24. März 2021

Hoffen auf baldige Rückkehr zur Normalität: Bundesvorstand hielt Frühjahrssitzung als Videokonferenz ab

Das Kultur- und Gemeinschaftsleben der Siebenbürger Sachsen wird durch die anhaltende Pandemie weitgehend lahm gelegt. Der Bundesvorstand beriet in seiner Frühjahrssitzung vom 6. März, wie der Verband der Siebenbürger Sachsen in dieser Lage seinen Mitgliedern etwas bieten, sie in rechtlichen Fragen wie Entschädigungszahlungen oder Fremdrente unterstützen, die gute Vernetzung der siebenbürgischen Einrichtungen fortführen sowie den eigenen Haushalt stabilisieren kann. Bundesvorsitzender Rainer Lehni begrüßte als Gast aus Siebenbürgen Martin Bottesch, den Vorsitzenden des Siebenbürgenforums. Zugeschaltet unter den 28 Teilnehmern der Bundesvorstandssitzung, die zum zweiten Mal als Videokonferenz stattfand, waren auch die Ehrenvorsitzenden Herta Daniel und Dr. Bernd Fabritius. Der 90-jährige Ehrenvorsitzende Dr. Wolfgang Bonfert richtete Grüße aus Saarbrücken aus und bedauerte, aus technischen Gründen nicht dabei sein zu können.
Videokonferenz des Bundesvorstandes am 6. März, ...
Videokonferenz des Bundesvorstandes am 6. März, Bildschirmfoto von Karin Roth
„Wir alle tragen eine Brille“, stellte Prof. Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD – Hilfskomitee, in dem einführenden Geistlichen Wort fest. Diese Sichtweise ergebe sich aus eigenen Erfahrungen und unter dem Einfluss der Gesellschaft und der Medien; der dadurch bedingte Filter verzerre jedoch oft die Wirklichkeit. Als „richtige Brille“ bezeichnete Dr. Köber unseren Glauben, unsere Gottesbeziehung, die uns zur „rechten Sicht“ verhelfen: „Zur Einsicht in unser Leben und Verhalten, zur Durchsicht in den widersprüchlichen gesellschaftlichen Verhältnissen, zur Rücksicht auf die Umwelt als Gottes Schöpfung, zur Nachsicht gegenüber den Mitmenschen und zur Vorsicht gegenüber allen Ideologien und Phantasien und schenkt uns die rechte Aussicht auf eine erlöste Welt.“

„Es sind schon besondere Zeiten, in denen wir uns befinden“, hatte der Bundesvorsitzende Rainer Lehni in der ersten digitalen Bundesvorstandssitzung am 7. November 2020 gesagt. „Diese besonderen Zeiten dauern immer noch an, und ein rasches Ende ist nicht absehbar“, konstatierte er nun vier Monate später. „Seit der letzten Bundesvorstandssitzung ruht das reguläre Verbandsleben weitgehend. Einige Sachen sind digital durchgeführt worden. Veranstaltungen, bei denen man sich begegnet, sind aber nicht einfach ins Netz verlegbar. Trotzdem sind wir als Verband angehalten, gerade in diesen Monaten unseren Mitgliedern etwas zu bieten.“

Als geglücktes Beispiel erwähnte Lehni den Weihnachtsgottesdienst „Von Daheim für Daheim“ der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Bei der Premiere an Heiligabend waren teilweise über 1400 Personen zugeschaltet, auf dem Siebenbuerger.de-Kanal auf YouTube wurde die Videoaufnahme inzwischen über 14.300 Mal abgerufen. Das Internet bietet den Vorteil, dass viel mehr Menschen grenzüberschreitend an den Ereignissen teilhaben. Ebenfalls online fanden eine Podiumsdiskussion zum 70-jährigen Jubiläum der Siebenbürgischen Zeitung und die Verleihung des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises 2020 an Frieder Latzina statt. Das Internetreferat unter Robert Sonnleitner sei im letzten Jahr stark gefordert gewesen, sagte Rainer Lehni und lobte auch die Siebenbürgische Zeitung. Das Blatt sei „in diesen schwierigen Zeiten das Band zwischen unseren Mitgliedern“. Das weggefallene Verbandsleben werde durch einen umfangreichen Kulturteil in der Zeitung kompensiert, doch hoffe man, dass jenes bald wieder an Fahrt gewinnen werde.

„Sorgen macht mir die Situation in manchen Kreisgruppen, vor allem wenn die Pandemie noch länger dauern sollte“, erklärte der Bundesvorsitzende. Daher appellierte er an die Kreisgruppen, mit den Planungen für 2021 fortzufahren, auch auf die Gefahr hin, dass unter Umständen nicht alles stattfinden könne. In der wärmeren Jahreszeit werde hoffentlich einiges möglich sein – draußen und mit begrenzter Teilnehmerzahl. Große Hoffnungen knüpft der Bundesvorsitzende an die Impfungen, die „bald wieder ein normales Verbandsleben ermöglichen werden“. Daher rief er seine Landsleute zu einer möglichst vollzähligen Teilnahme an der Impfkampagne auf (siehe SbZ Online).

Aus den Erfahrungen der Landesgruppen

Werner Kloos, Vorsitzender des Landesverbands Bayern, bedauerte, dass im letzten Jahr viele Veranstaltungen ausgefallen seien und unser kulturelles Leben stark unter der Pandemie leide. „Das Wichtigste war, über die neuen Kommunikationsmittel mit den Aktiven zu kommunizieren und Hoffnung zu vermitteln. Wir sehnen es herbei, dass es bald besser wird und wir uns wieder begegnen können.“

Auch in Baden-Württemberg mussten die Herbst-, Weihnachts- und ­Faschingsbälle abgesagt werden, ­berichtete Michael Konnerth, stellvertretender Bundesvorsitzender und Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg. Die Sitzungen verschiedener Gremien wurden entweder abgesagt oder als Konferenz abgehalten. Die in den Kreisgruppen geplanten Vorstandswahlen und Jubiläen wurden bis auf weiteres verschoben. In Zusammenarbeit mit dem BdV Baden-Württemberg und dem Innenministerium sei es gelungen, Corona-Hilfen für die Kreis- und Kulturgruppen zu erhalten. Zudem hat die Landesgeschäftsstelle in Stuttgart die Verwaltung der Mitgliedsbeiträge der Landesgruppe Rheinland-Pfalz – Saarland übernommen.

Die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen plant ihre 70-Jahrfeier für den 2. Oktober 2021, kündigte der Landesvorsitzende Rainer Lehni an. Die Landesfrauentagung werde Ende März online stattfinden. Die Kreisgruppen seien digital kaum unterwegs, mit den Mitgliedern stünde man eher telefonisch, postalisch oder über die Siebenbürgische Zeitung (z.B. Drabenderhöhe und Herten) in Kontakt. Ihr 70-jähriges Jubiläum hat die Landesgruppe Hessen von Herbst 2020 um ein Jahr auf 2021 verschoben. Die Festschrift wurde schon gedruckt und den Mitgliedern mit einem Begleitschreiben vor Kurzem auf dem Postweg zugesandt, berichtete Ingwelde Juchum, stellvertretende Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende in Hessen.

Gute Vernetzung mit anderen Organisationen

Für die gute Zusammenarbeit mit dem Verband dankte Martin Bottesch dem Verband. Er berichtete über den Einzug des Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen (DFDR), Ovidiu Ganţ, ins rumänische Parlament. Für sein fünftes Mandat erhielt er 7.780 Stimmen, wesentlich mehr als für den Einzug eines Minderheitenvertreters erforderlich waren. Bei den Parlamentswahlen vom 6. Dezember 2020 stimmten 481 Wähler im Ausland für die Forumsliste, was sicherlich auch auf die Wahlempfehlung des siebenbürgischen Verbandes zurückzuführen ist.

Eine gute Vernetzung gibt es auch mit den Einrichtungen auf Schloss Horneck, die in der Bundesvorstandssitzung durch Dr. Konrad Gündisch, Vorsitzender des Schlossvereins, und den Kulturratsvorsitzenden Dr. Harald Roth vertreten waren. Letzterer wird in der nächsten Ausgabe dieser Zeitung über die Lage des Siebenbürgen-Instituts berichten.

Das neugegründete Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen hat seine Tätigkeit aufgenommen. Seit 15. Februar ist Dr. Iris Oberth die hauptamtliche Leiterin des Kulturwerks, eine Assistenzstelle soll in einigen Monaten eingerichtet werden. Die Kreis- und Kulturgruppen in Bayern können eine Projektförderung durch den Freistaat Bayern ab sofort beim Kulturwerk beantragen statt, wie bisher, beim Haus des Deutschen Ostens.

Die größte Veranstaltung des Verbandes, der Heimattag der Siebenbürger Sachsen, wird auch dieses Jahr digital stattfinden. Der Bundesvorstand legte als Motto „Zusammen sind wir Heimattag“ fest und beriet über ein attraktives Kulturprogramm, das am Pfingstwochenende vom 21. bis 23. Mai angeboten wird (siehe SbZ-Bericht über die Heimattagausschusssitzung). Bundeskulturreferentin Dagmar Seck informierte, dass zudem Tagungen der Bundesfrauenreferentinnen und Kinderreferenten geplant seien. Im September könnte sogar eine Begegnungsreise „Digitale Zusammenarbeit“ nach Siebenbürgen stattfinden, falls die Corona-Regeln das erlaubten.

Der Verband setzt sich weiter für Rentengerechtigkeit für Aussiedler in Deutschland ein. Wie der Ehrenvorsitzende Dr. Bernd Fabritius berichtete, sei zwar ein Teil der Härtefälle durch die Einführung der Grundrente (siehe Artikel in der SbZ Online vom 22. Dezember 2020) gelöst worden, doch werde der Einsatz zur Beseitigung der Rentenungerechtigkeit für viele andere Aussiedler fortgesetzt. Ein Gespräch mit der Bundeskanzlerin zum Thema Rentengerechtigkeit wird weiterhin angestrebt. Zudem beabsichtigt der Verband, dass die Kreisgruppen die Unionspolitiker ihres Wahlkreises anschreiben und für das Rententhema sensibilisieren.

Die Entschädigungen für Kinder von Opfern politischer Verfolgung in Rumänien seien „eine unglaubliche Erfolgsgeschichte“, erklärte Bernd Fabritius. Er berichtete über erfreuliche Entwicklungen bei der Anwendung der Gesetze 130/2020 und 232/2020 und wies auf den dringenden Handlungsbedarf für alle Antragsteller hin (lesen Sie ein aktuelles Interview mit Dr. Bernd Fabritius zu den Entschädigungszahlungen in der SbZ Online). Der Verband hat den Kreisgruppenvorsitzenden kürzlich Handreichungen zum Thema Entschädigungszahlungen zugesandt, um die Mitglieder mit rechtlichen Informationen zu unterstützen. Des Weiteren können Kreisgruppen den Aussiedlerbeauftragten Dr. Bernd Fabritius zu Multiplikatorenseminaren einladen, um gruppenspezifische Fragen zu erörtern.

Die aktivste Arbeitsgruppe des Bundesvorstandes befasst sich seit einem Jahr mit der Mitgliederwerbung. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Andreas Roth kündigte weitere Initiativen an: eine volldigitale Beitrittserklärung, ein Videoclip für Neumitglieder und den Verkauf von Veranstaltungskarten über einen eigenen Online-Shop. Die Gewinnung neuer Mitglieder erweist sich als akute Frage, nachdem der Verband im vorigen Jahr 607 zahlende Mitglieder verloren hat. Zudem belasten coronabedingte Ausfälle von Veranstaltungen den Haushalt des Verbandes, und deshalb wurde eine neue Arbeitsgruppe gebildet, die nun Mittel und Wege finden soll, um den Haushalt auf eine gesunde Grundlage zu stellen.

Die Herbstsitzung ist für den 6.-7. November 2021 in Dinkelsbühl geplant, ebenso die Tagung des Bundesvorstandes mit den Kreisgruppenvorsitzenden, auch dies unter dem Vorbehalt, dass sich die Lage bis dann zum Positiven wenden wird.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Bundesvorstand, Verband, Rainer Lehni, Bernd Fabritius, Entschädigung, Fremdrente, Videokonferenz

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