14. April 2010

Erster Spatenstich für das Projekt „Radeln – Schutzraum für Kinder“

„In einem Lied von Peter Maffay heißt es: ‚Wenn Du nichts mehr spürst, ist es zu spät‘. Das gilt auch für die Werke, die wir tun. Für Radeln ist es nicht zu spät, weil Du nach Hause gekommen bist“. „Dir bedeuten die Menschen hier etwas, und das gibt ihnen Auftrieb.“ Mit diesen persönlich akzentuierten Worten an die Adresse Peter Maffays hat Bischof D. Dr. Christoph Klein das soziale Engagement des aus Kronstadt stammenden Rockstars gewürdigt. Die Ansprache des Bischofs der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien erfolgte am 31. März in Radeln anlässlich des ersten Spatenstiches für ein Ferienheim für traumatisierte Kinder, das der international bekannte Musiker in der 700 Einwohner zählenden Gemeinde (Kreis Kronstadt) bauen lässt. In Gegenwart von Vertretern aus Politik, Kirche und Medien bedankte sich Peter Maffay für die breite Unterstützung des Projektes, das Kindern aus Rumänien einen Schutzraum bieten und zugleich zu einer Revitalisierung des Dorfes beitragen will. Im Frühjahr 2011 sollen die ersten Kinder im Ferienheim Aufnahme finden.
Wie in dieser Zeitung berichtet, plant die Peter-Maffay-Stiftung in der Kirchenburg in Radeln ein therapeutisches Ferienheim für körperlich und seelisch geschädigte Kinder, nach dem Modell einer ähnlichen Einrichtung der Tabaluga Kinderstiftung auf der Baleareninsel Mallorca. Zu diesem Zweck hat die Stiftung im Frühjahr 2009 das Pfarrhaus in Radeln, den Pfarrhof und die dazugehörigen Nebengebäude käuflich erworben. Den Kaufvertrag haben Peter Maffay und der Dechant des Kronstädter Kirchenbezirks, Pfarrer Christian Plajer, am 30. April 2009 unterschrieben. Das Pfarrhaus wird nach Plänen des Architekten Sebastian Szaktilla umgebaut. Das Ferienheim ist als internationale Begegnungsstätte gedacht. Neben Kindern aus Rumänien sollen auch ausländische Gruppen empfangen werden.

An der am 31. März in Radeln veranstalteten Feierstunde nahmen neben Peter Maffay und Bischof D. Dr. Christoph Klein u. a. der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, Thomas Gerlach, der Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen, Helge Fleischer, der Bürgermeister von Radeln, Mircea Pălăşan, der Dechant des Kronstädter Kirchenbezirks, Pfarrer Christian Plajer, Bezirkskirchenkurator Karl Hellwig sowie seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland der Bundesvorsitzende Dr. Bernd Fabritius teil.
Erster Spatenstich in Radeln: Das Gruppenbild ...
Erster Spatenstich in Radeln: Das Gruppenbild zeigt den Rockstar Peter Maffay (2. von links) mit Bischof D. Dr. Christoph Klein (Mitte) und Dr. Bernd Fabritius (2. von rechts), flankiert von Dechant Christian Plajer (außen rechts) und Pfarrer Siegmar Schmidt. Foto: privat
Peter Maffay machte in seiner Rede deutlich, dass dieser erste Spatenstich für ihn ein „emotionaler Moment“ sei angesichts der Tatsache, dass er Rumänien im Alter von 14 Jahren verlassen habe: „Ich kehre heim“, unterstrich der 60-jährige Musiker, nach 35-jähriger Abwesenheit. Mit ihm käme die „Vision unserer Stiftung nach Rumänien, einen Schutzraum für Kinder zu schaffen“ als weiteren Baustein „in unserem internationalen Netzwerk für Kinder, eine globale Allianz für die Schwächsten der Gesellschaft“. Es gehe um Kinder, die „schreckliche Schicksale erlebt haben, die sexuell missbraucht und geschlagen wurden, Erfahrungen mit Verlust, Drogen und dem Tod hinter sich haben“. Die Standortwahl für das Projekt begründete Maffay damit, dass die Kirchenburg in Radeln eine „weitgehend erhaltene, geschichtliche Substanz“ aufweise, dass darüber hinaus in dieser Gegend Ethnien über Jahrhunderte friedlich zusammenlebten und dass hier Werte wie Respekt, Zuverlässigkeit, soziale Kompetenz, aber auch handwerklicher Standard „jeden Tag, jede Stunde gelebt“ würden. Der gebürtige Kronstädter sprach „den vielen Freunden in Rumänien und Deutschland, die allesamt einen Beitrag geleistet haben“, seinen Dank aus. Als wertvollen Schub für das Projekt in Radeln bewertete Maffay eine Weihnachtsaktion der Passauer Neuen Presse, bei der die Leserinnen und Leser über 450 000 Euro beigesteuert haben. Nicht zuletzt dankte er auch den Bewohnern von Radeln für ihre Gastfreundschaft.

Maffay appellierte an die Öffentlichkeit, das Projekt weiterhin zu unterstützen, auf dass „die Idee von einem ‚Schutzraum für Kinder’ in einer altehrwürdigen Kirchenburg Realität wird“. Freilich gehe es nicht nur um das Ferienhaus, sondern auch „um das Dorf und mittendrin um ein Symbol für Schutz! Um eine Kirche, um Glauben.“ Es gelte, „in einer echt empfundenen Partnerschaft ein gültiges Beispiel dafür abzugeben, dass unsere Gesellschaft noch nicht verlernt hat, die Schwachen zu schützen“. Radeln könne ein „Leuchtturm“ sein und ein Beitrag dazu, die gesamte Region, ihre Schönheit und ihren geschichtlichen Reichtum zu beleuchten. Im Sinne des ganzheitlichen Projektansatzes soll das Dorf revitalisiert werden. Einhergehend mit der Sanierung der Kirchenburg sollen Handwerker im Dorf wieder angesiedelt werden. Im Zuge von Infrastrukturmaßnahmen sollen Wege repariert, die Wasserversorgung und Kanalisation hergestellt werden; ferner soll die ärztliche Versorgung gewährleistet sein. „Wir kommen als Freunde. Wir sind Gäste und wollen Partner sein. Nicht mehr.“ Mit dieser Botschaft und seinem nachdrücklichen Dank für die erfahrene „Solidarität mit unserer Stiftung“ schloss Maffay seine Rede. Innerhalb des feierlichen Rahmenprogramms zum ersten Spatenstich führte der Architekt Sebastian Szaktilla die Gäste auf einem Rundgang durch das Dorf. Über das Projekt in Radeln informierte eine Dokumentationsausstellung, die auch beim Heimattag in Dinkelsbühl gezeigt wird.

Zeichen der Solidarität

Nach den Feierlichkeiten in Radeln übermittelte Peter Maffay in einem Schreiben an den Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius seinen Dank „im Namen meines Teams“ „für die Unterstützung und den Besuch“: „Ihre Teilnahme war ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den Aktivitäten unserer Stiftung.“ Maffay warb um ein fortgesetztes Engagement „an der Seite der Peter Maffay Stiftung“. - Beim Großen Siebenbürgerball unseres Verbandes am 30. Januar 2010 in München (unter der Schirmherrschaft und in Anwesenheit von Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtages, und des Rockstars Peter Maffay) hatte eine Spendenaktion zugunsten des Kinder-Projektes in Radeln 3000 Euro erbracht.

Dieses Dankschreiben beantwortete Dr. Bernd Fabritius in seiner Funktion als Vorsitzender der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen, indem er Maffay zu diesem Projekt herzlich gratulierte und des Weiteren betonte: „Sie bewirken dadurch nicht nur für traumatisierte Kinder als dem vielleicht schwächsten Glied einer Gesellschaft viel Gutes. Sie setzen auch einen wesentlichen Impuls zur Weiterentwicklung der ehemals siebenbürgisch-sächsischen Ortschaft Radeln und schaffen damit dort Begegnung und Zukunft. Sie schlagen durch die Einbeziehung der örtlichen Gemeinschaft Brücken der Verständigung. Auch zeigen Sie damit weit über die Grenzen Rumäniens und besonders im Wirkungsfeld unserer Föderation auf, dass erneute verstärkte Präsenz in Siebenbürgen im Rahmen der Freizügigkeit in unserem gemeinsamen ‚Europäischen Haus’ eine Zukunft hat und viele schöne Momente vermitteln kann.“ Dr. Fabritius sicherte Maffay „unsere weitere Unterstützung und Begleitung“ zu. Überdies freue er sich auf Maffays Teilnahme am Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl.

Laut Bild-Zeitung hat sich Peter Maffay übrigens ein Haus in Siebenbürgen gekauft: „Ich will mit meinem Einsatz dem wunderschönen Land meiner Kindheit etwas zurückgeben. Und mit meiner Familie hier die schönen Sommer verbringen“, zitiert Bild den Rockstar.

Christian Schoger

Schlagwörter: Maffay, Radeln, Kinder, Kirche, Kirchenburgen

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