10. März 2016

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Offenheit für siebenbürgische Anliegen

Der rumänische Staat setzt sich für eine weitere Vertiefung seiner Beziehungen zu den ausgewanderten Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben ein. Der Minister für die Beziehungen zu den Rumänen im Ausland, Dan Stoenescu, und Präsidialberaterin Sandra Pralong besuchten am 26. Februar auf Wunsch des Staatspräsidenten Klaus Johannis die Bundesgeschäftsstelle des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in München. Die Bundesvorsitzende Herta Daniel brachte Anliegen der Siebenbürger Sachsen wie offene Restitutionsfälle, Notmaßnahmen für Kirchenburgen, Förderung des Jugendaustausches, Druck von Schulbüchern u.a. zur Sprache, die nun rumänischerseits einer Lösung zugeführt werden sollen.
Die Beziehungen zwischen Rumänien und Deutschland seien von strategischer Bedeutung für Europa, wobei die Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben und viele andere Vertreter der Zivilgesellschaft sie mittragen würden, sagte Minister Dan Stoenescu. Als Beispiel erwähnte er die Gründung des Rumänisch-Deutschen Forums am 4. Februar in Bukarest (diese Zeitung berichtete). Zurzeit werde die 19. Sitzung der Deutsch-Rumänischen Regierungskommission für Angelegenheiten der deutschen Minderheit in Rumänien vorbereitet, die am 21.-22. April 2016 in Goslar stattfinden soll.

Die Bundesvorsitzende Herta Daniel sprach das Problem der eingestürzten Kirchtürme in Radeln und Rothbach an. Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien (EKR) sei überfordert, alle 160 Kirchenburgen zu erhalten. Daniel fragte daher, welche Maßnahmen die rumänische Regierung ergreifen werde, um die beiden Kirchtürme wieder aufzubauen. „Wir wollen das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe als Teil der Kultur Rumäniens bewahren. Dieses Vermächtnis erfüllt uns mit Stolz“, betonte Minister Dan Stoenescu. Er erinnerte an den Brand der ev. Stadtpfarrkirche in Bistritz 2008, als rumänischerseits mit großer Hilfsbereitschaft reagiert worden sei. Er sicherte zu, dass er sich bezüglich Radeln und Rothbach an den Kulturminister Vlad Alexandrescu wenden werde, der einige Tage zuvor ein erstes Notprogramm angekündigt hatte. Rumänische Delegation im Gespräch mit den ...Rumänische Delegation im Gespräch mit den Vertretern des siebenbürgischen Verbandes und des Kulturrates am 26. Februar 2016 in München. Fotos: Siegbert Bruss Dr. Konrad Gündisch, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates e.V. und des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V., regte die Gründung einer Fachgruppe, bestehend aus Architekten und Statikern, an, um eine Bestandsaufnahme zur mittel- und langfristigen Sicherung der Kirchen und Kirchenburgen in Siebenbürgen durchzuführen.

Die Stiftung Kirchenburgen der EKR, die eine zentrale Rolle beim Erhalt der Kirchenburgen in Siebenbürgen spielt, steht unter der Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck und des rumänischen Staatsoberhauptes Klaus Johannis. Analog dazu schlug Gündisch vor, dass die beiden Staatspräsidenten auch die Schirmherrschaft für das Kulturzentrum Schloss Horneck übernehmen. Die hier angesiedelten Institutionen dokumentieren die Geschichte und die Kultur Siebenbürgens, einer Region in Europa, die ein Vorbild für das friedliche Zusammenleben der Ethnien sei.

Herta Daniel dankte dem rumänischen Staat für die Entschädigung, die den Opfern der Russlanddeportation ausgezahlt werde. Auf Initiative des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sei 2013 das Entschädigungsdekret 118/1990 auf alle Betroffenen ausgeweitet worden, die nicht mehr im Besitz der rumänischen Staatsangehörigkeit sind. Dieses Gesetz sei eine besondere Geste der Wiedergutmachung eines erlittenen Unrechts, die Rumänien viel Anerkennung auch unter den anderen Landsmannschaften des Bundes der Vertriebenen eingebracht habe, sagte Daniel. Als vorbildlich bezeichnete sie auch die Minderheitenpolitik Rumäniens und erwähnte ein kürzlich erlassenes Gesetz, das auch kleine deutschsprachige Schulklassen ermögliche. Als Problem sprach sie die fehlenden Schulbücher für den deutschsprachigen Unterricht an. Stoenescu sicherte eine Lösung dieses Problems zu.

Kritik übte Herta Daniel an den Restitutionsgesetzen und deren Umsetzung. Um ­eine Lösung herbeizuführen, wurde mit dem Außenministerium vereinbart, unerledigte Restitutionsfälle zu sammeln (SbZ Online vom 6. November 2015). Am 22. Februar haben der Verband der Siebenbürger Sachsen und die Landsmannschaft der Banater Schwaben insgesamt tausend offene Restitutionsfälle an den Botschafter Rumäniens Emil Hurezeanu in Berlin übergeben (diese Zeitung berichtete). Gespräch in der Bundesgeschäftsstelle in München, ...Gespräch in der Bundesgeschäftsstelle in München, von links: Bogdan Cenean, Roxana Hodorogel, Anton Niculescu, Dan Stoenescu, Herta Daniel, Sandra Pralong, Konrad Gündisch, Vadim Guzun und Erhard Graeff. Die Bundesvorsitzende berichtete über den siebenbürgisch-sächsischen Jugendaustausch, der im Rahmen der Föderationsjugendlager im Wechsel in den Ländern der Föderation (Deutschland, Österreich, USA, Kanada und Rumänien) stattfindet. Sie fragte an, ob die Teilnahme der Jugendlichen aus Siebenbürgen an diesem Jugendaustausch durch den rumänischen Staat bezuschusst werden könne. Auch bei der Ausrichtung des Föderationsjugendlagers in Rumänien sei Hilfe vonnöten. Dan Stoenescu zeigte sich offen, diese Jugendaktivitäten künftig zu fördern.

Die Teilnehmer am Gespräch betonten, dass die Wahl von Klaus Johannis zum Staatspräsidenten einen grundlegenden Sichtwechsel in und über Rumänien eingeleitet habe. Präsidialberaterin Sandra Pralong übermittelte Grüße seitens des siebenbürgisch-sächsischen Staatsoberhauptes und berichtete über eine Tagung am 23. Februar im Schloss Cotroceni in Bukarest. Klaus Johannis habe die Beziehungen zu den ehemaligen rumänischen Staatsbürgern und Auslandsrumänen als eine nationale Priorität Rumäniens bezeichnet und eine Partnerschaft mit ihnen angeregt. Die rumänische Regierung erarbeitet zurzeit ein Rahmenprogramm, um das vielseitige Potential der Diaspora für die Entwicklung und Modernisierung Rumäniens zu nutzen. Sandra Pralong zeigte sich offen für alle Erfahrungen der Siebenbürger Sachsen, die sich in ihrer alten Heimat engagieren oder sogar zurückkehren.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: deutsch-rumänische Beziehungen, Verband, Restitution

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