nicht nur die Eigenständigkeit des Burzenlandes, sondern entwickelte auch eine hohe wirtschaftliche Schlagkraft, wobei beide Städte eigene Beziehungen zu den Nachbarprovinzen unterhielten.

Die Unterschiedlichkeit blieb den Städten und vor allem ihren Bewohnern bis ins 20. Jahrhundert, manchmal sogar bis in die Gegenwart erhalten, dadurch oft Fortschritt und Erkenntnis beflügelnd, mitunter aber auch dafür hinderlich, von außen gesehen jedenfalls nicht selten erheiternd.

Dr. Harald Roth (geb. 1965) ist Osteuropa-Historiker. Er studierte in Freiburg/Br., Heidelberg, Seattle und München, wo er 1994 promovierte. Er war unter anderem Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Siebenbürgen-Instituts in Gundelsheim am Neckar, Mitarbeiter des Südost-Instituts München/Regensburg und des Deutschen Kulturforums östliches Europa Potsdam, dessen Direktor er seit 2013 ist. Zu seinen Publikationen zählen u.a.: Der Deutsch-Sächsische Nationalrat für Siebenbürgen 1918, 1919 (1993); (als Hg.): Geschichte Siebenbürgens (1996); Hermannstadt. Kleine Geschichte einer Stadt in Siebenbürgen (1997); Kronstadt in Siebenbürgen. Eine kleine Stadtgeschichte (2010); (als Hg.): Schriftsteller-Lexikon der Siebenbürger Deutschen (2012).

Ebenfalls zum Begleitprogramm zur Ausstellung gehört die Lesung „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“ (2021) der Autorin Ioana Pârvulescu (Bukarest) am Donnerstag, dem 24. März, um 19.00 Uhr, online und im HDO München. Moderiert wird die Veranstaltung von Josef Balazs.

Ein Haus, die Bewohner und ihre Geschichten – „Ioana Pârvulescus Roman macht Fernweh nach Heimat und Heimweh nach der Ferne.“ (Jan Koneffke)

Das Tor ist der Mund, die Fenster sind die Augen – in der Vorstellung der kleinen Ana bekommt das Haus in der einstmaligen Johannisgasse im siebenbürgischen Kronstadt ein Gesicht, hat Gedanken und Gefühle. Zwei Erdbeben, zwei Weltkriege und einen Bombenangriff hat es heldenhaft überlebt und das Verschwinden seiner „Geschwister“ vis-à-vis auf Kosten eines Plattenbauhotels. Von den Bewohnern dieses Hauses über mehrere ­Generationen und mit mehreren Nationalitäten erzählt die gebürtige Kronstädterin Ioana Pârvulescu in ihrem ersten auf Deutsch veröffent­lichten Roman, dem es spielerisch gelingt, eine freudlose Zeit in einem permanenten Glanz erscheinen zu lassen. Ioana Pârvulescu (geb. 1960 in Kronstadt) ist Professorin für neue Literatur an der Universität Bukarest. Darüber hinaus arbeitet sie als Lektorin und als Übersetzerin aus dem Französischen (Milan Kundera, Asterix) und Deutschen. 2013 und 2018 wurde sie mit dem Literaturpreis der EU ausgezeichnet. „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“ ist ihr erster Roman, der auf Deutsch erscheint.

Bei allen HDO-Veranstaltungen ist eine Anmeldung telefonisch unter (089) 44 99 93-0 oder per E-Mail an poststelle[ät]hdo.bayern.de erforderlich. Es gilt die 2G-Plus-Regel gemäß Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaates Bayern.

Schlagwörter: Ausstellung, Fotografie, HDO, München, Hermannstadt, Kronstadt, Harald Roth, Balazs, van Buer

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