7. Juli 2007

Europäisches Projekt verbindet Nürnberg und Kronstadt

Wirtschaft pur kann nicht das einzig Wahre sein. Das Soziale, das Kulturelle muss mit eingebunden werden. Seit einiger Zeit bietet sich an, ein europäisches Projekt auf der EU-Entwicklungsachse Nürnberg-Konstanza voranzutreiben, und dabei ist Kronstadt ins Visier der Metropolregion Nürnberg geraten. Nürnberg begreift sich mehr und mehr – wie im Mittelalter – auch als Drehscheibe im internationalen Warenverkehr auch in Richtung Osten und Südosten Europas. So liegt es eindeutig im Interesse der Städte Nürnberg und Kronstadt über das Ökonomische hinaus Beziehungen im kulturellen, im menschlichen, im politischen Bereich zu knüpfen, zu erweitern, sie in einen institutionellen Rahmen einzubinden.
Vor etwa einem Jahr wurde begonnen, zu Kronstadt engere Kontakte aufzunehmen. Im Rahmen der Linie 22 des von der EU definierten Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-22) die auf dem Eisenbahnweg von Nürnberg über Prag, Wien, Pressburg (Bratislava), Budapest, Arad, Schäßburg, Kronstadt, Bukarest, Konstanza führt (auf dem Wasserweg heißt die Linie vom Hafen Nürnberg über den Rhein-Main-Donau-Kanal und die Donau bis zum Schwarzen Meer TEN-18), gilt es, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell zusammen zu rücken. Nürnberg setzt dabei auf enge Verbindungen zu Kronstadt.

Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly ...
Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly beim deutschen Forum in Kronstadt. Foto: Horst Göbbel
Am 21. Juli 2006 unterschrieben während eines Informationsbesuches in Nürnberg Aurelian Danu, Präfekt (Regierungspräsident) des Kreises Kronstadt, Marian Rasaliu, Vizepräsident des Kreisrates Kronstadt, sowie Gabriel Andronache, Stellvertretender Bürgermeister von Kronstadt, und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly für die Stadt Nürnberg eine Erklärung, in der die Absicht geäußert wird, „durch freundschaftlichen Austausch die Beziehungen zwischen beiden Städten zu beleben und damit einen Beitrag zur Verständigung und Freundschaft der Bevölkerung beider Länder zu leisten.“ Neben der Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen wird eine „Zusammenarbeit in den Bereichen Verkehr, Umweltschutz, Bildungswesen, Kultur, Tourismus und anderen beiderseits interessierenden Bereichen sowie ein Austausch der Bürgerinnen und Bürger beider Städte, insbesondere die Begegnung von jungen Menschen“ angestrebt. „Ganz im Sinne der europäischen Integration knüpfen auch Städte und Gemeinden oder Einrichtungen und Organisationen neue Kontakte. So hat Nürnberg, die Metropolregion im Rücken, mit Braşov ‚angebandelt’“ schreibt Wolfgang Heilig-Achnek von den Nürnberger Nachrichten.
Kronstädter Gesprächspartner im deutschen Forum: ...
Kronstädter Gesprächspartner im deutschen Forum: Pfr. Christian Plajer, Wolfgang Wittstock, Karl Arthur Ehrmann, Prof. Helmut Wagner. Foto: Horst Göbbel
Nachdem zum Jahreswechsel 2006/2007 (EU-Beitritt Rumäniens) Stadtrechtsdirektor Dr. Hartmut Frommer in Kronstadt verweilte und im Februar 2007 eine Kronstädter Delegation Nürnberg besuchte, machte sich Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly am 26. Juni selbst auf den Weg nach Kronstadt. Mit von der Partie waren u.a. Stadtrechtsdirektor Dr. Hartmut Frommer, Nürnbergs Leiter des Amtes für internationale Beziehungen Dr. Norbert Schürgers, Harald Leupold, Geschäftsführer der Hafen Nürnberg-Roth GmbH, Mariana Alexie vom Nürnberger rumänischen Verein „Romanima“, Horst Göbbel als Vertreter der Siebenbürger Sachsen sowie drei Nürnberger Journalisten, die vorher die Strecke Nürnberg-Kronstadt-Konstanza-Kronstadt mit der Bahn absolviert hatten. Bei den Beratungen im Kronstädter Rathaus mit Oberbürgermeister George Scripcaru ging es neben dem TEN-22 und TEN 18-Projekt auch um engere Beziehungen zwischen den beiden Städten. „Europa lebt davon, dass man über große Verkehrsstrecken zusammenwächst. Ein großes Gebilde wie Europa kann nur existieren, wenn gute Straßen-, Eisenbahnen- und Schiffsverbindungen da sind. Und da sind wir strategische Partner, weil wir an der gleichen Strecke liegen“, sagte Oberbürgermeister Maly gegenüber der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien.

Beim Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt hatte OB Dr. Maly die günstige Gelegenheit, im direkten Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kronstädter Kreisforums Wolfgang Wittstock, Stadtpfarrer Christian Plajer, Honterus-Lyzeumsdirektor Helmut Wagner und dem Geschäftsführer der Saxonia-Stiftung Karl Arthur Ehrmann die Lage der Deutschen vor Ort erläutert zu bekommen. Klar, präzise, treffsicher und in der gebotenen Offenheit wurden ihm Perspektiven sowie Wünsche in wohlgesetzter Form genannt. Die Anwesenden antworteten auf die zahlreichen Fragen der Gäste betreffend Stellung und Interessenvertretung der deutschen Minderheit im öffentlichen Leben in Bereichen wie Wirtschaft, Unterricht, Kultur, geistliches Leben. Die im letzten Jahr erstarkten Beziehungen zwischen Nürnberg und Kronstadt freuen auch das Forum, erklärte Wolfgang Wittstock und fügte hinzu: „Das kommt der gesamten Stadtbevölkerung zugute – eine Tatsache, die sich positiv auch für das Kronstädter Forum auswirkt, da man sich in der Kommunalpolitik nicht nur strikt für die eigenen Angelegenheiten einbringen will.“ OB Dr. Maly, der seinen Aufenthalt in dieser wunderschönen Stadt genoss, zeigte sich zufrieden von den Gesprächen in Kronstadt: „Ich habe vieles gelernt“, war sein Fazit. Ebenso wie die Kronstädter haben einige Tausend Rumänen und mehr als zwanzig Tausend Siebenbürger Sachsen im Großraum Nürnberg ein vitales Interesse an weiteren intensiven Kontakten zu Rumänien, zu Siebenbürgen, zu Kronstadt. Zwar plant Nürnberg noch keine Partnerschaft mit Kronstadt, schließt eine solche jedoch nicht aus.

Dass die Nürnberger Delegation bei ihrer Stadtbesichtigung die Schwarze Kirche nicht auslassen konnte, ist eine Selbstverständlichkeit. Was nicht selbstverständlich, jedoch sehr erfreulich erscheint, ist das Presseecho zu dieser Fahrt. Während der letzten Tage hat die Nürnberger Presse vielfältig über Kronstadt und über das TEN-22-Projekt berichtet. Die Nürnberger Nachrichten sprechen von „Neuer Freundschaft – Nürnberg und Kronstadt rücken zusammen“, „Zarte Bande nach Siebenbürgen“, „Im Zockeltempo durch den EU-Neuling – Nürnberg setzt auf Ausbau der Verkehrswege nach Südosteuropa und Städtekooperation“, „Minderheit ist arg geschrumpft – In Kronstadt leben noch 1300 Siebenbürger Sachsen“ (bei einer Bevölkerung von 280 000), der Sonntagsblitz titelt „Eine Brücke nach Siebenbürgen“ und „Der Kick, den ich brauche – Rumänisch für Anfänger – Rumänien-Sommerfest am Jakobsplatz“, die Nürnberger Zeitung hält fest: „Erstes Treffen in Kronstadt – Brücke zum EU-Neuland“, „Das rumänische Kronstadt überrascht mit restaurierten Häusern in der Altstadt“, „Seit Jahrhunderten verbinden Nürnberg und Kronstadt kulturelle Bande - Die Handschrift der Parler“ (auch dies ein exzellenter Beitrag über die Schwarze Kirche).

Der erste Besuch von OB Dr. Maly in Kronstadt hat neue Impulse in eine hoffnungsvolle Beziehung zwischen Kronstadt und Nürnberg geliefert. Wir sind auf einem guten Weg.

Horst Göbbel

Schlagwörter: deutsch-rumänische Beziehungen, Nürnberg, Kronstadt, Burzenland, Wirtschaft

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