27. September 2016

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500 Jahre alte Urwälder im Fogarascher Gebirge entdeckt

In Europa gibt es kaum noch Urwälder, in Deutschland gar keinen mehr. Eines der Gebiete mit jahrhundertealten Baumriesen und hohem Artenreichtum wurde kürzlich im Boia Mică Tal im Fogarascher Gebirge in Rumänien entdeckt. Naturschutzorganisationen setzen sich nun dafür ein, dass das besonders wertvolle Gebiet geschützt wird.
„Das wahrscheinlich wildeste Tal im Herzen Europas wurde kürzlich in Rumänien entdeckt. Das Boia Mică Tal ist ein steiles, abgeschiedenes Tal mit einem großen, unberührten und beinahe unzugänglichen Urwald, mit bis zu 500 Jahre alten Baumriesen und hohem Artenreichtum. Das Gebiet wird von Experten mit Europas wertvollsten Nationalparks verglichen“, heißt es auf der Webseite www.euronatur.org vom 3. August. Die international tätige EuroNatur Stiftung und die rumänische Naturschutzorganisation Agent Green haben die rumänische Umweltministerin Cristiana Pașca Palmer aufgefordert, die Abholzung im Fogarascher Gebirge umgehend zu stoppen und dort einen Nationalpark zu schaffen, der die internationalen IUCN-Kriterien erfüllt. Ganz besonders das herausragende Boia Mică Tal benötige sofortige Schutzmaßnahmen. Nach europäischer Gesetzgebung sei es zwar geschützt, was die Abholzung offensichtlich nicht verhindere, wie zahlreiche Negativbeispiele und klare Verstöße gegen die Vorgaben von Natura 2000 zeigen.

Wie die Frankfurter Rundschau vom 6. September berichtet, betrieb Greenpeace mit Forschern und Freiwilligen aus ganz Europa in diesem Sommer ein Camp in den Karpaten, um eine Bestandsaufnahme der noch intakten Waldflächen von Boia Mică und einem zweiten Tal zu machen. Mit High-Tech und GPS wurden Standorte ermittelt, Urwaldflächen genau in Karten dargestellt und Satellitenbilder ausgewertet. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Binnen der letzten zehn Jahre wurden in den beiden Tälern von den vormals 2575 Hektar Urwaldfläche über ein Drittel zerstört und auch der restliche Urwald ist in Gefahr, durch Straßenbau und Holzeinschlag vernichtet zu werden.

Rumäniens gesamte Flächen, auf denen noch jahrhundertealte Wälder wachsen, wird auf rund 120000 Hektar geschätzt – viele von ihnen sind jedoch nicht als Urwald registriert und genießen somit keinen Schutz vor Holzeinschlag, den ausländische Firmen, etwa aus Österreich, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch Deutschland, in Rumänien in großem Umfang betreiben. Die Umweltorganisation Greenpeace versuche nun mit einer Kampagne zum Schutz der „letzten verbliebenen echten Naturschätze unseres Kontinents“ beizutragen, so die Frankfurter Rundschau.

Die politischen Voraussetzungen für Umweltschutzmaßnahmen in Rumänien seien derzeit günstig. Die Regierung unter Ministerpräsident Dacian Cioloș plant ein nationales Register der verbliebenen Urwälder, um sie dauerhaft vor Holzeinschlag zu schützen.

Luise Stephani






Schlagwörter: Umweltschutz, Naturschutz, Karpaten

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