21. August 2011

Leserecho: Die Stimme von Petersberg fehlt

Zum Artikel „Burzenländer Lieder auf CD“ in Folge 9 der Siebenbürgischen Zeitung vom 10. Juni 2011, Seite 11.
Diese Zeilen in der Siebenbürgischen Zeitung haben die Petersberger Landsleute betrübt: „Das Petersberger Lied darf jedoch aus rechtlichen Gründen nicht eingespielt werden (es benützt die Melodie eines berühmten Wiener Schlagers)“. Sie mahnen mich, die Entstehungsgeschichte des Textes des Heimatliedes auf die Melodie des Schlagers „Drunt in der Lobau“, komponiert von Heinrich Strecker (1893-1961), zu schreiben.

Die Gefühle und Freude nach fünf Jahren Zwangarbeit in gefährlichen Kohlengruben im Donbass waren, zurückgekehrt in die Heimat, schwer zu beschreiben. Schon nach wenigen Monaten bekamen viele Jungen in meinem Alter die Einberufung rumänischen Arbeitsmilitär DGSM. Als Zimmermann waren zuerst die Neubauten am Honterusplatz in Kronstadt und Umgebung mein Arbeitsfeld. Im glühenden Sommer 1950 schufteten wir in Devesel-Oltenia zuerst bei zentimetergenauen Nivellier-Erdarbeiten und später an Schalungen für die Randbeleuchtung der drei Kilometer langen Startbahn für russische Düsenjäger (derselbe Flugplatz, wo in Kürze eine amerikanische Raketenbasis entstehen soll).

Die wunderbare Schlagermelodie „Drunt in der Lobau“ hatte ich noch in der Heimat gehört und sie begleitete mich täglich auch in Devesel, so dass ich an einem Ruhetag für meine Liebste in Petersberg, die mir auch in der Kohlengrube hilfreich zur Seite gestanden ist, einen neuen Text auf diese Melodie schrieb. Auf den heißen Sommer, wo in der Oltenia schon im September die Blätter vertrockneten und über der flirrenden Mittagshitze die „Fata Morgana“ eines Schleppers am Himmel fahrend zu sehen war, folgte in Bukarest ein feuchter Herbst. Mit meinen Zimmermann-Kameraden mussten wir hier zuerst unter dem vielfachen Lautsprecherlärm am Bauplatz des „Casa Scânteii“, des neuen Pres­sehauses, im Wettbewerb arbeiten und nachher in Giuleşti mit Schalungen die Kanalisierungsarbeiten vor Erdrutschen sichern.

Im Dezember 1950 zimmerte meine Brigade in Stefăneşti bei Piteşti auch an den bitterkalten Weihnachtstagen aus eisglattem Bauholz den Dachstuhl eines 60 m langen, vier Stock hohen Wohnblocks für griechische Emigranten. Die nächste Versetzung unserer Brigade ging zur Thermozentrale „Gheorghe Gheorgiu Dej“ nach Doiceşti. Nach gefährlichem Gerüstbauen in Höhen bis 25 m mussten wir im nächsten Winter auch trotz hohen Schnees Schalungen für Schmalspurbrücken im nahen Schotingatal zimmern. Das kommende Frühjahr sollte, nach zwei Jahren Militärarbeitsdienst, uns den Entlassungsschein bringen. Doch einige Tage davor zwang uns, also viele Alterskameraden, die auch deportiert in Russland waren, ein neuer Befehl, noch ein Jahr, das 8. Zwangsarbeitsjahr zu erleiden. Dieses war für uns wohl die schwerste, sehnsuchtvollste Zeit nach den Lieben in der teuren Heimat. Doch mein Petersberger Heimatlied gab mir immer wieder Geduld und Kraft zum Ausharren und schützte mich vor Verzweiflung.

Ich glaube, der Komponist des wunderschönen Schlagerliedes „Drunt in der Lobau“ hätte be­stimmt in den fünfziger Jahren erlaubt, auf seine Melodie mit einem neuen Text das Petersberger Heimatlied im Burzenland zu singen, weit entfernt von seiner Heimatstadt Wien. Leider hat sich Steffen Schlandt vergebens die Mühe gemacht, die Melodie in Noten zu schreiben und das Lied mit dem Jugendchor in Kronstadt einzuüben. Auf der CD „Wo der Königsstein schaut tief ins Tal hinein“ fehlt nun die Stimme von Petersberg, aber im Liederheft wurde der Text abgedruckt.

Heinrich Lukesch, Königsbrunn


Ankündigung der CD in der Siebenbürgischen Zeitung
Besprechung der CD in der Siebenbürgischen Zeitung

Schlagwörter: Leserecho, CD, Burzenland

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