4. Juli 2007

Die Stadt Schäßburg steht vor Gericht

Die Stadtverwaltung Schäßburg (Sighişoara) wird von der Bürgerinitiative „Nachhaltiges Schäßburg“ angeklagt, das städtische Stadion gesetzeswidrig an die deutsche Supermarktkette Kaufland verkauft zu haben. Die Klage wurde beim Verwaltungsgericht in Neumarkt am Mieresch eingereicht, um den Bau des Kaufland-Marktes auf dem Stadiongelände zu verhindern. Die Gerichtsverhandlung soll am 5. Oktober 2007 beginnen.
Ende April hat die Stadt Schäßburg das Stadion an die zur Schwarz-Gruppe gehörende Handelskette verkauft. An dem Ausschreibungsverfahren hatte diese als einzige Bieterin teilgenommen. Die Bürgerinitiative „Nachhaltiges Schäßburg“ ist von einem unlauteren Wettbewerb überzeugt: „Die Ausschreibungsbedingungen wurden von den städtischen Behörden so formuliert, dass andere Interessenten kaum Chancen hatten und das Gelände unter dem erzielbaren Preis verkauft wird“, sagt der Koordinator der Bürgerinitiative, Hans Hedrich, einem Bericht der WirtschaftsWoche zufolge.

Die Bürgerinitiative möchte auch den Stadtratsbeschluss, der den Verkaufserlös für das alte Stadion dem Bau eines neuen Stadions zugesprochen hat, aufheben. „Nach Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in Rumänien müssen wir damit rechnen, dass dieses Stadion nie gebaut wird“, sagt Hedrich. Vielmehr sollen Vorschläge für die Sanierung und fachgerechte Nutzung der Sportstätten erarbeitet werden. Gelder zur Sanierung könnte es in naher Zukunft aus den Strukturfonds der Europäischen Union geben – ein gutes Beispiel stellt diesbezüglich Tschechien dar.

Kaufland muss öffentliche Kritik einstecken

Auch den Beschluss über den Verkauf eines Sportstadions in der Stadt Arad, das unter ähnlichen Umständen wie in Schäßburg Kaufland zugesprochen wurde, kritisiert der Schäßburger Verein und möchte den illegalen Verkauf weiterer Stadien in Rumänien bei den zuständigen Ämtern reklamieren und gegebenenfalls verhindern. Kaufland hatte auch in Arad öffentliche Kritik einstecken müssen – den dortigen Stadionverkauf hatte Bürgermeister Falca, ein Verwandter des rumänischen Staatspräsidenten Traian Băsescu, eingefädelt. Kauflands Ruf in Rumänien wird auch von den Gewerkschaften in Frage gestellt. Sie werfen der Handelskette vor, die Mitarbeiter auszubeuten und nicht genügend für ihre Sicherheit zu sorgen. Der Umweltschutzverein „Nachhaltiges Schäßburg“ hatte schon vor einigen Jahren, zusammen mit anderen in- und ausländischen Einrichtungen, erfolgreich gegen die Errichtung eines „Dracula“-Freizeitparkes im Naturschutzgebiet Breite, in unmittelbarer Nähe von Schäßburg, protestiert.

sos

Schlagwörter: Politik, Wirtschaft, deutsch-rumänische Beziehungen

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