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 Ausgabe: 221 / 01.02.2017 Abonnenten:     6 3 5 2  

 INHALTSVERZEICHNIS 
1. Vorwort » Machtkampf, Glück
2. SbZ-Artikel » Raumanmietung, Rentenrecht
3. Buch-Tipp » Glanz und Elend der Siebenbürger Sachsen
4. Diskussionen » Staatsbürgerschaft, Generationenvertrag
5. TV-Tipps » Mutter und Sohn, Matei Pavel Haiducu
6. Interview mit Reinhold Kraus
7. Leserecho

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 1. VORWORT 

Liebe Leserinnen und Leser,
kurz nach ihrer Vereidigung versucht die neue rumänische Regierung über Eildekrete den Kampf gegen die Korruption gravierend zu beeinträchtigen und den Rechtsstaat auszuhebeln. Staatspräsident, Opposition, Zivilgesellschaft, Justiz und internationale Stimmen sprechen sich deutlich gegen diese Pläne aus, zehntausende Menschen gehen auf die Straße. Es ist ein Machtkampf zwischen Regierung und Staatspräsident entbrannt.

Die aktuelle Situation in Rumänien ist auch Thema unserer Februar-Umfrage. Wie beurteilen Sie die Lage? Welche Lösungsmöglichkeiten und Folgen sehen Sie?

Im Buch-Tipp der heutigen Newsletter-Ausgabe setzt sich Hans Bergel mit der Vergangenheit und der Gegenwart der Siebenbürger Sachsen auseinander. Wie viel Glück man im Leben braucht, erfahren wir hingegen im Interview mit Reinhold Kraus, dem Vorsitzenden der Sektion Karpaten des DAV.

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 2. SBZ-ARTIKEL 

Erbitterter Kampf um den Rechtsstaat in Rumänien: Klaus Johannis wehrt sich gegen korruptes System
Kurz nach ihrer Vereidigung (diese Zeitung berichtete) versucht die neue rumänische Regierung über Eildekrete den Kampf gegen die Korruption gravierend zu beeinträchtigen und den Rechtsstaat auszuhebeln. Die Sozialdemokratische Partei (PSD) und der liberale Bündnispartner ALDE, die die Regierung stellen und über eine satte Mehrheit im Parlament verfügen, verfolgen dabei primär die Interessen eigener Mitglieder. Staatspräsident, Opposition, Zivilgesellschaft, Justiz und internationale Stimmen sprechen sich deutlich gegen die Pläne der Regierung aus. In Rumänien ist ein Machtkampf entbrannt. Zehntausende Menschen gehen auf die Straße, um den Rechtsstaat zu verteidigen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat inzwischen Stellung bezogen. mehr...

Neujahrsempfang in Gundelsheim am Neckar
Am 14. Januar fand der traditionelle Neujahrsempfang der Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen und der für sie wirkenden Vereine auf Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar statt. Eingeladen hatten der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat e. V. und das Siebenbürgische Kulturzentrum "Schloss Horneck" e. V. Weiterhin zählten zu den Gastgebern das Siebenbürgische Museum, der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. und das Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg. mehr...

Aktuelle Schlagzeilen:
» Schloss Horneck: Konditionen für Raumanmietung durch Heimatortsgemeinschaften
» Spätaussiedler leiden unter Generationenungerechtigkeit im Rentenrecht
» Sorin Grindeanu als neuer Premierminister vereidigt
» Verbandspräsident Fabritius zur Regierungskrise in Rumänien: Schleunigst ablassen von geplanten Gesetzesänderungen
» Hilfskomitee vor 70 Jahren gegründet - Vorstand der Gemeinschaft erörtert erste Vorhaben für 2017
» Erika Steinbach tritt aus CDU aus - Unionskollege Bernd Fabritius kritisiert die Entscheidung
» Herta Daniel im Vertriebenenbeirat der bayerischen Staatsregierung
» St. Georgs Orden für Präsident Klaus Johannis und Peter Maffay
» Deutsches Forum erörtert aktuelle und künftige Aufgaben
» Neuer deutscher Botschafter in Bukarest
» Jubiläumsempfang im Bischofspalais in Hermannstadt: Rückblicke und Ausblicke
» Neujahrsball mit dem Original Karpaten-Express
» Neujahrsempfang der bayerischen Staatsregierung
» Neujahrsempfang in Fürth mit abwechslungsreichem Programm
» Mitgliederversammlung der Carl-Wolff-Gesellschaft in Berlin
» Politische Bildungsfahrt nach Berlin
» Zum Tod von Altbundespräsident Roman Herzog
» Dialog mit Jugendlichen über die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit
» Dacian Cioloş gründet Nichtregierungsorganisation
» Tagung über Rumäniendeutsche in Bad Kissingen
» Aufschlussreiches Landler-Seminar in Bad Kissingen
» Von der Ritterburg zum Kulturzentrum der Siebenbürger Sachsen: Aus der Geschichte von Schloss Horneck
» Heimattag in Dinkelsbühl: "Siebenbürgisches Dorf" vor dem Festzelt
» "Café 7bürgen" in Drabenderhöhe eröffnet
» Reformationsgeschichten gesammelt
» Ausschreibung: Föderationsjugendlager 2017 in Siebenbürgen
» 68. Siebenbürgisches Skilager am Hochkönig
» 15. Skiwochenende der SJD in Saalbach-Hinterglemm
» SJD-Bayern: Einladung zum Landesjugendtag mit Neuwahlen
» Epiphaniasfest in der Stadtkirche Karlsruhe
» Ein Stück Siebenbürgen in Neckarsulm
» Siebenbürger Blaskapelle Augsburg: Mit munteren Klängen erfolgreich ins nächste Vierteljahrhundert
» Erfolgreiches Schorndorfer Kreisgruppenjahr
» Kreisgruppe München: Einladung zum Lohhofer Faschingsball
» In Leonberg: Adventsfeier, Ehrungen und Neuwahlen
» 35-jähriges Jubiläum der Tanzgruppe Heidenheim
» Weihnachtsgottesdienst in Heilbronn
» 65 Jahre Kreisgruppe und 35 Jahre Siebenbürger Chor Augsburg
» Hamburg / Schleswig-Holstein: 70-jähriges Adventsjubiläum
» "Puer natus" in Drabenderhöhe gefeiert
» Führungswechsel in der Kreisgruppe Karlsfeld - Dachau
» Jugendtanzgruppe Heilbronn mit neuem Vorstand
» Siebenbürger Blasmusik Stuttgart e.V. trauert um Ehrenvorsitzenden
» Zum Ableben der ehemaligen Bundesfrauenreferentin Ortrun Scola
» Wien: Nachbarschaft Penzing gratulierte Gerda Petrovitsch zum 80. Geburtstag
» Paula Schneider wird Stadtschreiberin von Kronstadt 2017
» Neuer Schuldirektor für Honterusschule
» Gala der "Honterus"-Absolventen in Kronstadt
» Frieder Schullers Filmarchiv wird aufgearbeitet
» Dagmar Dusils Kinderbuch regt die Fantasie an
» Nora Iuga erhält Verdienstorden
» Kritische Momente im Leben Georg Schergs: Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers und Erziehers
» Der Pianistin Christa Schlezak zum 80.
» Leonie Hinzel hip-hoppt wieder auf Platz eins
» Stephan Ludwig Roth in seiner Geburtsstadt geehrt
» Das Brauchtum lebt: Urzellauf in Großschenk

Weitere aktuelle Artikel finden Sie im Archiv der Siebenbürgischen Zeitung Online
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 3. BUCH-TIPP 

"Glanz und Elend der Siebenbürger Sachsen"

Gedanken zu Hans Bergels neuestem Buch

Wer erinnert sich noch der Rede von 1982 vor dem Kölner Dom? Oder jener im Dezember 1989 auf dem Münchner Odeonsplatz? Wem ist noch die Studie über die Lage der Menschenrechte bei den "Sachsen in Siebenbürgen nach dreißig Jahren Kommunismus" bekannt? Gerade mal vierzig Jahre sind es her, als Hans Bergel sie 1976 in dem vom Kronstädter Walter Myss geleiteten Innsbrucker Wort und Welt Verlag veröffentlichte und damit - wie wir heute wissen - die kommunistischen Machthaber in Bukarest aufschreckte. Und wer vermisst sie nicht, die "Politische Schlagzeile", die regelmäßig in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Siebenbürgische Zeitung mehr als nur ein Verbandsorgan mit Berichten werden ließ? Und die älteren Lesern werden sich auch noch daran erinnern, dass es in den späten 70er Jahren beinahe zu Zerwürfnissen innerhalb der Siebenbürger Sachsen in Deutschland kam, als die Vereinbarung zwischen Deutschland und Rumänien über die Familienzusammenführung zur Frage "Bleiben oder Gehen?" führte. Maßgeblich Beteiligter und Unterstützer all jener, die ihr Leben in Freiheit zubringen wollten, war der ehemalige Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung (1971-1989).

All diese damals publizierten Texte stammen aus der Feder des streitbaren und daher oft auch unbequemen Schriftstellers und Journalisten Hans Bergel. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass dieser Mann auf die Auszeichnung "viel Feind, viel Ehr" ebenso verzichtet, wie er es lieber sähe, dass manche seiner Voraussagen nicht zugetroffen wären. So mancher mag es nicht hören oder gar als abstrus bezeichnen, aber seine 1971, dann 1976 lange vor der Grenzöffnung geäußerte Feststellung, "die Endphase achthundertjährigen Daseins der Siebenbürger Sachsen als geschlossen siedelnder Menschengruppe steht nicht bevor, sie hat vielmehr längst begonnen", trifft trotzdem zu. Auch wenn es heute mit Hilfe aus dem Westen verschiedentlich zu einem Aufglimmen innerhalb der Gemeinschaft in Siebenbürgen kommt, ein richtiges Feuer wird wohl nicht mehr zu entfachen sein.

Nun tritt der mittlerweile bald 92-Jährige, von dem in den letzten Jahren umfangreiche Tagebuchaufzeichnungen, Briefwechsel, Reisenotizen, philosophische Essays, ein Gespräch mit seinem Jerusalemer Freund Manfred Winkler, Gedichte, Übersetzungen u.a. erschienen, fast unerwartet mit einem Buch zum Thema "Siebenbürgen" vor die Öffentlichkeit. Keine rühr- und erinnerungsseligen Ergüsse, sondern zehn ausgewählte Arbeiten vergangener Jahre, die das "Grundthema" seines Lebens auf fulminante Weise noch einmal unüberhörbar aufklingen lassen. Der Umschlagtext übertreibt nicht: "Ein ungewöhnliches, informatives und spannendes Buch - Geschichte vorgetragen mit dem Elan des dramatischen Erzählers." Nicht nur Geschichte, noch aufregender als sie sind die Darstellungen zu Vorgängen unserer Epochen.

Mit seinen Betrachtungen und Beurteilungen stand und steht Hans Bergel nicht allein. Man nehme einmal Adolf Meschendörfers (1877-1963) Roman "Die Stadt im Osten" (1931) zur Hand. Dort stehen Sätze, die Hans Bergel nicht treffender hätte schreiben können: "Wir stehen hier bis an die Brust in einem reißenden Strom, der uns fortspülen will von unserer Insel. Hört, ihr Völker Europas: den Siebenbürger Sachsen, den letzten Sachsen, geht das Wasser an die Kehle! Wir wollen nur leben. Und deutsch bleiben. Oder die Sturmflut über uns alle!" War Meschendörfers Aufschrei nicht der vorweggenommene Weckruf des Berliner Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter (1889-1953), der mitten in der kommunistischen Blockadezeit von 1948 seinen Apell über die Ätherwellen verbreitete: "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!"

Misstrauisch, nicht selten sogar feindselig, wurden Bergels Mahnungen ehemals von bundesdeutschen Politikern aufgenommen, sooft er ihnen den realen, am eigenen Leib erfahrenen Sozialismus zu erklären und sie aus ihren Träumereien auf den Boden der Tatsachen zu stellen versuchte. Wir alle, die wir aus Europas Südosten kommen und von ihm geprägt wurden, haben durch das, was dort in Jahrhunderten auf uns einwirkte, ein besseres Gespür für Mentalität und Anderssein der südosteuropäischen Völker entwickelt, für ihren Umgang mit dem Gestern und Heute, mit ihren Mythen und Legenden, ihrem Leiden, ihrer Geschichte, und nicht von ungefähr bezeichnet sich Hans Bergel als einen Menschen zweier Kulturkreise - des südöstlichen und des westlichen. Er ist Realist, es geht ihm nicht um Recht haben oder Recht behalten. Er spricht historische und gegenwärtige Situationen illusionslos klar und unmissverständlich an, ja, auch mit Stolz im Rückblick auf große geschichtliche Momente. Dabei leidet er an der verlorenen und entstellten Heimat.

Das geht auch aus dieser jüngsten Publikation über deren Glanz und Elend hervor. Der Leser spürt es, wenn Bergel über den Homo Transilvanus, den vom siebenbürgischen Hochland geprägten Menschen, schreibt, über die Karpaten, über Hermannstadt, Kronstadt, das Burzenland, über die großen Siebenbürger. In Abwandlung einer Äußerung des Kunst- und Kulturhistorikers Harald Krasser (1906-1981) über Adolf Meschendörfer kann auch über Bergel gesagt werden: Hat je eine Landschaft ihren Dichter so reich und immer wieder befruchtet wie Hans Bergel? Und nichts bleibt bei ihm in der Provinz stecken. Vielmehr wird ihm Siebenbürgen dank unerwarteter Blickwinkel jedes Mal zu Europa.

Es wäre auch aus einem anderen Grund zu einfach, sein Buch auf diesen Landstrich im Karpatenbogen zu reduzieren: Der Weitgereiste hat viel zu feine Antennen, um nicht nach jedem seiner Aufenthalte, ob in Namibia, Kanada, Israel, Neuseeland, Italien, der Ägäis, nach Besichtigung antiker Stätten, großer Museen, nach Begegnungen mit Menschen manchen der Eindrücke in seine vielgesichtige literarische Arbeit einfließen zu lassen. Mit eben diesen geschulten Antennen nimmt er auch die Nuancen historischer saxonischer Existenz in Siebenbürgen wahr. Siebenbürgen lässt den Welterfahrenen mit der z.T. ungewöhnlich bewegten Vita nicht los. Er zieht den internationalen Vergleich heran, um zu zeigen, warum das nicht nur subjektiv der Fall ist. Ob Stolz oder Wehmut ihn veranlassten, zu diesem vorgeschrittenen Lebenszeitpunkt noch einmal zu zeigen, woher er kommt, was ihn bewegt, welches seine, unsere geistigen Wurzeln sind? Um, nicht zuletzt, mit "Würde von der historischen Bühne abzutreten", wie er einmal schrieb.

Der Untertitel des Namen gebenden Beitrags des Buches lautet: "Finis Saxoniae im Licht der Geschichte / Etappen eines Rückzugs"; es ist der umfangreichste Text des schön gestalteten Bandes. Der Untertitel deutet an, worauf Bergels Gedanken hinauslaufen: historisch zwangsläufig auf das "Finis". Er brachte, wie gesagt, bereits vor Jahrzehnten die Rede darauf, sicherlich nicht als Erster. Aber er tut es mit Argumenten, die ihm der Rückblick aus dem 21. Jahrhundert liefert. Es liegt ihm nichts an einer plakativen Behauptung: Bergel zeigt, dass es um einen Rückzug in Etappen geht, deren Beginn weit zurückreicht. Es hat auch nichts mit der sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu tun. Zeigte uns nicht erst vor Kurzem der Künstler Peter Jacobi in fotografisch schönen, in ihrem Inhalt jedoch tief traurigen, ja erschütternden Bilder den tragischen Verfall einst stolzer Kirchen und Burgen in Nord- und einigen Teilen Südsiebenbürgens? Die von Bergel zitierten Worte eines rumänischen Publizisten sprechen genau das aus, wenn der Rumäne, an die Sachsen gewandt, bedauernd über ihre Abwanderung "Ade" sagt und hinzufügt: "Wir danken euch für tausend Jahre historischer Loyalität!" Und das war's.

Bergels Buch bietet eine Fülle beeindruckender Beispiele für den Glanz der sächsischen Präsenz in Siebenbürgen, Hinweise auf Leistungen, die diese kleine Ethnie am Rande des westlich geprägten Europa im Karpatenbogen immer wieder hervorbrachte. Sie versetzen in Erstaunen und lassen die Frage aufkommen: Wie nur war es ihr möglich, trotz zahlreicher - oder besser: zahlloser? - Katastrophen sich stets von Neuem aufzurichten und auf den Gebieten der Wissenschaft, der Technik, der Literatur und Künste, des Handwerks und der Wehrhaftigkeit Spitzenleistungen hervorzubringen? Schon allein die Verteidigung des Landes mit Burgen, Kirchenburgen und Wehrkirchen sonder Zahl erscheint als ein Wunder. Von den Nachbarn bewundert, beneidet - doch nicht geliebt. Also doch nur "hospites", Gäste, auf Abruf geblieben bis zu der einst so genannten "erfüllten Mission"? Um dann westwärts zurückzuziehen in die Landschaften, aus denen ihre Vorfahren vor Jahrhunderten aufgebrochen waren?

Und hier angekommen? Zunächst mit scheelem Blick betrachtet, missverstanden (siehe Beitrag "Nach den Narben fragt niemand. Die Schwierigkeit, als Deutscher ein Deutscher zu sein", S. 215-219), vom Staat zaghaft gefördert, nach erbrachter Leistung ob ihrer Ausdauer und Zielstrebigkeit anerkannt, teilweise bewundert, sind diese Deutschen aus Südost mittlerweile ein integrer Teil der Gesellschaft. Wer den Pulsschlag ihrer Herkunft, ihrer Lebenshaltung und ihres Blicks auf die Welt spüren will, lese das Buch, von dem hier die Rede ist.

Udo W. Acker

Hans Bergel: Glanz und Elend der Siebenbürger Sachsen. Rückblicke und Ausblicke eines Beteiligten. Edition Noack & Block, Berlin 2017. 222 Seiten, 45 Abbildungen, gebunden, ISBN 978-3-86813-043-0, 24,80 Euro, erhältlich im Buchhandel.
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 4. DISKUSSIONEN 

Forum: Allgemeines Forum
Thema: Habe ich die rumänische Staatsbürgerschaft?
Hat man die Staatsbürgerschaft noch, wenn die Eltern sie nie abgelegt haben?

Forum: Allgemeines Forum
Thema: Rumänien heute
Was angenehm auffällt, sind die friedlichen Demonstrationen, ohne Gewalt und Ausschreitungen.

Forum: Allgemeines Forum
Thema: Klaus Johannis als Staatspräsident Rumäniens
Eine Clique Politiker mit strafrechtlichen Problemen will die Gesetzgebung verändern.

Forum: Allgemeines Forum
Thema: Freikauf der Rumäniendeutschen in den Jahren des Kommunismus
Heute merkt man, was Deutschland für Risiken eingeht, um seine Bevölkerung "aufzustocken" und um den irrtümlichen "Generationenvertrag" zu retten.

Forum: Allgemeines Forum
Thema: Rückkehr nach Siebenbürgen angesichts derzeitiger Massenmigration nach D und Ö
Zuerst müssten mal alle Korruptis der alten Garde weg.

Forum: Allgemeines Forum
Thema: Ahnenforschung. Familienforschung. Genealogie.
Suche nach Wilhelm Karl Heinemann, Wolkendorf und Hermannstadt, vor 1909.

Forum: Soziale und rechtliche Integration
Thema: Rente Rumänien
Weiß jemand wie die deutsche Rentenversicherung auf den Betrag kommt, den sie abzieht?

Forum: Soziale und rechtliche Integration
Thema: Wie erhalte ich die Originale der Geburts-/ Heiratsurkunden?
An welche Behörde muss ich mich in diesem Zusammenhang wenden?

Forum: Soziale und rechtliche Integration
Thema: Rentenberechnung / Berufsschule Rumänien
Was tun, wenn ein Vertrag nicht mehr vorhanden ist?

Forum: Soziale und rechtliche Integration
Thema: Übertragung des Entschädigungsrechtes auf Hinterbliebene
In welcher Reihenfolge müssen die Anträge gestellt werden?

Forum: Lachen uch Nodinken
Thema: Duanerschmarter Anekdoten: Hia oder ech
Är Mån gefallt mer iwerhift net.

Weitere Themen finden Sie in unseren Diskussionsforen unter:
www.siebenbuerger.de/forum

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 5. TV-TIPPS 

Quelle: Pressetexte der Sender

ZDFinfo, Sonntag, 5. Februar, 11:15 bis 12:00
ZDFinfo, Sonntag, 5. Februar, 21:30 bis 22:15
ZDFinfo, Mittwoch, 15. Februar, 18:00 bis 18:45
Terra X: Der Dino-Planet
Gefiederte Drachen

Gigantoraptor, acht Meter lang und 2,6 Tonnen schwer, erinnert an einen überdimensionalen Strauß. Er legt große Eier in einfache Bodennester und bebrütet sie. Weder die kleinen Oviraptoren - Eierdiebe - noch ein fünf Meter großer Fleischfresser namens Alectrosaurus haben gegen diesen spät-kreidezeitlichen Herrscher auch nur den Hauch einer Chance.
Noch gigantischer sind die Flugsaurier, die zehn Millionen Jahre später die Lufthoheit über der Insel Hatzeg, heute Rumänien, besitzen. Hatzegopteryx, mit zehn Meter Spannweite das bislang größte flugfähige Tier, macht hier Jagd auf junge Magyarosaurier. Das Flugmonster besitzt keine Federn, sondern Spannhäute und ist auch gut zu Fuß. Auf allen Vieren laufend ist es höher als eine Giraffe. Allein der Schädel mit seinem langen Schnabel misst drei Meter.

TLC, Dienstag, 7. Februar, 20:15 bis 21:10
Body Bizarre - Unglaubliche Schicksale
Episode 4

Die 28-jährige Nicoleta aus Rumänien kam mit einem Augentumor zur Welt. Seitdem wächst die Geschwulst unaufhörlich weiter und bedroht mittlerweile sogar Nicoletas Leben. Die zweifache Mutter benötigt dringend ärztliche Hilfe. Sie fährt mit ihrem Mann in die Universitätsklinik von Temeswar (rumänisch: Timişoara). Dort wird nach mehreren Untersuchungen klar, dass sich Nicoletas Tumor nicht so einfach entfernen lässt. Doch ein ungewöhnliches chirurgisches Verfahren macht ihr Hoffnung und Nicoleta nimmt ein hohes Risiko auf sich, um endlich die Chance auf ein normales Leben mit ihrer Familie zu bekommen.

BR Fernsehen, Mittwoch, 8. Februar, 0:00 bis 1:45
Mutter und Sohn
(Mutter & Sohn / Poziţia Copilului)
Kurz vor ihrem 60. Geburtstag klagt Cornelia ihrer besten Freundin Guţa ihr Leid: Nie meldet sich ihr Sohn Barbu bei ihr, erst auf ihr Drängen hin haben sie sich nach über zwei Monaten mal wieder getroffen. Aber auch da kam es gleich wieder zum Streit. Und zu ihrer Geburtstagsfeier will er auch nicht kommen. Cornelias Ehe mit Relu, einem anerkannten Bukarester Chirurgen, ist schon lange mehr ein Nebeneinanderher, umso weniger kann sie ihren einzigen Sohn loslassen. Den Rat ihrer Freundin, ihm ein bisschen Luft zum Atmen zu geben, überhört die angesehene Architektin. Sie will doch nur das Beste für ihr Kind. Das Kind ist inzwischen 35 Jahre alt, und Barbu will längst sein eigenes Leben führen. Doch dann wird Barbu in einen Verkehrsunfall verwickelt, und Cornelia lässt nichts unversucht, ihren Sohn vor einer Haftstrafe zu schützen. Denn in ihrer Welt ist vermeintlich alles und jeder käuflich, auch die Unschuld, Freiheit und Liebe ihres Sohnes. Es ist ein schmaler Grat zwischen mütterlicher Fürsorge und egoistischer Manipulation - doch der Schicksalsschlag ist auch die Chance für einen Neuanfang.
Der auf der Berlinale 2013 mit dem Goldenen Bären für den besten Film ausgezeichnete Spielfilm "Mutter & Sohn" ist das sensible Porträt einer Mutter, die nicht loslassen kann, beeindruckend verkörpert von der großartigen Schauspielerin Luminiţa Gheorghiu ("4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage"). Regisseur Călin Peter Netzer zeichnet mit dem intimen, bisweilen aber auch tragikomischen Drama das differenzierte Bild einer zerrissenen Gesellschaft im heutigen Rumänien. Seine zutiefst menschliche Sozialstudie ist eine Sternstunde des neuen osteuropäischen Kinos. "Ich habe das Drehbuch zusammen mit Răzvan Rădulescu geschrieben und der Ausgangspunkt waren unsere persönlichen Erfahrungen mit unseren Eltern und vor allem unseren Müttern, die wir nach und nach mit vielen fiktiven Elementen zu einer Geschichte ergänzt haben", so Călin Peter Netzer über seinen Film. "Die Geschichte zwischen Mutter und Sohn ist universell, sie wird überall verstanden, aber sie ist eingebettet in einen Kontext, der spezifisch für Rumänien ist, die Korruption etwa, auch wenn die anderswo so ähnlich ebenso passiert", so der Regisseur. "Călin Peter Netzer zeigt unaufgeregt, wie die rumänische Gesellschaft 25 Jahre nach dem Ende der Ceauşescu-Diktatur funktioniert, wie eine reiche Oberschicht, der Cornelias Familie angehört, Behörden und Gesetze manipuliert. Was den Film aber über diese genau beobachteten Vorgänge hinaus interessant und berührend macht, ist das individuelle moralische Drama, das von dem gesellschaftlichen Dilemma nicht zu trennen ist... Mit der Handkamera ganz nah an seinen Protagonisten, nüchtern, fast dokumentarisch und doch sehr komplex werden so Strukturen sichtbar, die zu moralischen Entgleisungen führen, ohne dass den Filmhelden etwas von ihrem Menschsein oder die Chance auf Veränderung genommen wird." (Hannelore Heider, Deutschlandradio Kultur, 22.05.2013)

Sport1, Samstag, 11. Februar 13:00 bis 15:00
Rugby Live - Rugby Europe Championship
Deutschland - Rumänien, in Offenbach

Auftakt in die Rugby Europe Championship: In Offenbach empfängt die deutsche 15er Rugbynationalmannschaft zum Start Rumänien. Im vergangenen November überzeugte das Team mit Siegen gegen Uruguay und Brasilien. Der Wettbewerb ist gleichzeitig auch der Startschuss für die WM-Qualifikation zur Rugby WM 2019 in Japan, für die sich die DRV XV erstmals qualifizieren möchte.

ARTE, Mittwoch, 15. Februar, 12:50 bis 13:20
Vergissmeinnicht
Matei Pavel Haiducu, Spion

Matei Pavel Haiducu wird 1948 in einem vom Zweiten Weltkrieg gebeutelten Rumänien geboren. Das Volk leidet unter der Herrschaft der kommunistischen Partei. 1967 ergreift Nicolae Ceauşescu die Macht. Dieser herrscht bis kurz vor seiner Exekution an Weihnachten 1989 als eiserner Diktator über Rumänien. Ceauşescu veranlasst den rumänischen Geheimdienst Securitate dazu, im Ausland Industriespionage zu betreiben. Auch Haiducu wird 1969 als Spion verpflichtet. Nach einer sechsjährigen Ausbildung schickt ihn die Securitate mit einer falschen Vita als Agent nach Frankreich. Dort beginnt Haiducu in einem Industrieunternehmen zu arbeiten, das er geschickt unterwandert. Außerdem verliebt er sich in die Sekretärin Micheline. Die beiden heiraten und bekommen eine gemeinsame Tochter. Über mehr als acht Jahre führt Haiducu ein gefährliches Doppelleben und liefert Informationen an den rumänischen Geheimdienst. Doch schließlich erhält er einen Auftrag, den er nicht befolgen will: Er soll zwei rumänische Dissidenten, Virgil Tănase und Paul Goma, liquidieren. Einen Mord kann Haiducu nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Er stellt sich dem französischen Geheimdienst. Die beiden Zielpersonen können in Sicherheit gebracht werden, ohne dass der rumänische Geheimdienst Verdacht schöpft. Als die Wahrheit schließlich doch ans Licht kommt, wird in Rumänien das Todesurteil gehen Haiducu verhängt. Fortan lebt er versteckt und unter falscher Identität in der französischen Provinz. Erst nach dem Fall Ceauşescus kann Haiducu wieder in sein Heimatland zurückkehren. 1998 stirbt er schließlich an den Folgen einer Hepatitis-C-Erkrankung. Der Spion Haiducu hatte den Mut etwas zu tun, das andere nicht gewagt hätten. Obwohl er sein eigenes Leben und das seiner Familie damit gefährdete, weigerte er sich zu töten. Er war ein Schattenmann, der für das Licht gekämpft hat.
An historischen Wendepunkten waren häufig Menschen beteiligt, deren eigenes Schicksal dadurch eine bestimmte Richtung nahm, die später jedoch schnell in Vergessenheit gerieten. Das Englische hat für solche Helden, deren Taten nie besungen wurden, den Begriff "Unsung Heroes". Die Reihe schildert 20 solcher Schicksale und stellt die damit verbundenen Ereignisse in einen gesamteuropäischen Zusammenhang. Mit umfangreichem historischem Archivmaterial, aktuellen Aufnahmen an Originalschauplätzen und zahlreichen O-Tönen vermittelt die Reihe bewegte Momente der Geschichte hautnah.

Das Erste, Sonntag, 19. Februar, 17:30 bis 18:00
tagesschau24, Dienstag, 21. Februar, 21:32 bis 22:00
tagesschau24, Samstag, 25. Februar, 7:15 bis 7:45
Raus aus dem Elend
Eine Deutsche kämpft gegen die Armutsflucht

Film von Antje Schneider
"Als ich sie fand, hausten sie in Erdlöchern und Hütten - ohne Strom, ohne Wasser, ohne Essen. Die Männer waren betrunken, die Mütter bettelten - und die Kinder froren halbnackt bei Minusgraden. Ein Slum mitten in Europa!"
Jenny Rasche entdeckte die Roma-Siedlung nahe Hermannstadt (rumänisch: Sibiu) durch Zufall, als sie 2007 mit einem Hilfstransport von Deutschland aus auf dem Balkan unterwegs ist. Das Elend der Babys und Kinder geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Zurück zu Hause, im Harz, gründet sie eine Hilfsorganisation und zieht kurz darauf mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern nach Rumänien.
Jenny hat ein klares Ziel: Sie holt die Kinder aus dem Slum und schickt sie in eine von ihr gegründete Spezialklasse für Roma-Kinder. Schule statt Betteln. Keines der Kinder kennt einen geregelten Tagesablauf, keines kennt Strukturen, keines kann lesen oder schreiben. Die Mütter geben ihre Kinder nur zögerlich für den Tag frei - doch es geht voran. Es entsteht zusätzlich ein Tageszentrum, es wird gekocht, die Kinder lernen geregeltes Essen kennen - und sie meistern die Klassenabschlüsse. Nach fast acht Jahren intensiver Arbeit werden die Erfolge sichtbar. Inzwischen unterstützen die Kinder ihre Eltern bei Behördengängen, beim Lesen und Schreiben, die Häuser werden renoviert - es gibt eine Wasserleitung.
Sieben Jahre begleitete das Filmteam Jenny Rasche und die Roma mit der Kamera. Ein Film über eine ungewöhnliche Frau, die Ungewöhnliches leistet.

BR Fernsehen, Montag, 20. Februar, 11:15 bis 12:00
Länder-Menschen-Abenteuer
Das vergessene Bergvolk - Bei den Huzulen in Rumänien

Dimitri Tomiuc ist Bergbauer und gehört zum Volksstamm der Huzulen, einer ethnischen Minderheit im rumänischen Teil der Bukowina. Alte Traditionen und Bräuche sind bei den Huzulen noch lebendig. Ihr Erhalt ist vor allem dem Schriftsteller Cassian, einem Freund der Familie, wichtig. Dimitri wohnt oben auf dem Berg in einem kleinen Haus. Das gusseiserne Bügeleisen, das die Eltern ihm hinterlassen haben, wird tatsächlich noch benutzt. Die Petroleumlampen dienen zur Beleuchtung, denn Dimitris Haus ist noch ohne Stromanschluss. Dabei trennen ihn nur rund 70 Meter Luftlinie von der elektrifizierten Zivilisation. Gerne hätte er endlich Anschluss an die moderne Welt. Der Film ist die Geschichte einer Zeitreise. Die Lebensweise des 50-jährigen Dimitri Tomiuc lässt die Zuschauer eine Welt erleben, wie sie vor 100 Jahren alltäglich war. Nur bei seinen sehr seltenen Abstiegen ins Tal wird der Bergbauer mit der modernen Zeit konfrontiert. Er lebt nicht nur äußerlich sehr traditionell. Auch sein Denken und Handeln ist geprägt von der Überlieferung seines Volkes, den Huzulen, die sich seit jeher vorzugsweise auf Bergspitzen angesiedelt haben. Doch jetzt hält auch bei ihnen die Moderne Einkehr. Auf diese Weise zeigt der Film - quasi im Zeitraffer, was Urgroßeltern, Großeltern und Eltern in den vergangenen 100 Jahren erlebten: die Elektrifizierung ihres Haushalts - mit der ersten Glühbirne, dem ersten Bügeleisen, dem ersten Fernseher.

Weitere Tipps demnächst auf Siebenbuerger.de.

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 6. INTERVIEW 

"Die Berge sind mein Sportplatz, der schönste dieser Welt"

Interview mit Reinhold Kraus, Vorsitzender der Sektion Karpaten des DAV

Die Begeisterung für die Berge und den Bergsport, die Jagd nach eigenen Gefühlen und Grenzerfahrungen, das Interesse für fremde Kulturen und die Menschen dieser Welt, das Bedürfnis, den Menschen etwas von dem eigenen Glück zurückzugeben, und vieles mehr sind Triebfedern, die Reinhold Kraus, Vorsitzender der Sektion Karpaten des DAV und der Alpingruppe Adonis, auch heute im Leben anspornen. Anlässlich seines 60. Geburtstages am 27. Dezember führte Heidrun Negura folgendes Gespräch.

Reini, du bist als Sechzigjähriger immer noch im Bergsport und vielen Ehrenämtern sehr aktiv. Welche Ehrenämter hast du in deinem Leben bekleidet und wie sieht deine ehrenamtliche Tätigkeit heute aus?
Schon mit 15 Jahren bekleidete ich in Hermannstadt in der Firma UPAS mein erstes Sportamt. In Mediasch gründete ich 1985 die Alpingruppe Adonis, die spätere Orientierungslaufgruppe. Benannt wurde sie nach den seltenen Adonisröschen in der Mediascher Gegend. Die Gruppe nahm an vielen Sportwettbewerben, Markierungsaktionen in Siebenbürgen teil und vergab den Adonis-Pokal für eigene Wettbewerbe. 1985-1990 unterstützte ich die Gründung weiterer sechs Bergsteigervereine in Mediasch. Seit 1990 ist die Alpingruppe Adonis in Deutschland unter meiner Leitung wieder aktiv. 1997- 2009 bekleidete ich verschiedene Ämter in der Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins (DAV), seit 2010 bin ich deren Vorsitzender. Hier bin ich auch als ehrenamtlicher Trainer und Tourenleiter in verschiedenen Bergdisziplinen tätig. Seit achtzehn Jahren spiele ich in der siebenbürgischen Theatergruppe Geretsried mit, seit zwei Jahren tanze ich siebenbürgischen Volkstanz ebenfalls in Geretsried.

Wie bekommst du alle deine Aktivitäten unter einen Hut?
Indem ich all mein Tun mit Begeisterung, Ernsthaftigkeit, Disziplin und Nachhaltigkeit angehe. Trotz vieler Arbeit und manchmal auch nervenaufreibenden Angelegenheiten, machen mir all diese Aktivitäten Spaß. Zu meinem wöchentlichen Training gehören Turnen, Joggen und am Wochenende die anstehende Sportaktivität. Ich bin an ca. 30 Wochenenden im Jahr sportlich unterwegs. Ich praktiziere alle Bergdisziplinen wie Skitouren, Skihochtouren, Hochtouren, Höhenbergsteigen, Eisklettern, Klettern, Klettersteige, Mountainbike sowie Laufsport wie Marathon und Orientierungsläufe. Wichtig ist mir, die richtige Balance zwischen Vereinsleben, Partnerschaft, Familie, Beruf und dem eigenen Ich zu halten.

Welches waren deine größten Ziele in der Alpingruppe Adonis und Sektion Karpaten?
Die Einführung aller Bergdisziplinen sowie die Pflege des Gemeinschaftssinns. Zurzeit bietet die Sektion Karpaten 17 Bergdisziplinen an. Das habe ich nicht alleine geschafft, sondern mit vielen Bergsteigern, die heute Tourenleiter der Sektion sind. Ohne sie wäre der Verein nicht das, was er jetzt ist, und ich nicht das, was ich heute bin.

Die Sektion Karpaten des DAV wächst und hat kürzlich die 500-Mitglieder-Grenze überschritten. Welches ist das Geheimnis?
Die größte Herausforderung, ist es Mitglieder für die Vereinsarbeit zu motivieren und zu begeistern und die Vorzüge der ehrenamtlichen Tätigkeiten aufzeigen, wie z.B. sich selbst weiter zu entwickeln oder anderen Freude zu bereiten. Wir verschenken viel Freizeit, lernen aber dabei und bekommen viel zurück. Wichtig ist es in einem Verein, das "Alte", das geschichtlich Gewachsene, aufzugreifen und offen für das "Neue" zu sein.

Woher kommt deine Liebe zu den Bergen und was gibt dir der Bergsport?
Die Liebe zu den Bergen und der Natur und die Neugierde für die große weite Welt wurde mir in der Mediascher Schulzeit vermittelt, ein gewisses sportliches Talent wurde mir in die Wiege gelegt. Nach Leichtathletik, Fußball und zwölf Jahren Handball folgte dann der Bergsport, den ich mit 30 Jahren begann und mittlerweile seit 30 Jahren praktiziere. Ich habe das getan, was ich am besten konnte, und habe im Bergsteigen die Quelle meines Glücks gefunden. Die Berge sind mein Sportplatz, der schönste dieser Welt. Hier kann ich mich messen, meine physischen und psychischen Qualitäten unter Beweis stellen. Bergsteigen schenkt mir Selbstbewusstsein, Vertrauen in eigene Kräfte, Emotionen, Gefühle der Freude, des Leidens, der Bewunderung für die Schönheiten der Natur. Reisen durch die Welt erweitern mein kulturelles Verständnis.

Du hast auf vielen Expeditionen Gipfel in der ganzen Welt erklommen, die oft über 6 000 m hoch sind. Das ist eine unglaubliche Leistung, vor allem weil die Touren mit steigenden Jahren nicht abnehmen. Welches ist die Triebfeder dazu?
Ich habe klein angefangen mit den Gipfeln der Karpaten, dann mit jenen der Alpen und weil ich meine Grenzen noch nicht erreicht hatte, machte ich weiter. Es folgten die höchsten Berge von Europa, Afrika, Süd- und Nordamerika und der sechsthöchste Berg der Welt, der Cho Oyu, wo ich 7 900 m erreichte. Das Geheimnis liegt darin, sich konkrete Ziele zu setzen und die Disziplin aufzubringen sich physisch und mental auf diese Ziel vorzubereiten. Ich wollte einer von "ihnen" sein, den Bergsteigern, die an die Grenzen gehen. Triebfeder für neue Unternehmungen waren Anerkennung und Zuspruch der Freunde, der siebenbürgischen Gemeinschaft, der Vereinskameraden und auch des Ehrenvorsitzenden der Sektion Karpaten, Hans Bergel. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten internationalen Expeditionen: 2002 - Trecking im Mt. Everest Gebiet Nepal; 2003 - Elbrus (5 642 m) in Russland; 2004 - Mount Kenia (5 199 m) und Kilimanjaro (5 895 m) in Afrika; 2005 - Aconcagua (6 962 m) in Chile; 2006 - Cho Oyu (8 201 m) in Tibet - ich erreichte 7 900 m; 2009 - Mount McKinley, heute Denali (6 190 m), Alaska; 2011 - Ampato (6 288) in Peru; 2013 - Trekking im Karakorum und Besteigung des Pastore Peak (6 209 m), Pakistan; 2015 - Chimborazo (6 267 m) und Iliniza Sur (5 248 m), Ecuador.

Welches waren deine anspruchsvollsten Touren?
Der Cho Oyu (8 201 m) in Tibet. Der Aufenthalt in der Todeszone war ein einschneidendes Erlebnis und forderte meine gesamte geistige und körperliche Kraft. Nach jedem Schritt benötigte ich mehrere Sekunden Pause. Unvergessliche Momente: auf 7 500 m Höhe, 5 Uhr morgens bei minus 25° Grad vor dem gelben Band, einer 30 Meter Steilstufe. Höhenbedingt floss mein Blut spürbar dick und langsam durch die Adern und brachte keine Wärme in meine eisig gefrorenen Hände und Füße. So durchgefroren half mir nur noch der Gedanke: "Wenn man nicht mehr weiter kann, dann erst recht." Nur der eiserne Wille peitschte mich in der Dunkelheit der Nacht, die senkrechte Wand nach oben. Ich erreichte 7 900 m. Der Mount Mc Kinley (6 190 m) in Alaska, der kälteste Berg der Welt, bot härteste bergsteigerische Herausforderungen. Er forderte von mir beste physische Kondition, weil ich 50 kg Ausrüstung über 4 000 Höhenmeter selbst tragen musste, psychische Stärke für extremste Wetterverhältnisse und totale Schwindelfreiheit für ausgesetzte Gratwanderungen. Die Eiskletterei der Route Gläserne Madonna in Österreich, ist eine Herausforderung, wenn der 180 m lange Wasserfall gefroren ist und überwiegend senkrecht hoch geht. Hier konnte ich die Finger wegen Verkrampfung und Kälte kaum noch von den Eisgeräten lösen.

Gab es abenteuerliche und auch gefährliche Erlebnisse?
Bei der Besteigung des Mount Kenia (5 199 m) in Afrika klettert man die letzten 300 Höhenmeter im vierten Schwierigkeitsgrad. Wir kletterten zu zweit ohne Bergführer und verstiegen uns bei minus 8 Grad Celsius im brüchigen Fels. Glücklicherweise fanden wir die Route wieder. Gefährlich war die Besteigung des Ampato (6 288 m) in Peru. Drei Meter vor mir riss eine Lawine unseren Bergführer in die Tiefe. Er überlebte wie durch ein Wunder. Zu dritt retteten wir uns mit einem gebastelten "Seil" aus unseren Stöcken und Kleidern. Im Karakorum in Pakistan standen wir am Aussichtspunkt, als einige Kilometer von uns entfernt von uns, nahe des Basislagers Nanga Parbat (4 050 m), elf Bergsteiger in einem Gemeinschaftszelt von Taliban tragisch erschossen wurden. Man braucht eben auch viel Glück im Leben.

"Wenn eure Wünsche euch nicht erschrecken, dann sind sie nicht groß genug (Ellen Johnson Sirleaf)." Was bedeutet das Motto auf deiner Webseite für dich?
Ich habe mir einfach vorgestellt, dass ich bestimmte Sachen machen werde, auch wenn dies für den jeweiligen Moment vielleicht utopisch und erschreckend aussah. Man darf nicht nur darüber nachdenken, welches die Hindernisse sein können, weil man sonst zurückschreckt. Man muss sich einfach das Endziel vorstellen und sich mit Mut und Optimismus aus der Sicherheitszone heraustrauen. So habe ich meine großen Wünsche verwirklicht.

"Glück ist erreicht, wenn das, was du denkst, was du sagst und was du tust, in Harmonie sind" (Mahatma Gandhi). Was sagt dieses Motto deiner Webseite über dich aus?
Einen hohen Gipfel zu erklimmen, der viel körperliche Anstrengung und Konzentration benötigt, bedeutet, dass man ganz mit sich im Einklang sein muss. Nur so kann sich der Körper auf so große Leistungen konzentrieren. Das gilt auch für mein tägliches Leben. Ich verwirkliche meine Träume oder Ideen, weil ich das, was ich denke, auch lebe und mir treu bleibe. Je schwerer die Tour, desto erhabenere Glücksgefühle bei der Rückkehr. Es sind Momente der Erlösung, Befreiung, der Genugtuung, Stolz und Zufriedenheit mit sich selbst.

Du hast auch sehr viele Hobbys. Davon ist ein ganz Großes das Fotografieren, Berichterstatten, Multimediavorträge halten über deine Reisen. Kannst du davon erzählen?
Fotografieren ist meine Leidenschaft. Schon in den jungen Jahren war der Fotoapparat mein ständiger Begleiter und auch in den schwierigsten Positionen am Berg drückte ich auf den Auslöser. Es ist mir wichtig, Freude zu teilen und Menschen zu vermitteln, dass vieles möglich ist, wenn man Entscheidungen trifft und sich dafür begeistern kann. Ich gebe das Erlebte in Multimediavorträgen, Berichten, Bildern, Fotoausstellungen weiter. In Vorträgen vermittle ich Reise- und Bergsteigertipps, zeige Möglichkeiten der Selbstentwicklung auf. Auf meiner Website www.kraus-reinhold.de ist vieles nachzulesen und zu sehen. Bisher hielt ich über 100 Vorträge und schrieb viele Berichte für den "Berggeist", die "Jahrbücher" der Sektion Karpaten und für das "Mediascher Infoblatt". Die Einnahmen meiner Vorträge spende ich oft für Unterstützung von Projekten im jeweiligen Land.

Wie kannst du neuen Mitglieder und älteren Mitgliedern in der Sektion Karpaten Mut machen?
Bergsteigen ist alterslos, man kann immer neue Bergdisziplinen dazulernen. Meistens haben die Menschen Angst vor der Angst. Mut erwirbt man mit der Entscheidung, etwas zu tun. Dann baut man dies mit Training, durch Studium, Vorbereitungen, mit Erfahrungen aus. In der Sektion Karpaten kann man all das lernen und erfahren und wird dabei unterstützt.

Wie sieht der Bergsport für dich ab 60 aus?
Ich werde weiter wie bisher alle Bergdisziplinen ausüben, darunter auch meine Lieblingsdisziplin Klettern am Fels und im Eis. Eines hat sich zu früher geändert: Ich muss mir nichts mehr beweisen, das habe ich bereits getan. Wichtig ist mir, meine Erfahrungen an Jung und Alt weiterzugeben. Ich wünsche mir, dass meine Liebe zu Mensch und Natur weiterhin mein Leben begleitet und bereichert. Für die Zukunft wünsche ich mir sehr viele gemeinsame Touren und Reisen mit meiner Lebenspartnerin in die ganze Welt.

Im Namen der Sektion Karpaten und der Siebenbürgischen Zeitung danke ich dir für deine großartigen Leistungen und deinen unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz für den siebenbürgischen Bergsport. Wir wünschen dir alles Gute zum 60. Gesundheit und weiterhin viel Energie für all deine Zukunftspläne!

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 7. LESERECHO 

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