13. Mai 2006

Druckansicht

Ingrid von Friedeburg-Bedeus

Ingrid von Friedeburg-Bedeus: Bedeutende Förderin siebenbürgischer Kultur.
Ingrid von Friedeburg-Bedeus ist am 29. April 2006 im Alter von 82 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in München gestorben. Jahrzehntelang hat sie sich mit großem Erfolg in siebenbürgischen und bundesdeutschen Kreisen für die Akzeptanz und Eingliederung ihrer Landsleute in der neuen Heimat eingesetzt sowie siebenbürgisch-sächsische Kultur und Künstler durch vielseitige Initiativen gefördert. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft und der Vorstand der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt trauern um einen außergewöhnlichen, wertvollen Menschen und sprechen der Familie, auch im Namen unserer großen Gemeinschaft, ihr herzliches Beileid aus.
Bei der Trauerfeier am 10. Mai in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz hielt der Ehrenvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Wilhelm Bruckner, eine beeindruckende Ansprache, die hier leicht gekürzt wiedergegeben wird.

Unser beider Geburtsort Hermannstadt hat uns oft zusammengeführt und ebenso oft wurden wir in unserem Kontakt unterbrochen, vor allem in der Zeit des Studiums, das sie während des Zweiten Weltkrieges erst in Wien und dann in Braunschweig verbrachte. Wer die am 14. Juni 1923 in Hermannstadt geborene Ingrid von Friedeburg-Bedeus später kennen lernte, mag erstaunt gewesen sein über ihre Studienfächer: Architektur, Kunstgeschichte und Philosophie. Und doch war diese Verbindung nicht nur typisch für sie, sondern zugleich Dokument für die Welt, in der sie aufgewachsen war. Ihr Vater, Josef Baron Bedeus von Scharberg , war ein bedeutender Architekt und Städtebauer, der nicht nur in Hermannstadt die Johanneskirche, sondern auch in anderen Gegenden Rumäniens Gebäude errichtet hatte. Ihr Onkel, der Bruder ihrer Mutter, Julius Bielz, war einer der bedeutendsten Fachleute siebenbürgisch-sächsischer Kunst und Volkskunde, den Harald Krasser als umfassendsten Kenner des sächsisches Volkserbes bezeichnet hatte. Und ihre Mutter, Erna, geborene Bielz, beherrschte jenen Zweig der Philosophie, der zur Menschenkenntnis führt. Die Reihe von Ingrids Vorfahren, die in hervorragender Weise dem Sachsenvolk gedient hatten, findet man heute noch in mehreren Büchern.

Ingrid von Friedeburg Bedeus beim Hermannstädter Treffen in Landshut, September 2005. Foto: Jürgen Schuster
Ingrid von Friedeburg Bedeus beim Hermannstädter Treffen in Landshut, September 2005. Foto: Jürgen Schuster
Ingrid von Friedeburg-Bedeus hat ihre Studien nie oberflächlich betrieben und zwischen den Wissenschaften und den von ihren Ahnen ererbten Eigenschaften den richtigen Weg zur Gestaltung ihres Lebens gefunden. Nach ihrem Studium genoss sie eine Ausbildung im Fachbereich Dekoration und Werbung und sollte dadurch später Gemeinsamkeiten entdecken mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Friedrich von Friedeburg, der bis zu seinem plötzlichen Tode am 1. Januar 1991 im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig war.

Ich habe oft an die Worte von Goethes Iphigenie gedacht, wenn mir ihr Wirken in Gedanken erschien: „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, der froh von ihren Taten, ihrer Größe den Hörer unterhält und still sich freuend ans Ende dieser schönen Reihe sich geschlossen sieht.“

Ingrid von Friedeburg-Bedeus hat ihrer Familie, zu der drei Söhne gehören, nochmals vorgelebt, was ihre Ahnen für Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen taten. Als ich sie 1981 bat, in unserer Landsmannschaft in Deutschland das Bundeskulturreferat zu übernehmen, tat sie das ganz selbstverständlich und wurde kurz darauf auch Bundesfrauenreferentin. Dass in Deutschland manches anders war als in unserer Heimat, stand ihr nicht im Wege. Sie war im Osten wie im Westen daheim. Schließlich befand sie sich, nicht nur in Gedanken, oft im Karpatenland. Die Kulturtage, die seit Jahren von unserer Landsmannschaft gelegentlich durchgeführt wurden, machte Ingrid ab 1981 zu einem alljährlich wiederkehrenden Ereignis, das stets an anderen Orten ausgerichtet und somit von Einheimischen und von unseren nahe wohnenden Landsleuten besucht wurde. Es übersteigt die Vorstellung vieler Zeitgenossen, wie jemand in so großem Maße ehrenamtliche Tätigkeit leisten kann. Es kann hier nicht alles genannt werden, was Ingrid von Friedburg-Bedeus zwecks Förderung der siebenbürgischen Kultur auf die Beine gestellt hat. Erwähnt seien aber: Die Schaffung von Schallplatten mit siebenbürgischer Kammermusik aus fünf Jahrhunderten, Vorträge über Künstler aus Siebenbürgen, eine Reise mit Vertretern der deutschen Elektroindustrie nach Siebenbürgen, in das Land, in dem Oskar von Miller eines der ersten Elektrizitätswerke Europas entstehen ließ, das dann Muster für bayerische Kraftwerke wurde. Es folgten zahlreiche Ausstellungen, darunter über die Volkskunst in Siebenbürgen. Schließlich knüpfte Ingrid von Friedeburg-Bedeus Kontakte zu den Gruppen der Siebenbürger Sachsen außerhalb Deutschlands: in Österreich, den USA und Kanada.

Unsere Landsmannschaft verlieh ihr 1983 als erster Frau das Amt einer Stellvertretenden Bundesvorsitzenden, das sie bis 1995 ausübte. Sie führte uns allen vor, wie man sächsische Kultur weit entfernt vom eigenen Geburtsort lebendig erhalten kann. Ihrem Einsatz und ihrer freundlichen, aber bestimmten Art, sich durchzusetzen, ist es in der Hauptsache zu verdanken, dass die 850-jährige Jubiläumsfeier seit Niederlassung erster deutscher Siedler in Siebenbürgen in der renommierten Paulskirche in Frankfurt am Main stattfinden konnte. 1993 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens verliehen. Sehr früh, so schien es, zog sie sich Mitte der neunziger Jahre aus ihren Ehrenämtern zurück. Doch eines, das ihr besonders ans Herz gewachsen war, behielt sie. Der Gründer und Präsident der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, Hans Martin Andree, starb 1989 und Ingrid von Friedburg-Bedeus wurde seine Nachfolgerin. So blieb sie mit dem Heimatland und mit ihrer Stadt, wenn zuletzt auch nur im Geiste, bis zu ihrer letzten Stunde verbunden.

Liebe Ingrid,
wir alle, und ich sage es auch im Namen unserer Landsmannschaft und unserer großen sächsischen Gemeinschaft, nehmen Abschied von dir. Zugleich aber wollen wir dir danken für alles, was du für uns viele Jahre hindurch getan hast. Du bist vielfach geehrt und ausgezeichnet worden. Ganz daheim aber warst du in deiner Familie und wohl auch bei den Heimattagen in Dinkelsbühl, wenn die blau-roten Fahnen wehten und in dieser oder jener Gasse unsere Mundart erklang oder der für uns typische Akzent zu vernehmen war. Dein Leben wird uns Beispiel bleiben.

Schlagwörter: Porträt, Nachruf, Kultur

Nachricht bewerten:

2 Bewertungen: +

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.

Registrieren! | Passwort vergessen?