16. November 2018

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Themenreiche Herbstsitzung des Bundesvorstands

Der grenzüberschreitende Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen wird bei den Heimattagen, Sachsentreffen und anderen Großereignissen oft beschworen. Das entspricht der Lebenseinstellung vieler Landsleute und war auch in der Bundesvorstandssitzung des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland am 3. November 2018 deutlich spürbar. Das Führungsgremium widmete sich in München sowohl der Lage der Landsleute in Siebenbürgen als auch den Verbandstätigkeiten in Deutschland.
Die Bundesvorsitzende Herta Daniel begrüßte in der Bundesgeschäftsstelle u.a. Dr. Harald Roth, Kulturratsvorsitzender, den Schäßburger Stadtpfarrer und Bezirksdechanten Bruno Fröhlich seitens der Heimatkirche, Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, Ilse Welther, Vorsitzende des HOG-Verbands, Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD (früher: Hilfskomitee), Reinhold Sauer, Vorsitzender der Carl Wolff Gesellschaft, Dr. Johann Kremer, Vorsitzender des Sozialwerks, Dr. Andreas Roth, Bundesjugendleiter der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD). Die Bundesvorsitzende berichtete erfreut, dass Dr. Bernd Fabritius am 30. Oktober in Berlin, stellvertretend für die Deutschen aus Rumänien, mit der Sonderauszeichnung „100 Menschen für Rumänien“ in Gold geehrt worden sei.

Die Bundesvorsitzende hatte kürzlich an einer politischen Bildungsreise des BdV-Landesverbands Bayern nach Polen teilgenommen. Bei den Treffen hatte sie festgestellt, dass die Vertreter der deutschen Minderheit kaum mit der Landsmannschaft der Schlesier zusammenarbeiten. Ganz anders seien die Verhältnisse unter den Siebenbürger Sachsen: „Wir Siebenbürger Sachsen haben eine sehr enge Beziehung, die von beiden Seiten als sehr wichtig erachtet wird. Der Austausch mit dem Forum und der Heimatkirche hat für uns einen hohen Stellenwert und wir nehmen regen Anteil an ihren Problemen“, betonte Herta Daniel, die auch Präsidentin der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen ist. Konsequenterweise kamen die Vertreter aus Siebenbürgen in dieser Sitzung ausführlich zu Wort. Bundesvorsitzende Herta Daniel setzt sich für den ...Bundesvorsitzende Herta Daniel setzt sich für den grenzüberschreitenden Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen ein, rechts im Bild Dr. Andreas Roth, SJD-Bundesjugendleiter. Fotos: Siegbert Bruss Stadtpfarrer Bruno Fröhlich berichtete, dass die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien (EKR) „geordnet kleiner“ werde, wie eine Expertin der Bremischen Evangelischen Kirche festgestellt habe. Viele Ortschaften seien wie leergefegt, die wenigen Mitglieder, deren Gesamtzahl nur noch 12000 beträgt, können die gefährdeten Kirchen, aber auch viele andere Gebäude, die nicht denkmalgeschützt sind, kaum instandhalten, sagte Fröhlich. Nach der Reihe „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ feiert die EKR nun ihr hundertjähriges Bestehen mit der Reihe „Gesichter – Grenzen – Geschwister“, an der sich der Verband der Siebenbürger Sachsen wieder engagiert beteiligen wird. Der letzte Apfelbaum der Reihe wurde übrigens am Pfingstsamstag 2018 in Dinkelsbühl gepflanzt und soll in Kürze mit einer Plakette versehen werden.

Bottesch bekräftigte seinerseits, dass der Kontakt zu den Landsleuten in Deutschland und Österreich aus Sicht des Siebenbürgenforums besonders wichtig sei. Er erinnerte an den Aufruf an Lehrer in Deutschland (Siebenbürgische Zeitung Online vom 21. Juli 2018). Darüber hinaus suche man Mitarbeiter für das Verfassen deutscher Lehrbücher, die durchaus auch im Ausland tätig sein könnten. Des Weiteren erwähnte Bottesch eine unerfreuliche Entwicklung in Rumänien, wo der Denkmalschutz neuerdings restriktiv ausgelegt werde: Der rumänische Staat könnte angeblich nur jene Gebäude instand setzen, die sich in seinem Besitz befänden. Dennoch gebe es zahlreiche positive Beispiele, etwa in Bistritz und Halvelagen, wo sich die politischen Gemeinden für das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe und für die evangelischen Kirchen einsetzten. Dass ranghohe Vertreter der regierenden Sozialdemokratischen Partei (PSD) die deutsche Minderheit immer wieder verleumden, führt zu heftigen Protesten sowohl in Deutschland, etwa durch den Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung Dr. Bernd Fabritius und den Verband der Siebenbürger Sachsen, als auch durch das Deutsche Forum, das zwei Prozesse gegen die Politiker Darius Vâlcov und Liviu Pop angestrengt hat. Martin Bottesch, Vorsitzender des ...Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, wirbt um deutsche Lehrkräfte und Mitarbeiter für Lehrbücher, auf dem Bild mit Doris Hutter, Stellvertretende Bundesvorsitzende (1. von links), und Bundesfrauenreferentin Christa Wandschneider. Die Bundesvorsitzende Herta Daniel berichtete, dass die rumänische Restitutionsbehörde ANPR mit der Bearbeitung der unerledigten Restitutionsfälle im Verzug sei. So seien seit Juli 2018 gerade mal 600 Fälle bearbeitet worden, was auf der Homepage der ANPR einsehbar wäre, statt der 700 monatlich versprochenen Fälle. Die Verbände der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben hatten der Restitutionsbehörde ANRP vor zwei Jahren 1160 ungelöste Restitutionsfälle über die Botschaft von Rumänien vorgelegt.

Ein Beispiel erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit empfahl die Bundesvorsitzende zur Nachahmung. Die Stadt Geretsried habe kürzlich ein Büchlein für Grundschüler herausgebracht, um diese in kindgerechter Weise in die Geschichte der Stadt einzuführen. Als Erzähler und Begleiter durch dieses Büchlein wurde ein kleiner Urzel gewählt. Das geschah ohne Dazutun der Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen, denn das sei gar nicht nötig gewesen, „da die siebenbürgischen Urzeln weit über Geretsried hinaus bekannt gemacht wurden und Einladungen auch aus anderen Orten erhalten“.

Nordrhein-Westfalen will Patenschaften aufwerten

Rainer Lehni, stellvertretender Bundesvorsitzender und Vorsitzender der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, freute sich über das sehr gute Zusammenarbeiten mit den nordrhein-westfälischen Regierungsstellen in den letzten zwei Jahren. „Uns wird die Tür mit Anfragen eingerannt!“ So habe der Landesbeirat für Aussiedler und Vertriebene am 26. Juni 2018 erstmals getagt, und zwar bei den Siebenbürger Sachsen in Drabenderhöhe. Das Land Nordrhein-Westfalen will die Patenlandsmannschaften der Siebenbürger Sachsen und Oberschlesier aufwerten und wird 2020 erstmals diesbezügliche Heimatpreise vergeben, die mit 12.500 Euro dotiert werden (Lesen Sie dazu einen Artikel in der SbZ Online vom 17. November 2018).

Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland wird vom 26. bis 28. April 2019 in Bad Kissingen einen vom Bundesinnenministerium geförderten Zukunftsworkshop veranstalten.

Bundesorganisationsreferent Horst Wellmann berichtete über die Planungen des Heimattages 2019, der im Zeichen des 70-jährigen Jubiläums des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland stehen und von der Landesgruppe Baden-Württemberg mitgestaltet wird (siehe Heimattag 2019 im Zeichen des 70-jährigen Verbandsbestehens). Zum 70. Jahrestag des Verbandes ist eine Roll-up-Ausstellung samt Begleitheft geplant, betonte Bundeskulturreferent Hans-Werner Schuster. Dafür liege eine Förderzusage des bayerischen Sozialministeriums über das Haus des Deutschen Ostens vor, ebenso für die Auftritte siebenbürgisch-sächsischer Kulturgruppen am Weihnachtsmarkt in Gundelsheim und auf Schloss Horneck vom 30. November bis 2. Dezember 2018. Damit beteiligen sich der Verband und der Schlossverein bereits zum dritten Mal in Folge am Weihnachtsmarkt. Unter den weiteren kulturellen Maßnahmen sei die Teilnahme der Agnethler am 15. September 2019 am Oktoberfestumzug in München erwähnt.

Bundeskulturreferent Hans-Werner Schuster kündigte an, dass er zum 1. Dezember 2019 in Rente gehen werde. Der geschäftsführende Bundesvorstand wurde beauftragt, die Stelle nachzubesetzen. Genesungswünsche ergingen an Bundesgeschäftsführer Erhard Graeff, der erstmals seit über zweieinhalb Jahrzehnten nicht an einer Bundesvorstandssitzung teilnehmen konnte (die Stelle des Geschäftsführers wird in der SbZ Online ausgeschrieben).

Dr. Berthold Köber stellte das Jahrbuch 2019 vor, das unter dem Titel „Gemeinsam feiern – gemeinsam gedenken“ den großen Jubiläen und Feierlichkeiten der letzten Jahre gewidmet ist: dem Sachsentag 2017 in Hermannstadt, dem Evangelischen Kirchentag 2017 in Kronstadt, der Reihe „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ u.a. Der Herausgeber des Jahrbuches, die Gemeinschaft der Evangelischen Siebenbürger Sachsen, wolle auch künftig aktuelle kulturelle Ereignisse unserer Gemeinschaft aufgreifen und freue sich auf eine rege Mitarbeit.

Gedankt wurde den Webmastern von Siebenbuerger.de, die alles Nötige umgesetzt hatten, damit der Internetauftritt des Verbandes schon am Stichtag 25. Mai 2018 den Bestimmungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entsprach.

Das höchste Gremium des Verbandes, der Verbandstag, wird am 2.-3. November 2019 im „Heiligenhof“ in Bad Kissingen tagen. Inhaltlich und personell soll der Verbandstag in der Frühjahrssitzung des Bundesvorstandes vorbereitet werden, die für den 2. März 2019 in München geplant ist.

Siegbert Bruss




Foto-Galerie zur Herbstsitzung des Bundesvorstandes in München

Schlagwörter: Bundesvorstand, Sitzung, Herbstsitzung, München, Siebenbürgen, Rumänien, Kultur, Herta Daniel, Forum

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