16. September 2014

Kreisgruppe Neuburg a. d. Donau: Unvergessliche Konzertreise nach Siebenbürgen

Nach intensiven Vorbereitungen startete die Heinrichsheimer Musikkapelle unter der Leitung von Reinhard Reißner und die Neuburger Siebenbürgische Tanzgruppe unter der Leitung von Annemarie Höchsmann eine zwölftägige Konzertreise nach Siebenbürgen. Etliche Mitglieder der Kapelle stammen ursprünglich aus dieser Region. Die Reise stand unter der Schirmherrschaft von Dr. Richard Kessler, Altlandrat und Ehrenbürger der Stadt Neuburg a. d. Donau, der zusammen mit seiner Ehefrau Irmgard an der Konzertreise mit großer Freude teilnahm (gesonderter Bericht von Kapellmeister Reinhardt Reißner folgt).
Am Morgen des 6. August fuhren wir los Richtung Rumänien. Kurz nach 21.00 Uhr kamen wir in Großwardein (Oradea) an. Der herzliche Empfang der Ortsvorsitzenden der deutschen Minderheit in Großwardein, Helene Voda, hat uns sehr gerührt. Nach einem gemütlichen Abend und einer kurzen Nacht ging es am zweiten Tag zu einer ausgiebigen Erfrischung nach Bad Felix. Danach fuhren wir mit Marschmusik ins Zentrum der schönen Stadt bis zum Rathaus. Dort begrüßte uns Citymanager Eduard Florian und bedankte sich für das „besondere kulturelle Ereignis, welches dieser geschichtsträchtigen Stadt eine besondere Farbe verliehen hat“.

Altlandrat Dr. Kessler bedankte sich bei allen Teilnehmern für deren Beitrag und betonte: „Musik prägt und pflegt Brücken zwischen den Ländern“. Das Konzert der Kapelle und der Auftritt der Tanzgruppe im Stadtpark 1 Decembrie begeisterte viele Zuschauer.

Am dritten Tag ging die Fahrt weiter nach Sathmar (Satu Mare). Dr. Dumitru Borca, Verwaltungsleiter der Stadt, bezeichnete unseren Besuch als besonderes Ereignis für die ganze Region. „Musik hat eine universale Sprache und bringt Menschen und Länder einander näher.“, sagte zum Schluss Johann Forstenheizler, Vorsitzender der Deutschen Minderheit in Nordsiebenbürgen. Und das stimmt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Săpînţa besuchten wir den so genannten „Fröhlichen Friedhof“, danach die älteste Holzkirche Rumäniens in Birsana. In Oberwischau nicht weit von der Grenze zur Ukraine beteiligten sich die Kapelle und die Tanzgruppe am „Zipser Treffen“ an zwei Tagen mit Marschmusik und einem Konzert in der örtlichen katholischen Kirche.
Die Heinrichsheimer Blaskapelle mit der ...
Die Heinrichsheimer Blaskapelle mit der Siebenbürgischen Tanzgruppe aus Neuburg a. d. Donau vor der Kirchenburg in Probstdorf-Siebenbürgen. Foto: Roland Dechel
Der deutsche Botschafter in Bukarest, Werner Hans Lauk, der zum Zipser Treffen eingeladen wurde, war begeistert von dem hervorragendem Beitrag der Heinrichsheimer Kapelle, aber auch sehr beeindruckt von der Neuburger Siebenbürgischen Tanzgruppe. „Es war eine große Freude, die Tänze der Neuburger Siebenbürgischen Tanzgruppe zu sehen. Viel Freude am Tanzen!“, sagte der deutsche Botschafter und ermunterte uns, heimatliche Traditionen weiter in Deutschland zu pflegen.

Am sechsten Tag fuhren wir über Bistritz nach Mediasch. Mit Standkonzert und Tanz auf dem zentralen Stadtplatz erfreuten wir die Bewohner und Besucher der Stadt. Am selben Tag besuchten wir das Seniorenheim (wo nur Siebenbürger Sachsen leben) in Hetzeldorf (Aţel). Ein besonderes Geschenk war nicht nur die bescheidene Spende der Siebenbürgischen Tanzgruppe Neuburg für das Heim, sondern die gemeinsam gesungenen Lieder mit den Senioren. „Wahre Freundschaft“ und „Nach meiner Heimat“ brachte ein bisschen Freude und Wärme in die alten Herzen und wir schämten uns nicht unserer Tränen beim Abschied. Am späten Nachmittag erreichten wir Birthälm. Hier überraschte uns die Schäßburger Tanzgruppe. Nach einem Standkonzert und Auftritt der beiden Tanzgruppen (aus Schäßburg und Neuburg) bot uns Pfarrer Ulf Ziegler eine „Nachtwanderung“ durch die von drei Ringmauern umgebene mächtige Kirchenburg des Marktes. Sehenswert waren das Schloss an der Sakristeitür und das Ehegefängnis.

Nach dem Frühstück in Birthälm fuhren wir am siebten Tag nach Schäßburg und dann weiter nach Hundertbücheln, Heimatort von Dietlinde Reißner, der Ehefrau unseres Kapellmeisters. Die Gastfreundschaft der Bewohner, aber auch die vielen Besucher, die teilweise aus Deutschland kamen, beeindruckten uns immer wieder. Nach einem feierlichen Konzert in der Dorfkirche und einer sehr emotionalen Rede unseres Dirigenten Reinhard Reißner sowie auch den verbindlichen Worten unseres Schirmherrn aus Bayern ging es in den Gemeindesaal zu einem gemütlichen Beisammensein mit würziger Brotzeit.

Das nächste Konzert wartete schon auf uns. In Fogarasch beteiligten wir uns mit Konzert und Tanzauftritt am Fogarascher Kirchenfest. Pfarrer Dr. Johannes Klein betonte begeistert: „Es ist das erste Mal, dass eine bayerische Kapelle bei uns spielt“.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Zied, mit einem kleinen Zwischenstopp in Agnetheln. Ein großes Ereignis war der Besuch des wichtigsten rumänisch-orthodoxen Wallfahrtsortes in Siebenbürgen, des Klosters Sâmbăta de Sus. Unsere Blaskapelle durfte im Klosterinnenhof auftreten. Alt-Abt Ilarion dankte mit diesen Worte: „Ich danke dem lieben Gott, dass ich dieses noch erleben durfte“. Nach dem Platzkonzert bedankten wir uns bei den gastfreundlichen Mönchen und fuhren zurück nach Dejan, wo wir mit einem leckeren Lammceaun (Hirtengulasch), selbstgemachtem Schnaps und Wein verwöhnt wurden.

Am neunten Tag unserer Reise besuchten wir Tartlau, eine der stärksten Kirchenburgen im Burzenland. Danach besichtigten wir kurz die Schwarze Kirche in Kronstadt. Anschließend besuchten wir Rosenau, die Heimat eines Musikkameraden, Dietmar Truetsch, der uns zu einer Weinkostprobe in seinem Elternhaus eingeladen hatte. Am selben Tag erreichten wir Gürteln, den Heimatort der Familie Schuster, wo uns trotz des verlassenen Dorfes sehr viele Menschen freudig erwarteten, dank der Mühe von Ute und Wieland Schuster. Auch hier wurden wir gastfreundlich empfangen und ernteten viel Applaus für den musikalischen Beitrag sowie den Auftritt unserer Tanzgruppe.

Früh am Morgen des zehnten Tages ging die Reise weiter nach Probstdorf, wo wir zwei Mal übernachteten. Probstdorf, ein Dorf mit „Tradition und Zukunft“, hat uns beindruckt durch die Bescheidenheit und den Mut der noch hier lebenden Sachsen. Sie pflegen weiterhin die alten Traditionen wie das Aufbewahren des Specks in der Speckkammer des Kirchenturms. Der Aufenthalt in Probstdorf endete mit einem gemeinsamen Konzert beider Kapellen, der Heinrichsheimer und der Probstdorfer, mit den noch verbliebenen Mitgliedern, deren Altersdurchschnitt 79 Jahre beträgt. Unser Ziel am elften Tag war Hermannstadt. Nach dem Besuch des Freilichtmuseums marschierten die Musikanten, gefolgt von der Tanzgruppe, durch die Heltauer Gasse, die Fußgängerzone, bis zum Kleinen Ring. Das Konzert wie auch die Darbietung der Tanzgruppe waren ein großer Erfolg. Nach einer Kurzbesichtigung der Stadt ging es weiter nach Großschenk zum dortigen Ortstreffen, danach fuhren wir nach Neppendorf zum Übernachten. Am nächsten Tag, einem Sonntag, begrüßte uns in der vollbesetzten Kirche Dekan Dietrich Galter. Nach dem gemeinsamen gestalteten Gottesdienst mit der Kapelle aus Heinrichsheim und dem Standkonzert im Pfarrhof verabschiedeten wir uns und fuhren weiter nach Arad, letzter Ort unserer Konzertreise. Nach einer vierstündigen Fahrt erreichten wir Arad. Das Konzert auf dem Stadtplatz mit mehr als 12000 Zuschauern war die Krönung unserer Reise. Nach der letzten Übernachtung in Arad traten wir am Montag, den 18. August, unsere Heimreise nach Neuburg a. d. Donau an.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen aller Reisenden ganz herzlich bei Reinhard Reißner und seiner Familie bedanken. Wir wissen alle, dass er sehr viel Zeit und Mühe investiert hat. Vielen Dank an Erwin Höchsmann, der sich um die Übernachtungsmöglichkeiten sehr gekümmert hat. Ein herzliches Dankeschön unserer Tanzleiterin Annemarie Höchsmann, die uns tapfer bei unseren Auftritten geführt hat. Ein großes „Vergelt’s Gott!“ an die Familie Helene und Ludwig Konreiter, die uns mit dem riesigen Bus sicher über die nicht immer einfachen Straßen in Siebenbürgen kutschierte. Bedanken möchte ich mich bei allen, die dazu beigetragen haben, dass diese Reise zustande kam, bei allen, die während der Reise in irgendeiner Weise behilflich waren. Und wir Siebenbürger werden die Worte des deutschen Botschafters nicht vergessen: „Mer wallen bleiwen wot mer sen.“ In diesem Sinne hoffe ich, dass es für alle Teilnehmer eine „unvergessliche Reise nach Siebenbürgen“ war.

Luise Gieb

Schlagwörter: Neuburg a.d. Donau, Reise, Tanzgruppe, Konzert

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