21. März 2019

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Bundesvorsitzende kandidiert nicht mehr: Verband plant wichtige Aktivitäten

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. wird seine Aktivitäten zur Beseitigung der Rentenungerechtigkeit für Spätaussiedler fortsetzen und intensivieren. Dies hat der Bundesvorstand in seiner Frühjahrssitzung am 2. März in München beschlossen. Auf der Tagesordnung standen neben den Themen Fremdrenten, Neues aus Rumänien, Haushaltsfragen, Schloss Horneck auch die Planungen des Heimattags, des 70. Verbandsjubiläums, der kulturellen Aktivitäten und nicht zuletzt des Verbandstages. Dieses höchste Gremium des Verbandes wird am 2. und 3. November 2019 im Heiligenhof in Bad Kissingen tagen. Herta Daniel kündigte an, als Bundesvorsitzende nicht mehr zu kandidieren. An der Verbandsspitze bahnen sich ­Änderungen an. Allein im geschäftsführenden Vorstand werden im kommenden Herbst drei von fünf Ämtern neu besetzt.
Bundesvorsitzende Herta Daniel begrüßte im bis auf den letzten Platz gefüllten Veranstaltungsraum der Bundesgeschäftsstelle namentlich Friedrich Gunesch, Hauptanwalt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Winfried Ziegler, Geschäftsführer des Siebenbürgenforums, die Bundesvorstandsmitglieder und Ute Brenndörfer, neue Geschäftsführerin des Verbandes. Gedankt wurde Bundesgeschäftsführer Erhard Graeff, der dem Bundesvorstand trotz Krankheit beratend zur Seite steht und auch die Haushalts­übersicht 2018 und den Haushaltsplan 2019 erstellt hatte. Beide Dokumente wurden einstimmig angenommen. Die Bundesvorsitzende hat das hohe Arbeitspensum, das sowohl im Bundesvorstand als auch vorübergehend in der Bundesgeschäftsstelle angefallen ist, gemeinsam mit den Angestellten und dank des juristischen Beistands von Bundesrechtsreferent Dr. Johann Schmidt sehr gut bewältigt. Erfreut zeigte sich Herta Daniel über die Effektivität und Schnelligkeit, mit der die Webmaster von Siebenbuerger.de die Online-Unterschriftensammelaktion und andere Aufgaben umsetzten. Bundesvorsitzende Herta Daniel stellt sich im ...Bundesvorsitzende Herta Daniel stellt sich im Herbst nicht mehr zur Wahl. Um das Spitzenamt wird sich Rainer Lehni (links) bewerben. Foto: Siegbert Bruss Die Initiativen für Rentengerechtigkeit nehmen die Bundesvorsitzende besonders stark in Anspruch. Herta Daniel zeigte anhand einer Chronologie auf, dass der Verband der Siebenbürger Sachsen seit den drastischen Rentenkürzungen im Jahr 1996 alle jeweils vorhandenen Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um die Interessen unserer Landsleute durchzusetzen. Dass die Aussiedler beim Rentengesetz, das 2018 verabschiedet wurde, außen vor gelassen wurden, hat sie empört. Der Verband sei zweigleisig gefahren, erläuterte Daniel. Der Freistaat Bayern hatte einen Antrag im Bundesrat gestellt, der in einer Sitzung am 15. Februar 2019 ein positives Signal setze: Der Bundesrat empfahl der Bundesregierung, die Renten für Spätaussiedler neu zu bewerten (siehe SbZ Online).

Parallel dazu richteten die Landsmannschaften der Banater Schwaben und der Deutschen aus Russland sowie der Verband der Siebenbürger Sachsen eine gemeinsame Resolution an die Bundesregierung mit der Forderung: „Spätaussiedlerbenachteiligung im Rentenrecht beenden!“ Dazu läuft seit dem 31. Dezember 2018 eine Sammelaktion, die bereits 20.000 Mal unterschrieben wurde. Sie zeigt, dass dieses Anliegen zahlreiche Menschen an der Basis bewegt. Deshalb will der Verband seinen Einsatz für höhere Renten fortsetzen und intensivieren.

Sehr viel Zeit und Energie widmen die Mitglieder des Bundesvorstandes der Vereinsarbeit auf allen Ebenen. So nehmen die Vorsitzenden der Landesgruppen an vielen Jubiläumsfeiern und Versammlungen der Kreisgruppen teil, sprechen Grußworte, nehmen Ehrungen vor. Die Landesgruppe Berlin/Neue Bundesländer kann ihre Veranstaltungen leider nicht mehr in den vertrauten Räumlichkeiten abhalten und bittet dringend um Hilfe bei der Suche nach geeigneten Räumen.

Internetreferent Robert Sonnleitner berichtete über die Neuerungen von Siebenbuerger.de. Das neue Formular für die Termineingabe wurde ebenso aus Mitteln des bayerischen Sozialministeriums gefördert wie der automatisierte Austausch von Veranstaltungsankündigungen zwischen dem Verband einerseits sowie dem Siebenbürgenforum, der Heimatkirche und dem HOG-Verband andererseits.

Aus den Berichten von Friedrich Gunesch und Winfried Ziegler ging hervor, dass die Regierung die Justiz in Rumänien stark bevormunde. Erst durch Wahlen könne die parlamentarische Mehrheit und damit die derzeitige missliche Lage geändert werden. Die für Dezember 2019 geplanten Präsidialwahlen werfen ihre Schatten voraus. Die Sozialdemokratische Partei (PSD) von Liviu Dragnea setzt übelste Mittel ein, um Staatspräsident Klaus Johannis und auch die deutsche Minderheit in Rumänien zu diffamieren. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, das als Nachfolger einer Nazi-Organisation verleumdet wurde, hat den Prozess gegen den rumänischen Historiker Ioan Scurtu und die Zeitung Cotidianul gewonnen (diese Zeitung berichtete). Acht weitere Prozesse laufen zurzeit gegen Politiker der PSD und Medien, die die Hetzkampagne verbreiten. Die Stimmung in Rumänien sei insgesamt schlecht. Mehr als 6,5 Millionen Rumänen leben zurzeit in Westeuropa. Grund dafür ist nicht nur das wirtschaftliche Gefälle zwischen Rumänien und den anderen EU-Ländern, sondern auch die Enttäuschung über „eine Umkehr der Werte“.

Hauptanwalt Friedrich Gunesch berichtete, dass die Zahl der Seelen der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) unter 12.000 gesunken sei. Diese Zahl schließt auch 950 Vollmitglieder ein, die in Deutschland leben und ihre Heimatorte nicht nur moralisch, sondern auch oft durch ihre Präsenz und Tatkraft vor Ort unterstützen. Die Zweitmitgliedschaft in der EKR erweist sich demnach als guter Weg, die Heimatgemeinden zu fördern. Winfried Ziegler kündigte an, dass ein zweites großes Sachsentreffen im August 2021 geplant sei. Vorerst lud er zum 29. Sachsentreffen am 21. September 2019 in Bistritz ein.

Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben, der die Sitzung mit einer Andacht eröffnet hatte, lud ein zur Mitarbeit am Jahrbuch 2020, das u.a. 75 Jahre Russlanddeportation thematisieren wird, und zum 35. Siebenbürgisch-Sächsischen Kirchentag vom 27.-29. September 2019 in Mannheim. Das siebenbürgische Föderationsjugendlager findet vom 19. Juli bis 2. August 2019 in Österreich statt. Bundesobmann Manfred Schuller erläuterte das attraktive Programm mit Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten und einem Kennenlernen des siebenbürgischen Kulturlebens in Österreich.

Schloss Horneck wird zum Kultur- und Begegnungszentrum umgebaut

Dr. Konrad Gündisch, Vorsitzender des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“e.V., berichtete über die Fortschritte bei den Bauarbeiten auf Schloss Horneck, die bis zur Eröffnung vom 11.-12. Juli 2020 abgeschlos­sen werden sollen. Der Schlossverein sei bemüht, seinen Eigenanteil für die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Maßnahmen durch Spenden und Sponsoren zu erbringen.

Vorsitzender Dr. Harald Roth berichtete über die vielseitigen Aufgaben des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, der die siebenbürgischen Kultureinrichtungen in Gundelsheim koordiniert und Träger des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek und Archiv ist. Der Kulturrat feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. „Der Kulturrat sind wir alle“, appellierte Roth an das Gemeinschaftsbewusstsein der Siebenbürger und bat um Unterstützung angesichts massiver Spendeneinbrüche.

Der Freistaat Bayern wird gemäß Koalitionsvertrag der CSU und der Freien Wähler ein Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen fördern. Der Verband der Siebenbürger Sachsen habe bereits ein Konzept für die neue Einrichtung vorgelegt, die wissenschaftliche und kulturelle Breitenarbeit leisten soll, erläuterte Herta Daniel.

70 Jahre Verband der Siebenbürger Sachsen

Wie Bundeskulturreferent Hans-Werner Schuster berichtete, wurden alle im vorigen Jahr geplanten Projekte der kulturellen Breitenarbeit erfolgreich abgeschlossen. Auch die Roll-up-Ausstellung und das Begleitheft zum 70. Jubiläum des Verbands der Siebenbürger Sachsen hat Schuster schon erstellt. Im Zeichen dieses Jubiläums wird auch der Heimattag vom 7. bis 10. Juni in Dinkelsbühl stehen. Der Bundesvorstand beschloss ein passendes Motto: „70 Jahre – Für die Gemeinschaft“. Redner an der Gedenkstätte ist der Ehrenvorsitzende Dr. Wolfgang Bonfert, der bei der Sitzung in München zugegen war (Lesen Sie einen Bericht über die Heimattagausschussitzung in der SbZ Online vom 22. März 2019).

Sein 70-jähriges Bestehen wird der Verband auch durch eine Festveranstaltung am 26. Oktober 2019 im Bayerischen Landtag feiern. Die Jugend wird das Fest mitgestalten, und das obwohl die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) am selben Tag ihren Jungsachsentag und Volkstanzwettbewerb in Köln abhalten wird.

Änderungen an der Verbandsspitze bahnen sich an

Eine Woche später, am 2.-3. November 2019, findet der Verbandstag in Bad Kissingen statt. Herta Daniel wird, wie eingangs erwähnt, nicht mehr als Bundesvorsitzende kandidieren, ist aber bereit, künftig in einem anderen Ehrenamt mitzuwirken. Für das Amt des Bundesvorsitzenden wird sich Rainer Lehni, zurzeit stellvertretender Bundesvorsitzender, bewerben. Die stellvertretende Bundesvorsitzende Doris Hutter stellt sich wieder für dieses Amt zur Wahl, während sich Alfred Mrass aus Altersgründen zurückziehen wird. Es wird also einen neuen Bundesvorsitzenden und drei neue stellvertretende Bundesvorsitzende geben. Personelle Vorschläge für den neuen Bundesvorstand werden an den Findungsausschuss, bestehend aus Dr. Wolfgang Bonfert und Alfred Mrass, erbeten. Die Landesgruppen werden gebeten, die Namen der Delegierten und Ersatzdelegierten bis Ende Juli an die Bundesgeschäftsstelle in München mitzuteilen. Die Berichte (Tischvorlagen) für die Delegiertenmappe sind bis zum 1. Oktober ebenfalls an die Bundesgeschäftsstelle einzusenden.

Ehrenmitgliedschaft für Dr. Bernd Fabritius

Der Bundesvorstand schlägt einstimmig vor, dass Dr. Bernd Fabritius die Ehrenmitgliedschaft des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland gemäß § 9 Abs. 7 der Satzung des Verbandes verliehen wird. Über diesen Vorschlag wird der Verbandstag ebenso entscheiden wie über einen anderen Antrag, den der Bundesvorstand ebenfalls einstimmig befürwortet hat: die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von derzeit 46 auf 50 Euro. Der Bundesvorstand hatte im Juli 2017 einschneidende Sparmaßnahmen beschlossen, von denen vor allem die Siebenbürgische Zeitung und die Bundesgeschäftsstelle betroffen sind. Durch die Beitragserhöhung soll der Verband auf Bundes-, Landes- und Kreisgruppenebene nun wieder auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt werden.

Die nächste Bundesvorstandssitzung findet am 1.-2. November vor dem Verbandstag in Bad Kissingen statt.

Siegbert Bruss

Online-Bildergalerie:

Bundesvorstand tagte am 2. März 2019 in München

Schlagwörter: Verband, Bundesvorstand, Herta Daniel, Bernd Fabritius, Rente, Heimattag 2019, Verbandstag 2019, Schloss Horneck

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