19. November 2020

Planungen in Zeiten von Corona: Bundesvorstandssitzung erstmals als Videokonferenz

Der Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen nimmt seine Aufgaben auch in Zeiten von Corona mit der gleichen Intensität wahr wie bisher. 30 Teilnehmer erörterten aktuelle Themen in der Bundesvorstandssitzung, die am 7. November erstmals in der Geschichte unseres Verbandes nur virtuell stattfand. Auf der Tagesordnung standen neben den Themen Fremdrenten, Entschädigungsgesetz für Kinder von Russlanddeportierten, Neues aus Rumänien, Haushaltsfragen auch ein Bericht der neuen Arbeitsgruppe Mitgliederwerbung und die Planung der kulturellen Aktivitäten. Der Bundesvorstand sprach eine Wahlempfehlung an alle wahlberechtigten Landsleute aus, sie mögen bei der Parlamentswahl am 6. Dezember für die Forumskandidaten mit Ovidiu Ganţ (Interview in der SbZ Online vom 22. November) an der Spitze stimmen, der sich als herausra­gender Parlamentarier für die deutsche Minderheit und die deutsch-rumänischen Beziehungen einsetzt.
Die Bundesvorstandssitzung des Verbandes fand am ...
Die Bundesvorstandssitzung des Verbandes fand am 7. November 2020 erstmals als Zoom-Konferenz statt. Die Technik funktionierte überraschend gut, und auch inhaltlich knüpfte die Besprechung an das Niveau der bisherigen Sitzungen nahtlos an. Bildschirmfoto: Robert Sonnleitner
In dem einführenden Geistlichen Wort thematisierte Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischer Siebenbürger und Banater (früher: Hilfskomitee), die menschliche Würde. In Gottes Augen seien wir nicht „Unkraut“, wie eine erkrankte Freundin sich durch den Spruch „Unkraut verdirbt nicht“ abwertend bezeichnet hatte, sondern Gott habe uns zu seinem Ebenbild geschaffen und „wir tragen, wie er, als seine Statthalter Verantwortung für seine Schöpfung“ (1. Mose 1, 27a. 28). „Darin besteht unsere Würde. Sie ist unverlierbar und unzerstörbar und kann uns von niemandem aberkannt werden“, betonte Dr. Köber.

Der Bundesvorsitzende Rainer Lehni begrüßte namentlich die von am weitesten her zugeschalteten Teilnehmer, Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, und Dr. Hans Bruno Fröhlich, Vertreter der Landeskirche im Bundesvorstand, sowie die Ehrenvorsitzenden Herta Daniel und Dr. Bernd Fabritius. Ein herzlicher Glückwunsch ging an Volkmar Gerger zu seiner Wiederwahl als Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen/Bremen.

Vorbereitungen für die Zeit nach der Pandemie

„Corona hat uns einen ganz großen Strich durch die diesjährige Rechnung gemacht. So gut wie alles ist anders gekommen“, bedauerte der Bundesvorsitzende, der die Zoom-Konferenz souverän leitete. Bei der letzten Bundesvorstandssitzung am 7. März in München sei das Ausmaß der Corona-Pandemie nicht absehbar gewesen. Der Verband habe noch nie „ein solch bescheidenes Verbandsleben“ gehabt. Nach „den kleinen Pflänzchen der Hoffnung im Sommer“ seien wir jetzt praktisch wieder beim Stand vom Frühjahr. Es sei schwierig, etwas zu planen. Etliche Kreisgruppen hätten versucht, auch in dieser Lage Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Hierfür dankte Rainer Lehni den Vorsitzenden der Kreisgruppen in einem Schreiben vom 5. November 2020 und bat sie, sich auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten (Artikel erscheint in der SbZ Online vom 27. November). Die Planungen für 2021 sollten gemacht werden, auch auf die Gefahr hin, dass unter Umständen nicht alles stattfinden könne.

Der geschäftsführende Bundesvorstand des Verbandes führte am 19. Oktober in München Gespräche mit den Mitarbeitern der Bundesgeschäftsstelle, der Landesgeschäftsstellen und der Zeitung. Anhand einer Tätigkeitsanalyse, die einige Wochen zuvor durchgeführt wurde, konnte die Verbandsspitze Einblick in die Arbeit der Angestellten gewinnen und einige Prozesse optimieren. Ein solches Gespräch mit allen Geschäftsstellen soll künftig regelmäßig stattfinden, kündigte der Bundesvorsitzende Rainer Lehni an.

Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen in den Startlöchern

Als erfreuliche Tatsache wurde die jährliche Förderung begrüßt, die der Freistaat Bayern den Siebenbürger Sachsen in Bayern zukommen lässt. Wie im Koalitionsvertrag der bayerischen Staatsregierung vorgesehen, erfolgt die Förderung über ein so genanntes Kulturzentrum der Siebenbürger Sachsen. Zu diesem Zweck haben die Vertreter des Bundesvorstandes und des Landesverbands Bayern im Sommer einen Satzungsentwurf erarbeitet. Am 9. August 2020 wurde in München das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen gegründet und ein Vorstand gewählt (diese Zeitung berichtete). Zurzeit laufen die Eintragung ins Vereinsregister und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Das Kulturwerk plant die Einstellung von einem Kulturmanager bzw. einer Kulturmanagerin sowie einem Assistenten bzw. einer Assistentin und hat einen Raum in der Geschäftsstelle des Verbandes angemietet, um seine Tätigkeiten aufnehmen zu können.

Wahlempfehlung für die Forumskandidaten bei der Parlamentswahl

Der Vorsitzende des Siebenbürgenforums, Martin Bottesch, berichtete über die Ergebnisse des Forums bei den Kommunalwahlen am 27. September in Rumänien. Im Vergleich zu 2016 sei die Zahl der Bürgermeister gleich geblieben, die der Kommunalräte von 81 auf 68 gesunken und die Zahl der Kreisräte habe sich von zehn auf fünf halbiert. Dennoch sei die Tatsache, dass mit Astrid Fodor in Hermannstadt zum sechsten Mal in Folge ein Bürgermeister aus den Reihen der deutschen Minderheit gewählt wurde, als Erfolg zu werten, sagte Bottesch. Für die Parlamentswahlen am 6. Dezember habe das Forum eine Kandidatenliste mit Ovidiu Ganţ an der Spitze aufgestellt. Bottesch äußerte die Hoffnung, dass der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und andere Verbände unserer Landsleute diese Kandidatur unterstützen werden. „Die in Deutschland lebenden Sachsen und Schwaben sollten wissen, dass Ovidiu Ganţ auch in ihrem Interesse gehandelt hat und es weiterhin tun wird. So ist sein Beitrag zum Zustandekommen des Gesetzes über die Entschädigung der Kinder der ehemaligen Russlanddeportierten wesentlich“, sagte Bottesch.

Diese Anregung griff der Bundesvorstand auf und fasste folgenden Beschluss: „Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland begrüßt und unterstützt die Kandidaten unseres Partnerverbandes DFDR für die Parlamentswahl in Rumänien am 6. Dezember 2020. Alle Landsleute, die noch die rumänische Staatsangehörigkeit besitzen und an der Parlamentswahl teilnehmen, werden aufgerufen, für die Forumskandidaten zu stimmen“ (siehe Aufruf in der SbZ Online).

Der Schäßburger Stadtpfarrer und Bezirksdechant Dr. Hans Bruno Fröhlich wies darauf hin, dass die Gottesdienste wegen den Corona-Einschränkungen eine Zeitlang nur digital stattfinden konnten. Das habe dazu geführt, dass die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien jetzt vernetzter denn je mit den Landsleute in der ganzen Welt sei, doch die älteren Leute auf dem Dorfe nicht erreiche.

Entschädigung für Kinder von Russlanddeportierten

Der Ehrenvorsitzende Dr. Bernd Fabritius wies auf das Gesetz Nr. 232/2020 hin, das am 5. November im Amtsblatt Rumäniens „Monitorul Oficial“ veröffentlicht worden sei. Das Gesetz klärt offene Fragen zur Einbeziehung von Kindern in die Entschädigung der Opfer der kommunistischen Diktatur in Rumänien. Auch Kinder, deren Eltern seinerzeit keine Entschädigung beantragt hatten, sind antragsberechtigt. Fabritius machte darauf aufmerksam, dass bei Sozialbehörden in Rumänien der Beibringungsgrundsatz gelte, und nicht wie in Deutschland der Amtsermittlungsgrundsatz. Jeder Antragsteller müsse also die Sachverhalte belegen, die er geltend mache (siehe Artikel in der SbZ Online).

Wie Fabritius berichtete, wurde das Thema Restitution des während des kommunistischen Regimes enteigneten Eigentums der deutschen Minderheit in der 23. Deutsch-Rumänischen Regierungskommission erörtert und die Empfehlung an die rumänischen Behörden ausgesprochen, die eingereichten Rückgabeanträge beschleunigt zu bearbeiten (siehe auch Siebenbürgische Zeitung Online vom 22. Oktober 2020).

Verband setzt sich für rechtliche Fragen der Mitglieder ein

Ebenso wie die Rückgabeanträge in Rumänien wird der Bundesvorstand auch die Initiativen für Rentengerechtigkeit in Deutschland weiter verfolgen. Rainer Lehni sprach bei dem Thema Fremdrente von einem „Teilerfolg auf halber Strecke“. Er empfahl den Kreisgruppen, den Aussiedlerbeauftragten Dr. Bernd Fabritius zu Multiplikatorenseminaren einzuladen, so wie sie erst kürzlich in Nürnberg und Geretsried abgehalten wurden.

Herta Daniel erinnerte an die Resolution der drei Landsmannschaften mit über 37000 Unterschriften, die dem Bundeskanzleramt vorgelegt wurden. Ein Gespräch mit der Bundeskanzlerin zum Thema Rentengerechtigkeit wird weiterhin angestrebt.

Stadt Dinkelsbühl rechnet fest mit den Siebenbürger Sachsen

Der Heimattag der Siebenbürger Sachsen fand in diesem Jahr digital statt. Er wurde als erfolgreich bewertet und zählt als 70. Heimattag in der Geschichte unseres Verbandes. Bundeskulturreferentin Dagmar Seck legte die Planung der kulturellen Maßnahmen für das nächste Jahr vor. Seminare für Pressereferenten, Kulturreferenten und Frauen sind ebenso geplant, wie auch der 71. Heimattag, der – angepasst an die zu Pfingsten 2021 geltenden Corona-Regelungen – in Dinkelsbühl stattfinden soll. Die Stadt Dinkelsbühl rechnet fest mit uns Siebenbürger Sachsen. Der Heimattagausschuss wird seine nächste Sitzung erst im Januar 2021 abhalten, wenn einiges mehr zur Corona-Lage bekannt sein wird.

Mitgliederwerbung wird auf neue Basis gestellt

Eine sehr gute Präsentation zum Thema Mitgliedergewinnung legte der stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Andreas Roth vor. Er leitet die Arbeitsgruppe Mitgliederwerbung, die in der Bundesvorstandssitzung vom 7. März 2020 gebildet wurde. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, eine nachhaltige Strategie zur systematischen und konsequenten Gewinnung von neuen Mitgliedern und Vermeidung von Austritten zu erarbeiten und umzusetzen. In zehn Telefonkonferenzen und bei einem Workshop am 17.-18. Oktober in München konnte die Arbeitsgruppe wertvolle Erkenntnisse gewinnen: wie man die Sicht der zu gewinnenden Mitglieder einnimmt, ihre Bedürfnisse erkennt u.v.m. Die Gruppe hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Erstellung von Erklärvideos, einem Infopaket („Methoden-Koffer“) für Multiplikatoren, Verkaufsschulung, Selbstvermarktung des Verbandes, Erarbeitung einer Zukunfsstrategie etc.

Zudem wurde die Haushaltsübersicht 2019 angenommen und der von der Bundesgeschäftsführerin Ute Brenndörfer vorgestellte Haushaltsentwurf 2021 besprochen. Der Bundesvorstand beschloss, dass die Beitragsverwaltung der Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland von der Landesgeschäftsstelle Stuttgart des Verbandes übernommen wird. Die nächste Bundesvorstandssitzung ist für den 5.-6. März 2021 in Dinkelsbühl geplant, wobei der erste Tag einer gemeinsamen Besprechung mit dem Stadtrat Dinkelsbühl gewidmet sein wird.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Bundesvorstand, Verband, Rainer Lehni, Bernd Fabritius, Martin Bottesch, Restitution, Entschädigung

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